Waschtag

Da verliert man schnell den Überblick. Gut, dass alle Maschinen numeriert sind!

Da verliert man schnell den Überblick. Gut, dass alle Maschinen numeriert sind!

Es regnet. Und was macht Frau da am Besten? Genau, sie wäscht Wäsche!

Unsere grosse, flauschig-weiche und entsprechend dicke Bettmobil Decke soll heute dran glauben. In die Maschine der Marina passt sie definitiv nicht rein, da ist an keine einzige Trommeldrehung zu denken wenn dieses Deckenmonster drin steckt (falls es überhaupt rein passen würde).

Also folgen wir dem Tipp anderer Segler und düsen in die Laundry nach Gloucester. Das ist ein richtiger „Waschsalon“. Maschine an Maschine, Trockner an Trockner, alle Grössen sind vertreten. Und tatsächlich passt in die grösste Ausführung unsere Bettdecke rein - und noch ein bisschen mehr!

Also Karte ziehen und aufladen, dann startet die grosse Wasch- und Trockenaktion. Dazwischen ein bisschen die anderen Nutzer beobachten, die Aushänge an der Pinnwand lesen, das Angebot des Getränkeautomaten studieren. An kleinen Tischen kann man die Wartezeit sitzend überbrücken. Ist die Wäsche fertig, stehen Rollkörbe bereit, in die man sie packen kann bevor man sie auf Tischen sortiert und faltet. Mal kein Waschpulver mehr zu Hause? Kein Problem, auch dafür gibt es einen Automaten vor Ort.

Insgesamt ist das eine wahrhaft runde Sache und spontan beschliessen wir, nächste Woche noch einmal mit unseren Matratzenüberzügen her zu kommen. Damit unser Schiff alles schön sauber hat in den Monaten des Alleinseins.

Da trocknet sie so vor sich hin - unsere Bettmobildecke

Da trocknet sie so vor sich hin - unsere Bettmobildecke

Was rumpelt und pumpelt …

..in meinem Bauch”. Es grummelt und brummelt. Nicht in unserem Bauch. Und doch kommt das Grollen des Donners von ganz tief unten, steigt langsam höher, in den wolkenverhangenen Himmel. Wabert über uns hinweg, verliert sich irgendwo über der Chesapeake Bay. Hallt noch einmal nach, verharrt, holt Atem, um von neuem anzurollen. Wie eine Welle. Unheilverkündend. Bedrohlich. Blitze zucken über unserem Luk. Freier Blick auf das Lichtspiel. Alle Planen, Sonnensegel, Abdeckungen sind eingeholt, sturmsicher verpackt.

Noch haben wir keinen Sturm. Für kurze Zeit ist der Strom weg. Vollkommene Ruhe herrscht im Schiff, keine Klimaanlage, kein Kühlschrank brummt. Es klopft ans Boot, „Elki, Werner“ - Mike steht unten, will wissen, ob wir auch keinen Strom haben. Haben wir nicht. Ist zwar nicht wirklich beruhigend, aber zumindest weiss man, o.k., es liegt nicht an einem selbst. Von einem Freund, der auf dem Campingplatz wohnt, kommt eine WhatsApp „geht schon los, der Strom ist weg“ - beruhigende Antwort von uns „ist schon wieder da“.

Die Blitze zucken weiter, Regen setzt ein, es tropft sanft aber nervig aufs Kopfkissen - ein Griff am Luk ist undicht. Eimerchen drunter gehängt, das Kopfkissen bleibt trocken, das nervige Tropfgeräusch bleibt. Hatte ich schonmal erwähnt, dass ich solche monotonen Geräusche einfach nicht abkann??? Aber nochmal aufstehen und Abhilfe schaffen …. nee, mein Rücken stöhnt schon beim Gedanken daran auf, will nur noch liegen bleiben, sich strecken, ausruhen. Der Skipper beschwert sich: jetzt tropft der andere Griff auch! Ich habe aber kein Eimerchen mehr. Also Lappen drum. Ist jetzt bald mal Ruhe im Karton??

Irgendwann schlummere ich ein, mit monotonem Tropfgeräusch. Oder hat es vielleicht aufgehört zu regnen?

Vor”freude” auf die Blühende

‚Florence‘. Ein lieblich klingender Name, weich, duftend. Eine Verheissung nach Blüten, nach Sinnlichkeit, Weichheit, Weiblichkeit, Anschmiegsamkeit - Florence eben. Ja, ein Weichspüler könnte so benannt werden.

Oder eben ein Hurrikan. Florence. Im September 2018 im Anmarsch auf die Küste Amerikas. Auf die Ostküste, um ganz genau zu sein. Und noch genauer: Carolina, South und North liegen genau in der Bahn und werden aller Voraussicht nach am meisten von Florence’s „Anschmiegsamkeit“ betroffen sein.

