Jahres-Archiv 2017

Einsam

Sommer am Rhein bei Lorch

Sommer am Rhein bei Lorch

Jetzt steh ich hier gefühlt schon eine Ewigkeit an Land, im heissen Kolumbien, auf dem staubigen Platz der Ferroalquimar Werft. Stehe mir den langen Kiel in den dicken Bauch und schwitze vor mich hin. Ab und zu bin ich im Weg, dann kommt der Kran, packt mich in seine starken Gurtarme und setzt mich ein paar Meter weiter wieder ab. Das ist ein schönes Gefühl, fast so, als wäre ich wieder im Wasser, schwebend und leicht fühle ich mich dann. Dauert nur nicht lange.

Meine Crew will irgendwie nix mehr von mir wissen, die sind auf und davon. Ab und zu sehe ich merkwürdige Fotos. Auf denen sind dann komische Boote an einem braun-grün-grauen Fluss; Motorboote nennen sie die. Ich find die hässlich und kann gar nicht verstehen, warum sie mit so viel Begeisterung fotografiert werden. Aber meine Bordfrau hat ja ein Faible für das nicht ganz so schöne. Schönheit liege im Auge des Betrachters, sagt sie. Ich muss da irgendwie blind sein ……! Letztes Wochenende dann die Krönung: besichtigen die doch so komische Kästen auf 4 Rädern. Wohnmobile sollen das sein. Und ich frage mich, was macht man damit??? Die Duschkabine ist so eng, das man nur aufrecht darin stehen sich aber ja nicht bewegen kann. Vom Klo kann man kaum aufstehen (dafür aber auch nicht runterfallen, hat ja auch was), die Pantry ist offenbar nur zum angucken und nicht zum kochen ausgelegt. Antirutschkanten hab ich ja schon sehr filigrane, aber hier sind gleich gar keine vorhanden. Naja, wahrscheinlich schaukelt es in so einem Ding nicht so beim kochen. Oli Sailor meint, die würden nicht schwoijen und nicht schaukeln, dafür ziemlich viel Diesel verbrauchen, Krach machen und Gestank verbreiten. Will meine Crew etwa allen Ernstes in sowas einziehen und damit über Land gondeln??? Ich und auch viele unserer Freunde können sich das nicht vorstellen. Aber meine Crew guckt so ernst und nachdenklich, das ist kein gutes Zeichen …. ich kenn sie ja jetzt doch schon ein paar Jahre, um das deuten zu können. Hoffentlich redet denen noch mal jemand ins seglerische Gewissen. Was soll denn dann aus mir werden???

Überhaupt finde ich ja, das es echt Zeit wird, dass die wieder zu mir zurück kommen. Deutschland ist schön, das gebe ich ja auch zu. Aber ich würd gern auch mal wieder was anderes sehen und vor allem Wasser unter meinem Bauch fühlen. Das plätschern und gurgeln hören; fühlen, wie die Wellen mich kitzeln und mit Delfinen um die Wette durchs Wasser pflügen. DAS wäre fein ….. seufz. So wie es aussieht, muss ich darauf noch ein bisschen warten.

Einen Vorteil hat die Sache ja: ich hab hier jetzt die Wortgewalt von meiner Bordfrau übertragen bekommen. Sie hätte ja nicht wirklich was zu berichten meint sie. Na, ich ja auch nicht so wirklich. Was ja irgendwie auch nicht schlecht ist. So ein bisschen Ruhe nach den äusserst bewegten letzten 4,5 Jahren tun mir in meinem hohen Alter auch ganz gut. Solange mir das Ruderblatt nicht einrostet …. ;-). Viele Grüße an euch alle aus Cartagena de Indias! Und von meiner Crew soll ich aus Deutschland grüssen.

