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Sieht aus wie letztes Jahr, als wir sie verlassen haben

Sieht aus wie letztes Jahr, als wir sie verlassen haben

Still ist es geworden, auf unserer Website. In unserem Leben eher nicht. Wir sind zwar immer noch nicht unter die Hektiker gegangen (zumindest meistens), aber es bewegt sich doch so einiges bei uns. Die finalen Abschlüsse ziehen sich allerdings meist noch etwas hin. Alles nicht so einfach, mit den Entscheidungen, der Bürokratie, den Formalitäten etc.

Ein halbes Jahr ist vergangen, seitdem wir aus den USA zurück kamen. Wo unser Schiff, bockig-trotzig-stabil wie es nun einmal ist, auf seinen Stützen und dem Boatyard tapfer allen Tornados, Winterstürmen, Schneefällen, Regen und sonstigen Wetterunbilden getrotzt hat. Erste Fotos haben uns erreicht und einen ganz passablen Allgemeinzustand vermeldet. Wetterberichte für die Region Deltaville, VA hatten wir vorsichtshalber erst gar keine angeschaut in der Zeit. Was ich nicht weiss, macht mich bekanntlich nicht heiss.

Trotz aller Ignoranz rückt uns Abflugtermin gnadenlos näher. Am Montag geht es Richtung USA, zweimal umsteigen (ist ja fast wie Bahnfahren) und dann noch eine Stunde Fahrt mit dem Auto. Das bewährte Kassiopeia-Team wird uns in Empfang nehmen und nach Deltaville bringen. Dann heisst es, die nächsten 3 Monate Abschied zu nehmen. Von unserem Schiff, von unserem Leben der letzten 6 bzw. 7 Jahre. Auszusortieren, was wir unbedingt mit nach Deutschland schleppen wollen, was verschenkt, verkauft oder sonstwie entsorgt werden kann. Diese Art Abschied war ja nie geplant, alles sollte „auf eigenem Kiel“ irgendwann wieder in Deutschland ankommen.

Wir werden Gespräche mit dem Makler führen, der für uns Inserate schalten und die Heerscharen von Interessenten aufs Schiff lassen soll. Und uns hoffentlich recht bald mit der frohen Botschaft überrascht „Sold“ ….. naja, man darf doch hoffen-träumen-wünschen.

Noch türmen sich die 3 Monate wie eine ewige Zeitspanne vor uns auf. Das die Tage nur so fliegen werden, ist uns aber schon jetzt klar. Sightseeing? Hm, der Focus liegt jetzt derzeit nicht so sehr darauf. Der Skipper ist USA-müde und mag höchstens noch New York angucken, die Bordfrau zuckt bei diesem Ortsnamen gequält zusammen und meint „muss das wirklich sein, schon wieder eine Großstadt und auch noch ein solcher Moloch!!??“ Das Thema ist also definitiv noch nicht ausdiskutiert - ich persönlich hoffe ja noch auf ein Wunder oder eine Eingebung von höherer Instanz ;-). Und darauf, das ich Cape Hatteras auch ohne Gegenleistung sehen kann.

Ach ja, apropos Reisen: das Bettmobil muss auch noch verkauft werden. Interessierte Segler (oder auch Nicht-Segler) , die in nächster Virginia anlaufen, dürfen sich also vorab schon gerne bei uns melden.

Und dann, was machen wir nach den 3 Monaten??? Zu Hause sitzen, Rasen mähen, den Gehweg hoch und runter gucken - nein, das eher nicht. Sich mehr um die Familie kümmern? Nö, die kommen auch ohne uns ganz gut klar. Ja, was denn dann??? Hömma, iss doch glasklar: REISEN - nicht mehr auf dem Wasser, aber mit einem anderen „rolling home“, einem mit Rädern. Das steht schon in den Startlöchern und knackt mit den Achsen. Eine Woche Trockencamping hier in Verden hat uns schon ein bisschen aneinander gewöhnt. Es schaukelt sogar ein wenig - bei Seitenwind. Und davon hatten wir ordentlich die letzten Tage. Gewöhnungsbedürftig, für mich zumindest. Der Skipper (demnächst dann nur noch Coskipper oder Navigator) schläft in bewährter Bordmanier tief und fest, lässt sich von nichts und niemand stören.