Deltaville liegt weiter nördlich, in der Chesapeake Bay. Wir haben diesen Ort gewählt, weil wir - naiv wie wir nun mal sind - dachten, hier kämen keine Hurrikane her. Übersehen haben wir dabei irgendwie, dass solche Naturgewalten durchaus ihren Weg in die Nähe finden, zuletzt 2016, davor 2003. Viel Wind, Überschwemmungen, Stromausfälle sind die Folgen.

Und nun ist also Florence im Anflug, streckt ihren rechten Flügel drohend nach Deltaville aus. Seit Tagen drehen sich alle Gespräche mehr oder weniger um die aktuellen Wetterberichte, Hurrikanwarnungen und Notfallpläne. Das Boot im Wasser lassen, weiter nach Norden Richtung Annapolis segeln, vor Anker gehen, sich mit dem Travellift noch schnell an Land stellen lassen, an Bord bleiben, das Weite suchen etc. etc. Wir kreiseln und kreiseln und kommen letztendlich zu keinen wirklichen Ergebnissen.

Die „Experten“ sagen, es ist noch zu früh, um ganz konkrete Massnahmen zu ergreifen. Wir seien mit unserem Schiff sehr sicher auf dem Boatyard. Klar, wir stehen in der letzten Ecke und bei den zuletzt gemessenen 32 Knoten Wind auf einem anderen Boatyard hat es bei uns noch nicht einmal den Feudel (Putzlappen) von der Leine geweht.

Wir bleiben also entspannt, füllen aber doch noch einmal alle Wasserbehälter auf, prüfen unsere Vorräte und beschliessen, das es auch eine gute Zeit für eine Diät sei. 10 Tage ohne Essen kann Mensch locker überleben, 10 Tage ohne Wasser eher nicht. Taschen mit dem Wichtigsten werden gepackt, das Bettmobil ist eh vollgetankt, wir können also auch flüchten. Aber flüchten?? Unseren Panzerkreuzer Jähzorn seinem Schicksal überlassen?? Etwas in uns sträubt sich gegen diesen Gedanken. So werden auch wir Fans von NOAA, dem Hurrikan- und Sturmwarnungsdienst. Unter Seglern allgemein bekannt. Beschäftigen uns mit „Spaghettimodellen“ und ziehen unser geliebtes Pocketgrib zu Rate.

Der Kran ist währenddessen im Dauereinsatz, ein Schiff nach dem anderen macht an der Pier fest, um sich an Land hieven zu lassen. Auch vor unserer Nase wird so ein Flüchtling geparkt und fast wäre ich beim morgendlichen Ausparken mit diesem Schiff kollidiert. An Land mit dem Auto ein Schiff rammen - wie peinlich wäre das denn!! Also ab jetzt Augen auf, Warschau!!!

Eigentlich müssten dem Werftmanager ja die Dollarzeichen im Auge stehen, so viele unverhoffte Kunden. Stattdessen schwitzt und schnauft er, sieht leicht genervt aus und ist auch kein geeigneter Gesprächspartner für ängstliche Skipper, die nicht wissen, was sie tun sollen. „Its up to you“ grunzt er unsere Freunde an, die angesichts dieser Antwort sichtlich konsterniert sind. Wir können ihn schon verstehen. Kurz vor (endlich) Feierabend) zum x-ten Male diese Frage zu beantworten, dazu gehören Nerven wie Drahtseile.

Die Officedame hat schonmal die Gummistiefel angelegt und macht Testläufe über den Steg. Eine Liste mit den Kranwilligen in der Hand. Für die Freunde ist keine Möglichkeit mehr vorhanden, zu viele Boote haben sich schon vorher angemeldet. Ein Liegeplatz weiter hinten am Schwimmsteg erscheint eine gute Option.

So viele Menschen haben wir hier in der Marina und auf dem Boatyard bislang noch nicht zu Gesicht bekommen. Und alles wegen Florence!

D.C. zum zweiten

Washington D.C. mit blauem Himmel und viel Schwitz - das hatten wir ja schon letzten Monat. Oder war es schon den Monat davor????

Jetzt, im September, ziehen nochmal Wolken am Regierungshimmel auf. Und über uns. Es regnet, mal mehr, mal weniger, mal gar nicht. Nach der gestrigen Sightseeing-Tour im Aussenbereich, nach Circulator-Busfahren, Capitol und Weisses Haus bestaunen gehen wir heute zum Innenteil über. Museumsbesuche stehen auf dem Zettel. Die einen gehen ins Indianer-Museum, uns zieht es ins Smithsonian-Castle und zum Luft- und Raumfahrtmuseum. Oder sollen wir vielleicht doch mal ins Hirshhorn-Museum….??? Nein, wir halten am Plan fest, nehmen im Smithsonian Castle an einer Führung teil. Die uns leider nicht ganz so viel Erhellung bringt, da unser Englisch mit dem Tempo des netten Volontärs nicht ganz mithält. Aber das ein oder andere bekommen wir doch mit. Und es übt, sprachlich gesehen. Und sehenswert sind Gebäude und Exponate allemal.