Einsam und verlassen auf dem Boatyard

Einsam und verlassen auf dem Boatyard

Wohnmobilbesichtigung

Wohnmobilbesichtigung

Lotsenhaus - zwischen der Schleuse und dem Aussenhafen liegt es direkt hinterm Deich, super Ausblick inclusive

Lotsenhaus - zwischen der Schleuse und dem Aussenhafen liegt es direkt hinterm Deich, super Ausblick inclusive

Steganlage im Emder Hafen - hier fand naja bei ihrer Ankunft 2002 ein erstes Asyl

Steganlage im Emder Hafen - hier fand naja bei ihrer Ankunft 2002 ein erstes Asyl

Alles Fisch oder was?

Matjestage in Emden - gute Gelegenheit, Segelfreunde zu besuchen, die in Emden wohnen - wenn sie nicht gerade an Bord Ihrer Alu-Yacht in der Karibik die Ankerplätze unsicher machen. Und gerade sind sie an Land, in Deutschland. Passt doch bestens!, auf nach Emden!

Für Schiff und Skipper hat Emden eine besondere Bedeutung: hier hat vor über 10 Jahren (15 um genau zu sein) ein Frachter festgemacht und seine Decksladung gelöscht. Die bestand unter anderem aus einer ziemlich ramponierten Segelyacht, die im Verladekran alles andere als stolz wirkte. Ein hässliches Entlein wurde da ins trübe Hafenwasser gesetzt und von einem anderen Boot zu einer kleinen Steganlage im Emder Hafenbecken und einige Zeit später nach Verden geschleppt.

„Na ja“ hat den Emder Hafen bislang nicht wieder gesehen, Skipper und Crew dagegen waren schon einige Male wieder hier. Und jetzt also mit guten Freunden, die uns gerne ihre Heimatstadt zeigen, uns für einige Tage grossherzig Obdach und Verpflegung bieten. Vom holländisch anmutenden und mit vielen kleinen Kanälen durchzogenen Wohnviertel ist es nicht weit zur Innenstadt und zum Hafen.

Der hat sich zu einem Unterhaltungshafen verwandelt. Rund herum sind Buden und Bühnen aufgebaut. Shantychöre geben ihr Können zum Besten während die einzige transportable Tanzorgel etwas verloren und abgedrängt am Rande des Trubels steht. Die Matjestage locken nicht nur Landbesucher an. Auch viele Yachten und Oltimerschiffe haben den Weg in den Hafen gefunden und bieten uns reichlich Augenschmaus. Gelassen steht der Delftspucker am Geländer und schaut dem Treiben lächelnd zu. Der kann ja auch gut gelassen sein, ist er doch aus Bronze gegossen zur Erinnerung an den längst verstorbenen Hinnerk de Vries, den echten Delftspucker.

Den Matjes allerdings kaufen wir lieber direkt beim Hersteller und unsere Freunde finden erst jetzt durch uns heraus, dass die Firma FM Emder Matjes, bekannt für ihre leckeren Matjesspezialitäten, auch einen Werksverkauf bietet. Hier decken sich auch die zahlreichen Wohnmobilisten gerne ein. Der bis auf den letzten Platz belegte Stellplatz mit Blick auf den Hafen (sofern man einen Stellplatz in der ersten Reihe ergattert hat) ist durch eine gut frequentierte Strasse geteilt. Sehr zum Verdruss einiger Womo-Eigner, aber die meisten lassen sich davon offensichtlich nicht abschrecken und stellen trotzig die Campingstühle raus.

Unsere Gedanken wandern zwischen den Bootsstegen linker Hand und den Mobilheim-Plätzen zu unserer Rechten hin und her. Ob das wirklich so unser Ding ist, auf 4 Rädern durch die Lande zu gurken und auf solchen Plätzen zu stehen? Oder würden wir vielleicht auch etwas weiter weg von der Idylle dafür mitten im Hafenleben stehen?

