Jahres-Archiv 2018

Neuankömmlinge

….. müssen ja was sehen von ihrer neuen “Heimat”. Also packen wir unsere Freunde von der NEREUS II in unser Bettmobil und düsen durch die Lande. Deltaville, Heathsville, Colonial Williamsburg sind unsere ersten Anlaufstellen. So wirklich viel zu schreiben gibt es dazu nicht, also lassen wir Bilder sprechen:

Homeless???

Endlich schlafen. Schön schattig und ganz unauffällig steht unser Auto auf einem Parkplatz unterm Baum. Die Alufolienmatten schützen uns vor neugierigen Blicken. Glauben wir. Denn kaum liegen wir flach leuchtet uns jemand unbarmherzig in die Augen. Was ist denn jetzt los?? Klopf, Klopf. Das klingt energisch. Zwei Polizisten stehen vor unserem Bettmobil. Genauer gesagt, eine Polizistin und ein Polizist. „Are you sleeping??“ - nach was siehts denn aus?? Sagen wir natürlich nicht, sondern gucken nur schläfrig und nicken. „Are you homeless???????“ - nö, kann man jetzt so ja auch nicht sagen Muss man gleich homeless sein, nur weil man in einem Auto schläft??

Wir erklären wortreich, die Pässe werden geprüft. Der Kollege kann es irgendwie nicht fassen „you are not homeless?? Why are sleeping in a car??“ . Hmm, wir dachten eigentlich bislang, das sei eine sehr beliebte Übernachtungsform hier in den Staaten. Haben wir doch auch auf den Walmart- und J-Flight Parkplätzen schon einige getroffen, die so unterwegs sind. Es gibt sogar eine App, mit deren Hilfe man ratzfatz den nächsten Walmart oder sonstigen Übernachtungsgeeigneten Parkplatz finden kann.

Schon einige Male haben wir davon Gebrauch gemacht. Nie hat jemand an unser Auto geklopft oder sich darüber gewundert. Pech für uns in dieser Nacht, dass wir nicht mehr auf dem Walmart- Parkplatz sondern auf den Parkflächen eine Drive-Thru Bankfiliale stehen. Die hat ja schon geschlossen und steht unter dem besonderen Schutz der Polizei. Und schwarze Autos, die davor rumlungern, sieht man nicht gerne. Wir müssen weg.

„Take your time“ bekommen wir noch freundlich mit auf den Weg. Denn erstmal müsse wir unser ganzes Gerödel wieder von vorne nach hinten räumen, damit wir überhaupt fahrbar sind. Und schwups, weg sind die beiden Uniformträger. Stehen die jetzt hinter irgendeinem Busch und lauern drauf, das wir uns auch tatsächlich vom Acker machen? „Wird wohl nicht so günstig sein, wenn wir uns jetzt weiter unten auf den Walmart-Parkplatz stellen?“ meint der Copilot.

Wir ziehen das nächst gelegene Travelcenter des Pilot J vor. Rund um die Uhr geöffnet, mit Duschmöglichkeiten und gutem Kaffee aus frisch gemahlenen Bohnen. Viele Trucks und auch Camper laufen diese Travelcenter an. Hier ist Übernachten im Auto gang und gäbe, da klopft niemand an die Scheibe und leuchtet uns heim.

Stattdessen brummen die Aggregate der Trucks und auch der Motor unseres direkten Nachbarn läuft fast die ganze Nacht. Wahrscheinlich um die Temperatur im Inneren auf angenehm zu halten. Kissen und Plastikteile sperren neugierige Blicke aus. In die verbliebenen Lücken sind diverse Kleidungsstücke gestopft. Ob der wohl „homeless“ ist?? Zu gerne würden wir ja mal sehen, wer da neben uns schläft. Leider lässt sich niemand blicken. Ist wohl zu aufwendig, die Verbarrikadierung zu entfernen.

Homeless …. dieses Wort geht mir nach, steckt wie in einer Spirale in meinem Kopf fest, ist nicht mehr raus zu bekommen. Sind wir vielleicht doch homeless, auf welche Weise auch immer? Wie viele Menschen leben hier wohl auf der Strasse, so oder so? Leben und schlafen in ihren Autos?

Richmond ist eine grosse, von Industrie geprägte Stadt. Klar, das es hier auch ärmere Wohnviertel gibt. Wohnen in Mobilheimen ist hier sehr in weil wahrscheinlich bezahlbar. Entsprechend viele Wohnparks dieser Art passieren wir auf unserem Weg quer durch die Stadt. Aber auch das sog. „Latinoviertel“ gehört zu den Ecken, die wir gerne als „hübschhässlich“ bezeichnen. Armut ist unübersehbar und äussert sich auch an zunehmender Verschmutzung der Strassen.

