Lotsenhaus - zwischen der Schleuse und dem Aussenhafen liegt es direkt hinterm Deich, super Ausblick inclusive

Lotsenhaus - zwischen der Schleuse und dem Aussenhafen liegt es direkt hinterm Deich, super Ausblick inclusive

Steganlage im Emder Hafen - hier fand naja bei ihrer Ankunft 2002 ein erstes Asyl

Steganlage im Emder Hafen - hier fand naja bei ihrer Ankunft 2002 ein erstes Asyl

Alles Fisch oder was?

Matjestage in Emden - gute Gelegenheit, Segelfreunde zu besuchen, die in Emden wohnen - wenn sie nicht gerade an Bord Ihrer Alu-Yacht in der Karibik die Ankerplätze unsicher machen. Und gerade sind sie an Land, in Deutschland. Passt doch bestens!, auf nach Emden!

Für Schiff und Skipper hat Emden eine besondere Bedeutung: hier hat vor über 10 Jahren (15 um genau zu sein) ein Frachter festgemacht und seine Decksladung gelöscht. Die bestand unter anderem aus einer ziemlich ramponierten Segelyacht, die im Verladekran alles andere als stolz wirkte. Ein hässliches Entlein wurde da ins trübe Hafenwasser gesetzt und von einem anderen Boot zu einer kleinen Steganlage im Emder Hafenbecken und einige Zeit später nach Verden geschleppt.

„Na ja“ hat den Emder Hafen bislang nicht wieder gesehen, Skipper und Crew dagegen waren schon einige Male wieder hier. Und jetzt also mit guten Freunden, die uns gerne ihre Heimatstadt zeigen, uns für einige Tage grossherzig Obdach und Verpflegung bieten. Vom holländisch anmutenden und mit vielen kleinen Kanälen durchzogenen Wohnviertel ist es nicht weit zur Innenstadt und zum Hafen.

Der hat sich zu einem Unterhaltungshafen verwandelt. Rund herum sind Buden und Bühnen aufgebaut. Shantychöre geben ihr Können zum Besten während die einzige transportable Tanzorgel etwas verloren und abgedrängt am Rande des Trubels steht. Die Matjestage locken nicht nur Landbesucher an. Auch viele Yachten und Oltimerschiffe haben den Weg in den Hafen gefunden und bieten uns reichlich Augenschmaus. Gelassen steht der Delftspucker am Geländer und schaut dem Treiben lächelnd zu. Der kann ja auch gut gelassen sein, ist er doch aus Bronze gegossen zur Erinnerung an den längst verstorbenen Hinnerk de Vries, den echten Delftspucker.

Den Matjes allerdings kaufen wir lieber direkt beim Hersteller und unsere Freunde finden erst jetzt durch uns heraus, dass die Firma FM Emder Matjes, bekannt für ihre leckeren Matjesspezialitäten, auch einen Werksverkauf bietet. Hier decken sich auch die zahlreichen Wohnmobilisten gerne ein. Der bis auf den letzten Platz belegte Stellplatz mit Blick auf den Hafen (sofern man einen Stellplatz in der ersten Reihe ergattert hat) ist durch eine gut frequentierte Strasse geteilt. Sehr zum Verdruss einiger Womo-Eigner, aber die meisten lassen sich davon offensichtlich nicht abschrecken und stellen trotzig die Campingstühle raus.

Unsere Gedanken wandern zwischen den Bootsstegen linker Hand und den Mobilheim-Plätzen zu unserer Rechten hin und her. Ob das wirklich so unser Ding ist, auf 4 Rädern durch die Lande zu gurken und auf solchen Plätzen zu stehen? Oder würden wir vielleicht auch etwas weiter weg von der Idylle dafür mitten im Hafenleben stehen?

Emden kann leider nicht mit allzu vielen historischen, schönen Gebäuden punkten. Dafür aber mit einer Kunsthalle, viel Grün, einem alten sternförmigen Stadtwall, einem Wasserturm, einigen Bronzeskulpturen, Museumsschiffen im Hafen, einer Sammlung Sonnenuhren, leckerstem Matjes (auch wenn der hierfür benötigte Fisch schon lange nicht mehr in den Gewässern vor den Schleusentoren gefangen wird) und irgendwie viel Flair. Emden - eine durchaus sympathische Stadt und zum Erstaunen unserer Freunde bei Urlaubern auch immer beliebter. Vielleicht auch, weil von hier aus die Fähren nach Borkum starten und nicht jeder den Stress zwischen eigener Ankunft und Abfahrtszeiten der Fähren haben möchte.

Natürlich wird auch hier in Emden viel neu gebaut, ist Leben und Wohnen am Wasser ein finanziell ein Thema. Die Sehnsucht der Menschen nach der Nähe zum Wasser, nach etwas aussergewöhnlichem wird auch hier gewinnbringend vermarktet. Ob das dröhnende Rumpeln der Züge beim Queren der Eisenbahnbrücke ebenfalls als exklusiv offeriert werden kann bleibt dabei äusserst fraglich.

Beruhigend für uns, dass wir einige Flecken wie z.B. die Steinlage des kleinen Vereines, bei dem „Na ja“ damals festmachen durfte, ebenso unverändert erscheint wie auch die flachen Häuser und kleinen Bootsbauerhallen am Ufer. Versteckt unter hohen Bäumen schmiegen sie sich zwischen Deich und Hafenwasser, fast vergessen und übersehen, wie aus einem uralten Märchen übrig geblieben. Gegenüber blitzen die Symbole der Zeit: zahlreiche Autos warten auf ihre Verladung. Denn auch von Emden gehen die kastenförmigen Autotransporter ab. Schafe weiden gemächlich das hohe Gras auf dem Deich ab. Früher konnte man auf dem Deich entlang laufen, heute gehört er den vierbeinigen Rasenmähern. Das alte Lotsenhaus wacht noch immer über die gerade in Renovierung befindliche Seeschleuse in deren Kammer ein kleines Segelboot auf dem Weg aufs grosse Meer ist. Seeluft, Möwengeschrei und auch hier Wohnmobile - auf einem geteerten Platz, der ähnlich trostlos und öde wirkt wie die Steinlage des Emder Yachtclub hier im Aussenhafen. Kein Baum, kein Strauch, die Sonne knallt ungebremst auf alles herunter. Wie es hier wohl bei richtig Sommer ist?

Emden, auch eine Hafenwelt.

Rathaus Emden

Rathaus Emden

Sonnenuhren"park" am Emder Hafen

Sonnenuhren

Boot oder Wohnmobil???

Links die Bootsstege, rechts die Womo-Parkplätze, wir mittendrin. Fast symboilisch für unsere Zerrissenheit: Boot oder Wohnmobil???

Hafenimpression

Hafenimpression

Autofrachter im Aussenhafen

Autofrachter im Aussenhafen