Emden kann leider nicht mit allzu vielen historischen, schönen Gebäuden punkten. Dafür aber mit einer Kunsthalle, viel Grün, einem alten sternförmigen Stadtwall, einem Wasserturm, einigen Bronzeskulpturen, Museumsschiffen im Hafen, einer Sammlung Sonnenuhren, leckerstem Matjes (auch wenn der hierfür benötigte Fisch schon lange nicht mehr in den Gewässern vor den Schleusentoren gefangen wird) und irgendwie viel Flair. Emden - eine durchaus sympathische Stadt und zum Erstaunen unserer Freunde bei Urlaubern auch immer beliebter. Vielleicht auch, weil von hier aus die Fähren nach Borkum starten und nicht jeder den Stress zwischen eigener Ankunft und Abfahrtszeiten der Fähren haben möchte.

Natürlich wird auch hier in Emden viel neu gebaut, ist Leben und Wohnen am Wasser ein finanziell ein Thema. Die Sehnsucht der Menschen nach der Nähe zum Wasser, nach etwas aussergewöhnlichem wird auch hier gewinnbringend vermarktet. Ob das dröhnende Rumpeln der Züge beim Queren der Eisenbahnbrücke ebenfalls als exklusiv offeriert werden kann bleibt dabei äusserst fraglich.

Beruhigend für uns, dass wir einige Flecken wie z.B. die Steinlage des kleinen Vereines, bei dem „Na ja“ damals festmachen durfte, ebenso unverändert erscheint wie auch die flachen Häuser und kleinen Bootsbauerhallen am Ufer. Versteckt unter hohen Bäumen schmiegen sie sich zwischen Deich und Hafenwasser, fast vergessen und übersehen, wie aus einem uralten Märchen übrig geblieben. Gegenüber blitzen die Symbole der Zeit: zahlreiche Autos warten auf ihre Verladung. Denn auch von Emden gehen die kastenförmigen Autotransporter ab. Schafe weiden gemächlich das hohe Gras auf dem Deich ab. Früher konnte man auf dem Deich entlang laufen, heute gehört er den vierbeinigen Rasenmähern. Das alte Lotsenhaus wacht noch immer über die gerade in Renovierung befindliche Seeschleuse in deren Kammer ein kleines Segelboot auf dem Weg aufs grosse Meer ist. Seeluft, Möwengeschrei und auch hier Wohnmobile - auf einem geteerten Platz, der ähnlich trostlos und öde wirkt wie die Steinlage des Emder Yachtclub hier im Aussenhafen. Kein Baum, kein Strauch, die Sonne knallt ungebremst auf alles herunter. Wie es hier wohl bei richtig Sommer ist?

Emden, auch eine Hafenwelt.

Rathaus Emden

Rathaus Emden

Sonnenuhren"park" am Emder Hafen

Sonnenuhren

Boot oder Wohnmobil???

Links die Bootsstege, rechts die Womo-Parkplätze, wir mittendrin. Fast symboilisch für unsere Zerrissenheit: Boot oder Wohnmobil???

Hafenimpression

Hafenimpression

Autofrachter im Aussenhafen

Autofrachter im Aussenhafen

Havenwelten Geschichten - heute: Wremen und die Wurster Nordseeküste

Wremen - hier gibt es handgewebtes, handgestricktes und vieles mehr

Wremen - hier gibt es handgewebtes, handgestricktes und vieles mehr

Hinterm Deich

Hinterm Deich

Schlickrutscher sind hier in ihrem Element

Schlickrutscher sind hier in ihrem Element

Wat(t) en Blick!

Wat(t) en Blick!

Havenwelten - Kutterhavenwelt um genau zu sein. Unser Tagesziel heisst „Wremen“ und dort angekommen führt der erste Weg natürlich in den Hafen. Vom Deich aus geht der Blick über ganz viel Watt, den Kutterhaven, Salzwiesen, ein etwas zu modern geratenes Hotelgebäude zum Leuchtturm. Der steht, schwarz-weiss geringelt, etwas pummelig wirkend (weil klein und rund) am Ende der Hafenmole und heisst kleiner Prinz. Nein, so heisst er nicht. Aber irgendwie fällt mir das immer ein …. „Kleiner Preusse“ muss es heissen. Die Einheimischen sind mächtig stolz auf ihn. Seit 2005 steht er wieder hier am Hafen und bietet einen erhöhten Ausblick rüber zum Kranterminal Bremerhavens und auf die Seeschiffsstrasse Weser mit ihren vielen unterschiedlichen, im Wasser stehenden Leuchtfeuern. Die weisen den dicken Pötten bei Tag und Nacht den Weg durch das Fahrwasser. Bremerhaven ist nicht weit, das wird uns hier sehr bewusst.