Der Highway No 1 führt hier durch. Mit einem schnörkeligen Schild als „historic way“ bezeichnet. Was daran historisch ist, können wir nicht erkennen. Charmante Gebäude aus früheren Jahrhunderten können wir jedenfalls keine entdecken. Aber vermutlich hat man sich hier im Bürgerkrieg - wie an so vielen Orten in Virginia - gegenseitig die Köpfe eingeschlagen. Historisch belegt und vielerorts dokumentiert.

Übernachten auf dem Parkplatz - ganz normal, je nach Parkplatz

Übernachten auf dem Parkplatz - ganz normal, je nach Parkplatz

Wohnst Du schon oder shoppst Du noch? Randbeobachtungen während unserer Touren durch die USA

Wenn wir durch die Counties, die verschiedenen Bundesstaaten fahren, kommt es uns vor, als führen wir durch ein einziges riesiges Wohngebiet oder Shoppingcenter. An jeder markanten Kreuzung sind Supermärkte, Malls, Geschäfte aller Art. Oder sie ziehen sich gefühlt endlos endlang der Highways.

Wohngebiete von normal über mittelklasse-wohlhabend bis offenbar sehr wohlhabend liegen an mehrspurigen Strassen, den Interstates. Auf den Strassen oder in den Gärten spielende Kinder sieht man nie. Kaum ein Garten ist eingezäunt. Um einen Pool oder wenn jemand Hunde hat, sieht man einen Zaun. Grosse Grundstücke gehen ineinander über und vermitteln ein Gefühl des Abstands, der Isolation. Hier kann man sehr einsam sein, obwohl man mittendrin wohnt. Wo hört welcher Ort, welche Stadt auf, wo fängt die nächste an? Sind wir jetzt in Richmond oder wo genau??

Rund um grössere Städte entstehen immer mehr „Reihenhaus“ Siedlungen. Die Grundstücke sind deutlich kleiner, der Focus liegt auf der Grösse des Hauses. Maximale Bebauung bei minimaler Grundstücksgrösse. Oder gleich Reihenhausbebauung. Grosser Zaun um alles, fertig. Die Familien können einziehen. Alles schön kompakt und schön nah am ebenfalls neu entstandenen Shopping-Center.

Seniorenheime? Haben wir noch keine gesehen, fallen nicht so offensichtlich ins Auge. Vielleicht ziehen die meisten Senioren ins warme Kalifornien? Tagespflege für Erwachsene wird schonmal angeboten. Und jede Menge Schulen, Kindergärten. Die Kirchen bieten in den Ferien Summercamps an und Sonntags regelt schonmal ein Polizist den Verkehr, wenn der Gottesdienst beendet ist und alle vom Parkplatz weg fahren. Dann ist rush-hour in einem Vorort Richmonds. Die Kirche scheint besonders beliebt zu sein, der Parkplatz ist immer noch proppenvoll.

Und immer wieder historische Stätten oder Parks. Solche mit Campingplätzen und Wandermöglichkeiten bis zum Plattfuss. Oder welche wie den Henrichs-Park bei Richmond. In dem nach gelebt wird, wie die Siedler und Indianer früher lebten, was sie anpflanzten, welches Handwerk sie verrichteten. Aber nur von 10-17 Uhr, dann ist Feierabend und die historisch gewandeten Menschen schwingen sich auf ihre modernen Mustangs, brausen ihrem eigentlichen Zuhause entgegen. Ein Job wie jeder andere?! Staunend stehen wir vor den Palisaden, die die Gebäude heutzutage nur noch gegen neugierige Blicke ohne Ticketerwerb schützen.

Vom Fluss dahinter dringt das Brüllen der PS-starken Bootsmotoren herüber. Am Public Boat Landing reihen sich die hochbeinigen Hubraum-Boliden mit ihren Bootstrailern aneinander. Der Platz ist frisch geteert, alles ist großzügig und passt gar nicht so recht zum gemütlichen, schmalen Fluss, dessen bräunliches Wasser gemächlich vorbeiströmt. Bäume ziehen sich bis dicht ans Ufer, urwaldfeeing. Ein SUP wird vorbei gepaddelt, ein Trampelpfad führt ins Dickicht und zu einer Badestelle, die unüberhörbar von einer Gruppe spanischsprachiger Einwohner bevölkert wird.

Ein Kraftwerk produziert Strom und pustet dicke weisse Wolken aus den hohen Schornsteinen. Es rattert und klappert. Direkt daneben kann man in den Wetlands vor dem Henrichs-Park Vögel beobachten. Früher ein Flusslauf, abgetrennt und heute Feuchtbiotop. 80 Meilen von der Chesapeake Bay entfernt erfüllt es eine wichtige Aufgabe für die Bay. Reinigt und filtert Wasser, bietet vielfältiger Fauna & Flora Lebensraum. Kontraste, wie sie stärker nicht sein könnten.

