Charming Deltaville

Was könnte mich besser mit einem Tag in der Bilge, mit schwarzen Ölschlieren auf Händen und Armen, mit glitschigem Schmodder und einem zu stark gekrümmten Rücken versöhnen, als hier am Abend am Steg zu sitzen. Den Ospreys beim Flug zuzusschauen, dem Geklingel der Fallen an den Masten und dem Zwitschern der vielen Vögel zu lauschen? Eine leichte Brise umweht uns, kräuselt das Wasser und sorgt für einen feinen Wellengang. Noch ist der Himmel blau, die Sonne versinkt gerade so hinter den Bäumen die den Boatyard umgeben. Weiter hinten ziehen Wolken auf, hellgraue Schleierwolken. Ein Gewitter soll es geben meinte die Kassiererin bei Hurds, unserem Lieblingsgeschäft in Deltaville. Egal, was man sucht, der erste Weg führt zu Hurds. Und wenn die es nicht haben, dann wird es bestellt. Zu guten Konditionen. Einen Hurds müsste jede Stadt haben, auch in Deutschland. Früher gab es die auch, heutzutage sind sie leider ausgestorben. Hier in Deltaville ist die Welt auch in dieser Hinsicht noch in Ordnung. Auch wenn man an der Tankstelle im Voraus bezahlen muss. Als Stammkunde vielleicht auch nicht mehr. Ein friedlicher Abend nach einem schönen Tag, auch wenn wir ihn einige Stunden mit Bilge säubern verbracht haben. Und auch wenn wir genau wissen, dass diese Arbeit morgen noch einmal auf uns wartet. Charming Deltaville versöhnt uns mit vielem.

Die Fotos sind auf einem Spaziergang entlang der Berryville Road, am Ufer des Piankatank River entstanden

Seafoodfestival in Deltaville - Impressionen

Heute findet das Seafoodfestival in Deltaville statt. Ein Megaevent, das viele Besucher aus der Umgebung anzieht. Das angebotene Seafood ist aber ziemlich frittiert und findet nicht so unsere Zustimmung. Trotzdem war alles sehens- und erlebenswert.

Colonial Williamsburg - gelebte Geschichte

In Amerika ist man sehr geschichtsbewusst. Zumindest, was die eigenen Geschichte anbelangt. Überall gibt es Stätten der Erinnerung, leider meist an irgendwelche Kriege. In Williamsburg wird das koloniale Amerika noch gelebt und sehr anschaulich dargestellt. Man kann durch die Strassen laufen und die alten Häuser sowie ihre heutigen Bewohner in der damals aktuellen Mode anschauen. Kaufmannsläden, die das Warenangebot der früheren Zeit Wiederspiegeln, Schuhmacher, Schreiner, Stoffladen sind vertreten. Samstags wird ein Markt abgehalten, der regionale und ökologisch hergestellte Produkte anbietet. Das Ambiente des Marktes dürfte etwas altertümlicher sein und die Preise laden nicht unbedingt zum Kauf ein (ein Croissant 5 USD), aber das Ambiente ist trotzdem erlebenswert.

Gärten und mit Bäumen gesäumte Strassen auf denen Kutschen fahren, vor oder auch hinter den Häusern lagern grosse Holzstapel, vor einem Laden könnte man sein Pferd ganz Westernstylisch festbinden - wenn man denn mit einem hier wäre. Unser “Pferd” parkt etwas ausserhalb, vor einem gigantisch grossen Hotelkomplex, der sich optisch aber gut ins nostalgische Ambiente einfügt.

Wie es sich wohl lebt in so einem Museum? Oder gehen die Menschen am Abend vielleicht doch in ein anderes Zuhause?

Grounded die 2.

Eingeparkt

Eingeparkt

Kran die 2. - gestern ging es ja immerhin schonmal erfolgreich an Land, die ersten Höhenmeter waren überwunden. Heute wird erst einmal Ladungssicherung betrieben: Madam bekommt zwei weitere Gurte um den Bauch, dann geht es die kleine Steigung hinauf. Der Kran quält sich und der Traktor muss hinten etwas mitschrieben. Geschafft! Einmal über den ganzen Boatyard, damit sie auch jeder sieht! Madam liebt solche Auftritte ????. Dann wird eingeparkt, in der hintersten Ecke, weitab von WLAN und Kloschüsseln. Aber schön im Grünen, umgeben von Ahornbäumen und Kiefern. Ein Osprey fliegt tief über uns hinweg und es zwitschert und summt um uns herum. Mit einem Schlag ist der Sommer angekommen. Auch wenn AJ, unser Kranführer, behauptet, davon seien wir noch mindestens 30-40 Fahrenheit entfernt.