Hinterm Priel winken die Verladekräne von Bremerhaven

Hinterm Priel winken die Verladekräne von Bremerhaven

Der Wasserweg zum Kutterhafen Wremen ist gewunden und ähnelt einem Labyrinth. Einem aus Stangen und Reisigbesen bestehenden Labyrinth, das sich nur dem so wirklich erschliesst, der mit einem Boot den Weg befährt. Links und rechts ist grad kein Wasser zu sehen, Ebbe. Und auch im Hafen liegen die wenigen Sportboote „hog en droog“ (hoch und trocken), auf jeden Fall ziemlich weich. Ob das den empfindlichen Antriebswellen und Schrauben vielleicht trotzdem nicht so gut bekommt? Ein Segelboot ragt etwas höher aus dem Modder, da wollte der Kiel wohl nicht weiter einsacken.

Trocken gefallen im Hafen von Wremen

Trocken gefallen im Hafen von Wremen

Am Hafen sind fahrbare Buden aufgebaut, Tisch, Stühle, Windschutz und sogar Strandkörbe - hier muss keiner sein Fischbrötchen im Stehen futtern. Derweil kreiseln die Autos und Motorräder um die Wagenburg, Parkplätze sind nur begrenzt verfügbar, aber dafür gibt es keine Parkgebühr. An einem Pfahl kann man sehen, wie hoch die Flut hier schon einige Male gestanden hat. Nicht wenige Hinweise sind hoch über unseren Köpfen angebracht. Gut für die dahinterliegende Häuser, das der Deich mittlerweile recht hoch und sehr stabil ist. Deichpflege wird heute gross geschrieben. Die Wochenendurlauber und Besucher des kleinen Ortes Wremen denken heute sicherlich nicht daran, mit welcher Wut das Meer hier wüten kann. Grün, soweit das Auge reicht, der Deich schlängelt sich zwischen Land und Meer an der Küste entlang und ist für uns Urlauber in erster Linie ein erhöhter Rad-Wanderweg oder Aussichtsplatz.

Hat man den kleinen Leuchtturm passiert, die zahlreichen Informationstafeln zum Thema Wattenmeer, Fauna & Flora etc. gelesen, dann führt der Weg zwischen den Salzwiesen und dem Watt am Ufer entlang. Links grau-braune scheinbare Endlosigkeit die weit draussen aber doch endet: am Fahrwasser, über das die dicken Pötte scheinbar schweben. Dann gebietet uns eine weisse Eule auf blauem Schild Einhalt, der Weg ist hier zu Ende: Naturschutzgebiet, Betreten, Surfen, Wellenreiten, Kiten ist verboten - hier gehört die Natur ganz den Vögeln, Wattwürmern, Muscheln und sonstigem Getier. Und das ist wahrscheinlich auch gut so angesichts der vielen Menschen, die es an einem solch sonnigen Tag hier an die Küste zieht.