Wetlands

Wetlands

Wetlands Henricus Park Richmond

Wetlands Henricus Park Richmond


Pool Walk

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Blau, karibisch. Oder mediterran. Blau ist der Sommer. Egal, wo. In manchen Ländern währt er länger und ist ein Stück weit öfter blau oder türkis. Ob im karibischen Meer, Mittelmeer, Dänische Südsee, Nordsee oder hier in Deltaville. Sommer ist blau. Der Himmel mit den weissen Tuffwolken über mir, das Wasser des Pools vor mir. Karibischblaues, sommerblaues Wasser. Verlockend, verheissungsvoll. Abkühlung verheissend. Eine Verheissung, die es nicht wirklich erfüllt. Eher Badewannentemperatur erwartet uns, abgekühltes Badewasser zwar, aber kühl - nein. Dafür glasklar, bis auf den Boden in 5 Fuss Tiefe kann ich sehen. Zu sehen gibt es da nix. Aber das ist mir egal. Kann ich auch nix mir unangenehmes sehen. Frau hat ja schliesslich Übung, im sich-etwas-schön-reden.

Nein, ganz ehrlich: ich geniesse das Schwimmen im Pool!! Salzfrei, wellenfrei, kein Brennen in den Augen, kein klebriges Gefühl auf der Haut wenn man sich hinterher nicht mit Süsswasser abduscht. Die meiste Zeit haben wir den Pool ganz für uns. Es ist nicht die grenzenlose Weite, aber Bahnenschwimmen hat auch was. Gymnastik im Wasser sowieso und das mit dem untergehen können mangels tragendem Salzgehalt ist auch nicht so schlimm ….. bei 5 Fuss Wassertiefe, wie gesagt, da kann sogar ich noch stehen und mit dem Kopf raus gucken. und wofür gibt es Schwimmnudeln? Die tragen auch Ulknudeln wie mich, vermitteln ein Gefühl von Schwerelosigkeit, lassen mich schweben, abhängen im blauen Universum. Süsses Nichtstun.

Poolschwimmer, überzeugte, sind wir geworden. Das schwimmen im Meer vermissen? Ein bisschen. Das direkt vom Schiff aus schwimmen können, ja, das vermissen wir - hin und wieder. Unvergesslich sind unsere täglichen Runden ums Boot auf Curacao. Wobei - hätten wir dort an einer anderen Stelle geankert, hätten wir die auch nicht gemacht.

Zweimal täglich mindestens stürzen wir uns in die überschaubaren „Fluten“. Steigern unser Bahnenpensum und stellen fest, das des Skippers Schwimmbewegungen besser werden, die Kondition auch. Retten die Minifrösche, die sich in dieses für sie sicherlich unendliche Meer verirrt haben und die an dem hohen, glatten Fliesenrand scheitern. Für einige kommt die Rettung zu spät. Das Wort Froschlaich bekommt hier für uns eine neue Bedeutung.

Wir erfinden den Pool-Walk, eine Kombination aus Kraulbewegungen mit den Armen und Laufen im Wasser. Geboren aus der Ambition, meine schon immer nur rudimentär vorhandenen Fähigkeiten im Kraulstil zum Leben zu erwecken und der Tendenz, bei diesem Schwimmstil unter zu gehen. Sieht sportlich aus. Vorwort komme ich allerdings auch nicht schneller. Lassen wir das und gehen zum bewährten Schildkrötenstil über.

Und was gibt es schöneres, als am Abend, wenn die Sonne untergegangen ist, noch einmal im Wasser zu sitzen? Mit anderen Seglern von fernen Inseln zu erzählen, sich die laue Abendbrise um die Nase wehe zu lassen, um dann angenehm erfrischt und etwas abgekühlt in die Koje zu sinken? Nach einem Blick in den Sternenhimmel, der hier in Deltaville gut zu sehen ist. Nur die Glühwürmchen, die Fire Flys, die haben jetzt keine Saison mehr. Dafür quaken die Frösche und im Gebüsch rund um den Boatyard zirpt es in verschiedenen Variationen.

Bei den Temperaturen ist der Pool ein beliebter Treffpunkt der Segler

Bei den Temperaturen ist der Pool ein beliebter Treffpunkt der Segler

Schilderwald

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1000x dran vorbei gefahren, immer wollte ich ein Foto machen, nie hat es gepasst! Heute ist der Tag der Tage, bremsen, rechts ran, raus aus dem Auto und “klick” - der Schilder-Wald ist auf Platte gebannt und ich kann endlich mal in Ruhe gucken, was da so alles angeschlagen ist -Deltaville Sinnet 2018

Von meinem iPhone gesendet

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