Auf dem Weg zum Stellplatz

Auf dem Weg zum Stellplatz

Höhenluft

Ruhig ist es, kein Windhauch, keine Musik vom Nachbarschiff. Nur der Kran dröhnt: ein Motorboot wird an Land gestellt. Während draussen alles absolut relaxt ist, steigt die Spannung an Bord doch spürbar. Wann werden wir wohl in den Gurten hängen?? Today is the day …! Immer wieder aufregend, für Magengrummeln sorgend, so eine Kranaktion. Obwohl wir doch schon so viele hinter uns haben, gefühlt jedenfalls. Hier jedenfalls taucht niemand und kontrolliert den Sitz der Gurte. Wir müssen uns gewissermassen blind auf das Gefühl und die Erfahrung des Kranführers verlassen.

Die Sonne heizt uns ordentlich ein, die Jungs von der Werft stehen auf dem Steg. Erst noch eine kurze Lunchpause, dann holen sie noch ein anderes Segelboot raus und dann, ja dann müsste das Wasser ganz hoch sein und wir sind dann dran. Ich mag das ja nicht so, dieses Rausgezögere. Aber Hochwasser ist natürlich wichtig.

So vergeht die Zeit, das Wasser fällt bereits wieder. Erste Muscheln werden an den Dalben sichtbar. Dann ist es soweit, wir werden verholt. Zur Sicherheit rückt noch das Lancha an und zieht unseren Stern, also das Heck, in die richtige Position. Dann liegen wir vor den Krangurten. Madam ziert sich noch etwas. Ins Wasser wollte sie nicht, jetzt will sie nicht mehr raus. Versteh einer die Frauen. Nutzt aber nix, lange Bootshaken und Leinen dirigieren sie sanft aber unnachgiebig weiter.

Jetzt kommt der spannende Moment. Unser Unterwasserschiff und seine spezielle Problematik haben wir mit einem eindrucksvollen Foto dargelegt. Jetzt kommt nach der Theorie die Praxis. Da hier keiner tauchen mag, wird der Gurt an eine Leine gebändselt und einmal ums Schiff geführt, dann auf der anderen Seite wieder hochgeholt. Blöderweise hat er sich unterwegs in sich verdreht und liegt jetzt nicht mehr glatt am Rumpf an. Geht ja gar nicht. Lee, der Chef höchstselbst, schnauft und schnaubt, seine Kondition scheint nicht die Beste zu sein. Der Gurt weigert sich weiterhin, wieder gerade gerückt zu werden. Also noch mal alles auf Anfang, mehr oder weniger.

Irgendwann hängt der Gurt dann und ich argwöhne, dass er vielleicht doch unsere Welle platt machen könnte. Also muss die Unterwasserkamera ran. Die liefert EinsA Beweisaufnahmen und es kann weitergehen. Nach wenigen Metern wieder ein Stop: das 2. Vorstag muss doch ab. Hatte der Käptn nicht extra zweimal deswegen nachgefragt? Chef, also Lee, steigt über eine Leiter auf unser Schiff und beginnt erstmal mit Mastsicherungsmassnahmen. Dann wird mit vereinten Kräften - mittlerweile ist auch A.J. aufs Vorschiff beordert worden - und unter Zuhilfenahme diverser Hämmer (Leihgaben der Fair wind) unser 2. Vorstag gelöst.

Jetzt aber! Nee, Schiff weiter hoch und nochmal Stopp: beide Vortage sind zu weit vorne an der Reling gesichert, also nochmal hoch das Bein. Dann aber geht es aufwärts und an Land. Wo erst einmal das Unterwasserschiff gereinigt wird. Dann rückt der Traktor mit Stützen an. Ääh, wir wollten jetzt eigentlich nicht nur kurz hier parken …. die Aussicht ist zwar toll, aber hier ist halt nicht der Dauerparkplatz. Kopf nicken und hinter der dunklen Sonnenbrille wahrscheinlich auch Augen rollen vom Chef. Schon klar, aber der Heckgurt sitzt nicht gut, scheuert an unserem Auspuffrohr. How funny, der Auspuff an dieser Stelle. Was den Deutschen aber auch alles einfällt. Na jedenfalls werden wir provisorisch abgestützt, die Gurte bleiben dran und eine stabile Leiter ermöglicht uns das an Bord gehen.

Wird aber auch Zeit, mittlerweile ist es 17:30 und wir haben Hunger! Die Jungs haben auch keinen Bedarf mehr an Arbeit heute und verabschieden sich in den wohl verdienten Feierabend.

Ich hadere wieder mal mit meinem Schicksal. Andere Boote kommen, fahren in die Kranbox oder werden rein gezogen, Gurte drum, aufwärts, ab an Land und fertig. Und bei uns?? Immerhin haben wir die Zeit genutzt und die nachbarschaftlichen Kontakte mit Scott gepflegt, ein Bier zusammen getrunken und uns gegenseitig Anekdoten aus unseren bewegten Lebensjahren erzählt. Auch schön. Und wir schwören uns: wenn der Travellift kürzer als 9 Meter ist, dann montieren wir das zweite Vorstag zukünftig immer ab, egal, was die Fachleute an Land sagen.

Aber jetzt geniessen wir erstmal die Höhenluft und die neue Aussicht. Nicht ganz so spektakulär wie vom Mast aus, aber immerhin.

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