Im Ort selbst herrscht sonntägliche Ruhe. Der an Mittwochen stark bevölkerte Grillplatz liegt leer und verwaist, alle Tische und Bänke sind weg geräumt, kein appetitlicher Geruch wabert durch die Gassen. Auch Bäcker, Kaufmann, Blumenladen oder Geschenkeecke haben geschlossen, in die beiden Museen - Fischereimuseum und kurioses Muschelmuseum - verirrt sich kaum ein Besucher. Die mächtige Glocke im separaten Glockenturm der Kirche schweigt und auch aus den Häusern, die sich direkt an die Friedhofsmauer anschliessen, dringt kein Laut. In einem schönen alten Haus kann man handgewebtes und andere Dinge die man nicht braucht erwerben. O.k. handgestrickte Socken kann man durchaus brauchen, aber nicht jetzt, bei gefühlt 30°C. So bleibt es auch bei uns beim Gucken, das durch das ständige Vogelgezwitscher an der Eingangstür leicht gestört wird: die Ladeninhaberin löst diesen Alarm durch ihr Rumgerwerkel aus. Kaum ein Auto hält an, alle fahren weiter, zum Kutterhafen, ans Wasser. Hier spielt sich das Leben grad vor dem Deich ab, nicht dahinter.

Der kleine Preusen-Prinz

Der kleine Preusen-Prinz

Auf einer schmalen Strasse hinterm Deich fahren wir Richtung Dorum. Ist das vielleicht doch nur für Radfahrer erlaubt hier?? Eng ist es und ein ausweichen über den Grasstreifen ist unvermeidlich. Entgegenkommende Autos beruhigen mich: so viele können doch nicht irren - oder doch?? Die teils etwas missmutigen Blicke der überholten Radfahrer blende ich optimistisch einfach aus. Wo es doch so viel Schönes zu sehen gibt, hier hinterm Deich,: viel sanfte Landschaft. Felder, Weiden und dazwischen immer wieder eingekuschelt Häuser, Bauernhöfe, auf einer Wiese tollen Fohlen ausgelassen um ihre Mütter herum.

Ortsdurchfahrt Midlum - das Beste an diesem Ort ist wohl die auf einem kleinen Hügel thronende und offensichtlich gut erhaltene oder restaurierte alte Windmühle. Wir sind bestimmt nicht objektiv und vielleicht entdeckt man bei genauerem Hinschauen noch mehr Sehenswertes. Heute aber wird in Midlum kräftig gefeiert und danach steht uns jetzt grad nicht der Sinn. Also weiter nach Dorum.

Dorum verfügt über mehrere Ortsteile und ebenfalls einen Kutterhafen. Schon oben vom Deich sieht man fast nur schwarz: jede Menge Motorräder sind am Hafen geparkt. Die riesigen, offiziellen Parkplatzflächen für PKW sind dagegen nicht wirklich gefüllt. Trotzdem fühlen wir uns hier auf Anhieb nicht wohl, verlassen das Auto nur für ein Foto. Nix wie weg und nach Hause. Aber nicht, ohne in Cuxhaven noch Fisch einzukaufen.

Motorrad-Treff im Dorumer Kutterhafen

Motorrad-Treff im Dorumer Kutterhafen

Wremen Friedhof - Grabplatten am Glockenturm

Wremen Friedhof - Grabplatten am Glockenturm

Wie im Rausch

Idylle in Daehre

Idylle in Daehre

Wie im Rausch

Grün ist die Hoffnung, grün macht blass, grüne Ampel, grün-grün-grün. Wieviele Bezeichnungen und Varianten gibt es für/von dieser Farbe? Hellgrün, dunkelgrün, tannengrün, lindgrün, froschgrün, giftgrün, moosgrün, frisches grün, sattes grün ….grün grün grün. Grün ist die Hoffnung, grün ist Balsam für Auge und Seele … und die Farbe des Frühlings. Ganz eindeutig.

Lichtdurchflutet liegt der Wald links und rechts der Landstrase. Die sich über weite Teile fast schnurgerade durch die Landschaft wellt, über kleinere Erhebungen hinauf und dahinter geht es wieder sanft ins Wellental. Alles im Fluss und doch kein Wasser weit und breit. Dafür viel Landschaft und eben viel ….. genau: grün! Das Herz wird weit, die Seele lacht und jubelt. Soooo schön. Momente, in denen ich das Cabriolet vermisse. Fahren ohne Dach, da kommt dieses grün noch viel näher, man atmet alles tiefer ein, saugt Gerüche und Eindrücke auf bis zum schwindelig sein.