Heisst also, das wir demnächst dann also von unseren Erlebnissen in der Camperszene berichten können-dürfen-wollen (oder auch nicht, das ist noch nicht so ganz entschieden). Dafür gibt es dann aber zu gegebener Zeit eine neue Blog-Adresse. Die Suche nach unserer „Rosinante“ hat uns die letzten Monate ziemlich beschäftigt und durch ganz Deutschland geführt. Da wir aber auch wieder eine feste Landbleibe mit Mauern um uns rum möchten, uns das komplette Haus aber immer noch zu gross ist, basteln wir also auch noch ein bisschen an unserer Immobilie rum. Schaffen uns ein kleines Appartment, indem wir auch mal unterschlüpfen können, wenn wir nicht unterwegs sein wollen, wenn nix schaukeln soll. Ab und zu mal immobil sein, ist ja auch ganz nett.

Rosinante

Rosinante

Fürth-Nürnberg 2019

Türschloss in der Burg von Nürnberg - das sind Dimensionen!

Türschloss in der Burg von Nürnberg - das sind Dimensionen!

“Kommt uns doch mal besuchen, wir haben auch Übernachtungsplatz”. Da lassen wir uns doch nicht lange bitten und tragen spontan eine Fahrt nach Fürth in den Kalender ein.

An einem sonnigen, frühlingshaften Februarwochenende machen wir uns auf den Weg Richtung Süden. Fahren unbekannte Autobahnen, die uns durch kilometerlange Tunnel führen. Auf der anderen Seite eines Tunnels erwartet uns dicker, in der Sonne glitzernder Schnee!! Finden wohlbehalten unser Ziel. Einen Parkplatz zu finden ist dagegen schwieriger. Anwohnerparken gilt hier. Abschleppen wollen wir unserer Rennsemmel nicht zumuten und unserer Geldbörse schon zweimal nicht. Also wird ein sicherer Parkplatz in der Nähe gesucht und gefunden. Gut, das ich mich mit dem “Rot-Bier” noch zurück gehalten habe, es dauert etwas länger, immer wieder kurven wir durch die Einbahnstraßen der Altstadt.

Das anschliessend aufgetischte, originale, butterzarte und extrem leckere Schaufele mit Kloss versetzt meinen Magen in einen Zustand der extremen Schwere und entlockt uns - schon ganz fränkisch integriert - ein begeistertes “bassd scho”. Für den Franken ist das ein absolutes Lob. Fällt uns nicht schwer, die Anpassung.

Nicht, das wir Nürnberg und Fürth nicht schon besucht hätten. Ist auch noch gar nicht soooo lange her (2017). Aber mit Freunden, die hier aufgewachsen sind, durch die Städte zu ziehen und sich alles anzuschauen, das ist nochmal etwas anderes. Am nächsten Tag geht es mit der S- bzw. U-Bahn entspannt nach Nürnberg, wo wir mit kundiger Führung viel Neues entdecken; Dinge erfahren, die wir nicht wussten oder vielleicht auch wieder vergessen/verdrängt hatten. Besuchen z.B. die Burg in Nürnberg aber auch das Dokumentationszentrum zum Nationalsozialismus auf dem Gelände des Reichsparteitages. Sachlich, informativ, auf- und erklärend wird hier sehr ausführlich der dunkle Teil unserer jüngeren Geschichte dargestellt. Ein MUSS für alle Deutschen. Schulen sollten einen Besuch fest in ihr Programm aufnehmen. Für die Nürnberger ist es selbstverständlich, hier einmal gewesen zu sein.

Für die Männer gehört dann noch ein Abend im Fussballstadion dazu. Der “Clubb”, also der 1. FC Nürnberg und seines Zeichens Lieblingsverein unserer Freunde und Gastgeber, spielt in Nürnberg gegen den vom Skipper heiss geliebten BVB Dortmund. Einträchtig sitzen unsere Männer in der Nähe der Clubb-Fans und bekommen angesichts des 0:0 einträchtig feuchte Augen. Aber Spass haben sie auch! Und wir Mädels ebenfalls, bei Rotwein und Wohnzimmergesprächen vergeht der Abend ziemlich schnell. Frau hat sich halt viel zu erzählen.