Auf dem Weg zurück kommen wir an einer glänzend-silbernen Figur vorbei. Ist das eine Skulptur oder so ein angemalter Mensch, der bewegungslos auf einem Podest ausharrt? Vor sowas habe ich so eine angeborene Scheu, entsprechend vorsichtig nähere ich mich dem Objekt unserer Neugierde. Und siehe - es ist eine Skulptur, einen Kiepenkerl hat ein Künstler da hin gesetzt, aus Metall und doch sehr naturgetreu. Dahinter, im Park, brüllt sich ein Animator die Stimmbänder aus der Kehle, heizt der überschaubaren “Menge” vor der Bühne ein, macht Stimmung. Für Trump. Für seine Wiederwahl 2020. TRUMP 2020. Das Häuflein “Begeisterter” trotzt dem Regen, in bunten Capes. Oder wollen sie einfach nur Werbegeschenke bekommen und Musik hören??

Da finden wir persönlich das Luftfahrtmuseum bedeutend interessanter. Aber für heute reicht es uns. Hunger und die herannahende Florence beschäftigen uns heute umso mehr.

Washington D.C. - kann auch Regen

Regen, Blitz, Donner - Donnerlittchen, Washington zeigt uns aber, wie Gewitter geht. Gullis laufen über, das Auto bekommt mehr als eine gratis Unterbodenwäsche. Und die am Strassenrand geparkten Genossen bekommen auch eine kräftige Dusche ab. Wir teilen halt gerne, das Bettmobil und ich. Bei jedem lauten Krachen zucke ich am Lenkrad zusammen. Ruhig, Brauner, du sitzt im Faradayschen Käfig, kann doch nix passieren.

Nicht, das ich Angst vor Gewittern habe, eher Respekt. Und vielleicht ist der auch etwas grösser geworden, nachdem beim letzten Mini-Gewitter in Deltaville in unserer Nachbarschaft, nur wenige Kilometer entfernt, ein Segelboot vom Blitz getroffen wurde. Totalschaden. Rein äusserlich nicht zu sehen. Aber innen.

However. Wir sitzen im Auto. Vor unserem Appartment. Im Ortsteil Brightwood. Den wir Dank Google Maps Navigation auch im strömenden Regen gefunden haben. Der hält uns jetzt aber davon ab, unser Gepäck nach drinnen zu befördern. Irgendwann halte ich es nicht mehr aus. Regenjacke über und flap-flap mit Flip-Flops ins Souterrain gerutscht. Das Schloss nimmt den Zugangscode willig an, Sesam öffne Dich! Schnell die Fernbedienung für die Alarmanlage geschnappt und ausgeschaltet. Uff, das wäre geschafft!

Der Regen lässt etwas nach und der Rest traut sich auch, siedelt vom Auto ins Appartment über. Jetzt nochmal raus? Nutzt ja nix. 4 hungrige Mägen schreien nach einem China-Restaurant. Also nochmal ein paar Kilometer durch die Stadt, zur Fressmeile. Wir landen in einem etwas besseren Take-Away. Essen naja, essbar. Die Diskussion über die Höhe des Tipps dagegen …. naja, wir sind satt und streben dem Auto zu. Natürlich wieder im Regen. Und jetzt noch die Garage auf der Rückseite unserer Unterkunft finden. Einziges weisses Garagentor in der Reihe, das sollte ja zu finden sein. Ist es auch. Uff, viel länger und breiter dürfte das hier zu parkende Gefährt aber auch nicht sein! Erschöpft sinke ich auf die Couch, die fest in Männerhand ist. An Schlaf ist noch nicht zu denken. Irgendwann ist aber auch bei den Männern die Luft raus, Licht aus, Alarmanlage an - Schlafen im eisgekühlten Hochsicherheitstrakt. War es uns die Nächte vorher an Bord unserer Schiffe viiiiiiel zu warm, so frieren wir jetzt leicht. Die Klimaanlage kühlt das ganze Haus, die Vermieterinnen schlafen ganz oben unterm Dach, das wärmt sich natürlich gut auf derzeit. Man gibt uns die Empfehlung, die vorhandenen Heizlüfter zu nutzen, bei Bedarf und falls wir tatsächlich kurz vorm Erfrieren stehen.

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