Ein helles, frisches grün umgibt uns. Suggeriert Licht, Helligkeit, Sonne wo sich sich schon längst wieder hinter einer bedrohlich dunklen Regenwolkenwand verkrümelt hat. Birken wedeln Wind mit ihren Blättern im Wind, die weissen Stämme vermitteln Leichtigkeit. Sind es meine Lieblingsbäume? Irgendwie schon, irgendwie aber sind alle Bäume meine Lieblinge. Oder sind es vielleicht doch eher die mit den massiven, braunen Stämmen, deren üppige Kronen sich über die Strasse neigen, ein dichtes Dach bilden, uns durch einen Tunnel fahren lassen.

Aber auch die hohen und doch kompakten Lindenbäume rund um den alten Bahnhof des kleinen Ortes Daehre faszinieren. Nicht zuletzt auch mit ihrem Duft, der zart und angenehm süsslich zu uns herunter weht. Beschützend umgeben sie das alte Bahnhofshaus, das - schon kurz vor dem Zerfall - jetzt wieder aus seinem Dornröschenschlaf gerissen und aufgebretzelt anstatt der Abrissbirne preis gegeben wird. Die Gleise sind längst entfernt, das Gleisbett fast vollständig von Bäumen, Sträuchern und viel Gras zurück erobert. Die Natur ist zäh und erstaunlich schnell im Ringen um ihr angestammtes Terrain. In der Regenrinne des Daches spriessen Gräser und es wundert uns nicht, das uns die neuen Hausbesitzer von einer jungen Birke im Eingangsbereich erzählen. Die Birke ist Vergangenheit. Die Gegenwart und Zukunft hält Einzug in Form von neuen Fenstern, Estrich, einem Bad, einer selbst gebauten Küche und vielem mehr. Holzöfen heizen den dicken, im Sommer angenehme Kühle spendenden Mauern kräftig ein. Sonnenstrahlen schieben sich durch jede kleine Lücke im Geäst der Lindenbäume und wärmen angenehm. Vogelzwitschern und mähende Schafe - Landleben von seiner schönsten Seite. Dazu ein blauer Himmel mit weissen Wolken besetzt, von weiter hinten strahlt noch ein Rapsfeld herüber.

„Hier waren Deutschland und Europa bis zum 18. November 1989 u 6 Uhr geteilt“.

Grenzübergang, Ex-

Grenzübergang, Ex-

Unweit von Daehre kündet ein Schild am Strassenrand von einer früheren Zeit. Eine Art Grenzübertritt also für uns? Auch so viele Jahre danach und ohne wirkliche Grenze ist es irgendwie merkwürdig. Fast ein klein wenig wie die Äquatorüberquerung. Man sieht nix, es verändert sich nix und trotzdem ist da was. Hier jedenfalls sind die Strassen in einem besseren Zustand, die Häuser wirken dafür etwas maroder und streckenweise noch etwas „grau“. Ansonsten bieten Raiffeisenhandel, Discounter und Supermärkte, rote Dächer und Backsteinhäuser inmitten sattem Grün und gelbem Raps, Kirchtürme und Bauernhöfe ein vertrautes Bild. Stumme Zeitzeugen in Form eines alten Kasernengebäudes verstecken sich hinter hohen Büschen und Bäumen, blinzeln aus leeren Augen auf die vorbeifahrenden Autos, die sie kaum noch wahrnehmen.

Alte Bahnhofsauffahrt - heute führt sie einfach nur ins Grüne

Alte Bahnhofsauffahrt - heute führt sie einfach nur ins Grüne

Havenwelten-Geschichten - heute: alles Fisch bei der Fischparty in Bremerhaven

Alles Fisch - Fischparty im Schaufenster Fischereihafen

Alles Fisch - Fischparty im Schaufenster Fischereihafen

Auf Eis gelegt - Fischparty Bremerhaven

Auf Eis gelegt - Fischparty Bremerhaven

Ruheplätze am Schaufenster Fischereihaven mit Blick auf Wasser, Boote und blauen Himmel

Ruheplätze am Schaufenster Fischereihaven mit Blick auf Wasser, Boote und blauen Himmel

Das Sonnendeck der Hansa wird heute wohl eher nicht genutzt - zu kalt pfeift der Wind durch die Häuserfluchten am Schaufenster

Das Sonnendeck der Hansa wird heute wohl eher nicht genutzt - zu kalt pfeift der Wind durch die Häuserfluchten am Schaufenster

Das letzte Wochenende im April - Sonne, Regen, zwischendurch mal ein Graupelschauer und eiskalter Wind. Gäbe es einen besseren Platz, um diesen Tag zu verbringen als Bremerhaven? Pünktlich zur Shopöffnung des Tourismusbüros im Schaufenster stehen wir vor dem Stapel der 1 € T-Shirts. (R)Ausverkauf der tragbaren Bremerhaven-Souvenirs, da schlagen wir doch zu. T-Shirts “gehen” schliesslich immer. Die nette und gesprächige Verkäuferin ist völlig begeistert von unserer Kauffreude. Aber ob die extra für den Sonderverkauf georderte Zusatzverkäuferin heute überhaupt noch was zu tun haben wird?? Wohl eher nicht, der Stapel Shirts neigt sich bedenklich dem Ende zu, dafür bekommen wir reichlich Papiertüten in die Hände gedrückt.

Der Bär ist los und im Hintergrund werden die Flügel an ein neues Windrad montiert

Der Bär ist los und im Hintergrund werden die Flügel an ein neues Windrad montiert

Auf dem grossen Platz im Schaufenster sind viele Buden und Stände aufgebaut, alle noch geschlossen - wir sind definitiv zu früh. Das 1. Event des Jahres, die Fischparty hat aufgerüstet. Also doch erst noch eine Autorunde durch das Hafengebiet und vor allem: Fisch kaufen bei Fisch 2000!! Dank der dazu gepackten Eisbombe bleibt der Fisch auch in unserem Auto frisch und kühl. Kundenservice nennt man das. Angenehm ruhig und beschaulich  geht es im Laden von Fisch 2000 um diese Uhrzeit noch zu. Keine Hektik hinterm Tresen, keine Kundenmassen davor. Da grüsst die gerade ankommende Kollegin noch lautstark in die Runde und freut sich auf die im Aufenthaltsraum bereitliegende Tageszeitung, auf einen Kaffee. Eine halbe Stunde hat sie noch bis zu ihrem Schichtbeginn. Mit einem Lächeln im Gesicht verlassen wir den Laden und erkunden das Hafengebiet weiter. Es gibt immer Ecken, die wir schon länger nicht mehr besucht haben und vielleicht hat sich ja was verändert. Heute am Samstag kann man gut den Verladekai entlang fahren, man stört keinen LKW oder Gabelstapler. Das nutzen auch einige Wohnmobil-Indivudalisten aus - verfolgt der jetzt uns oder verfolgen wir den oder hab ich Halluzinationen, so ein Wohnmobil stand doch eben auch schon neben uns???

Drüben, am anderen Ufer schwebt der zweite Flügel eines Windrades per Kran an seinen Platz. Einmal musste er schon wieder runter, jetzt geht es endgültig nach oben. Und der “Bär” ist los, schiebt eine ordentliche Bugwelle vor sich her und seine hohen Aufbauten zwischen uns und den Anblick des malerischen kleinen Leuchtturmes. Der Bär, das ist ein Schlepper. Bullig und kraftvoll und auch ein bisschen bärenhaft brummig, seinem Namen alle Ehre machend. Ein paar Segelboote laufen Richtung Schleuse. Es ist also kurz vor voller Stunde. Denn die Schleuse (oder offiziell “Lock”) zum Fischereihafen hält es wie eine gute Kneipe: wenn (die Stunde) voll, dann geht es raus. Ob aus der Kneipe auf die Strasse oder aus der Schleuse aufs Fahrwasser der hier schon recht breiten Weser - das macht ja kaum einen Unterschied. Und die Schleusenzeiten merkt man sich mit dieser Eselsbrücke wirklich gut.

Am Kai haben einige Schiffe festgemacht, auch ein Binnenschiff. Das geht fast unter zwischen den wesentlich höheren Kollegen und verblasst vollkommen vor einem aufwendig in Folie verpackten Schiff. Was sich wohl unter der weissen Plaste verbirgt? Die grossen Radar- und Telefondome lassen auf eine Mega-Yacht schliessen, die hier wohl ausgebaut oder ausgerüstet wird. Gut geschützt durch die passgenaue Hülle gegen Wind und Wetter. Und gegenüber wird auf der Bredo-Werft an den robusteren Berufsschiffkollegen gewerkelt, im Freien, ohne Folie - geht auch. Vorbei an den fischverarbeitenden Hallen von Frosta & Co, an den hohen Hallen der windenergetischen Firmen fahren wir zu unserem alten Liegeplatz in der Marina Nordseeyachting, am Leuchtturm Brinkamahof. Wir flüchten vor einem Graupelschauer ins Bürogebäude und lassen uns bei einem Kaffee vom Senior und Junior Chef die Neuigkeiten erzählen. Hat der noch sein Boot und was macht dieses Paar? Viele neue Gesichter laufen auf dem Marinagelände an uns vorbei, aber ein paar von den altbekannten haben hier auch noch festgemacht. Ein Gefühl von Zuhause, von Heimathafen, von Willkommen sein. Und ein netter Schnack mit Schweizern, die gerade ihre nigelnagelneu aussehende Allure hier festgemacht haben. Gerade erst übernommen haben sie das Schiff von Frankreich nach Bremerhaven gesegelt, kein wirklich angenehmer Törn. Und es soll noch weitergehen, in die Ostsee. Jetzt aber geht es erst einmal mit dem Zug zum Flughafen und dann zurück in die Schweiz.

Das lange Wochenende nutzen viele Segler trotz der noch sehr niedrigen Temperaturen dazu, ihre Schiffe entweder aufzurüsten, den Mast zu stellen oder gar zum Sommerliegeplatz in die Ostsee zu überführen. Überall ist Leben und so treffen wir auch in unserer nächsten Station, dem Weser-Yacht-Club bekannte Gesichter. Besichtigen und bewundern ein neu erworbenes Boot, loben die neue Fenster-Aussicht im Rumpf einer anderen Yacht und tauschen Neuigkeiten aus. Endlich schwankt es wieder etwas unter unseren Füssen und der Skipper beweist seine Geschicklichkeit beim an Bord klettern. Geht doch schon wieder erstaunlich gut!

Es zieht uns noch einmal zurück zur nun belebten Fischparty. Fisch, Fisch, Fisch - in allen Variationen. Die Firma Fiedler hat sich richtig ins Zeug gelegt und präsentiert auf viel Eis wahrscheinlich so ziemlich alle essbaren Seefische und Meeresgetier. Entspannt bummeln wir an den zahlreichen Futterständen vorbei, können uns aber nicht so recht für etwas entscheiden. Schliesslich wartet da ja auch noch der Einkauf auf seine Zubereitung …. Das ist das Stichwort, auf in die heimische Küche! Den neuen Hafen lassen wir heute mal aus, der kommt nächstes Mal wieder dran. Und dann besuchen wir auch den kleinen Pingelturm und klettern auf den Container-Aussichtsturm. Es gibt so viel zu sehen in Bremerhaven, das ist und bleibt unser Heimathaven!

Und zu Hause schwankt der Flur doch tatsächlich ein klein wenig unter unseren Füssen. Ein schönes Gefühl :-)

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