Alles haben wir sicherlich auch dieses Mal nicht gesehen/entdeckt und besprochen. Aber die Gastfreundschaft unserer Freunde ist uns sicher und wir sagen herzlich Danke für offene Türen, Schlafplätze, Bewirtung und gute Gespräche. Dafür, dass sie sich Zeit für uns nehmen, uns ihre Heimat zeigen. Revanche unsererseits wird gerne in Aussicht gestellt.

fränkisches Schäufele mit Kloss und Sauce - passd scho!

fränkisches Schäufele mit Kloss und Sauce - bassd scho!!!

Brunnen in Nürnberg - genannt das Ehekarussell. Szenen einer Ehe .... naja, wir schauen mal nicht so ernsthaft hin

Brunnen in Nürnberg - genannt das Ehekarussell. Szenen einer Ehe .... naja, wir schauen mal nicht so ernsthaft hin

Nürnberger Burg

Nürnberger Burg

Blick auf die Burg vom Dürer-Platz aus.

Blick auf die Burg vom Dürer-Platz aus.

Brücke in Nürnberg - stillt liegt das Wasser und erlaubt eine Spiegelung des Bauwerks

Brücke in Nürnberg - stillt liegt das Wasser und erlaubt eine Spiegelung des Bauwerks

Montags leider geschlossen - In Fürth gehen die Einkaufsuhren auch etwas ruhiger

Montags leider geschlossen - In Fürth gehen die Einkaufsuhren auch etwas ruhiger

Kalender

… bin ganz gerührt: meine Crew hat mich nicht vergessen und die Zeit, die wir gemeinsam unterwegs waren, auch nicht. Im Gegenteil: sie haben im fernen Deutschland einen Kalender gebastelt und unseren Reisen gewidmet. Sooo schön … und eigentlich hätten sie aus den vielen tollen Fotos noch mehr Kalender oder gar Fotobücher machen können. Verbesserungsvorschläge für das nächste Kalenderprojekt haben sie auch schon bekommen. Mal gucken, was sie dann für 2020 umsetzen.

Titelbild für den Kalender 2019

Titelbild für den Kalender 2019

Ein ganzer Monat für die Erinnerungen an Jamaica. Man hätte auch einen Bildband daraus machen können

Ein ganzer Monat für die Erinnerungen an Jamaica. Man hätte auch einen Bildband daraus machen können

naja unter Segeln und kleine aber feine Momente aus Cartagena de Indias

naja unter Segeln und kleine aber feine Momente aus Cartagena de Indias

Frohe Weihnachten und ein gutes neues Jahr 2019

Friedliche Weihnachten, Gemütlichkeit, Besinnlichkeit, Zeit mit den Lieben …. Rückbesinnung oder nach vorne schauen. Denn vorne, vor uns, vor dem Bug nautisch gesehen - da liegt das neue Jahr 2019! Allzu schnell werden die Weihnachtsfeiertage vorbei sein, die Geschenke gehören schon wieder zum Alltag. Noch ein paar ruhige Tage liegen vielleicht “zwischen den Jahren”, zwischen Weihnachten und Silvester. Noch ein paar Tage, in denen alles einen Gang ruhiger geht. Die uns Zeit lassen für die Familie oder Freunde. Zeit, die wir uns doch das ganze Jahr immer wieder nehmen sollten. Denn wieviel Zeit bleibt uns? Für all das Unerledigte, Aufgeschobene, für das “mach ich irgendwann auch nochmal”. Wieviele neue Jahre werden noch vor uns liegen und wo werden uns unsere Kurse in diesen Jahren hinführen? Weihnachten und der Jahreswechsel, besinnliche Zeit, nachdenkliche Zeit. Aber auch eine fröhliche Zeit.

Wir wünschen Euch also von Herzen eine fröhliche Weihnachten und einen prickelnden Start in ein supergutes neues Jahr, das Jahr mit der Nummer 2019! Lasst es krachen!

Werner, Elke und naja

Weihnachten 2014 Grenada, Prickley Bay - unvergesslich und so ganz anders

Weihnachten 2014 Grenada, Prickley Bay - unvergesslich und so ganz anders

Segeln …. ohne Grenzen ….?!

Wenn Segler an Land leben (müssen)

Was machen Segler, wenn sie an Land sind, an Land leben (müssen), in der alten Heimat, in Deutschland, im Winter??

Einige schuften schwer, beschaffen Teile fürs Boot. Das in irgendeinem Hafen dieser Welt auf die Rückkehr seiner Crew wartet. Es werden Listen und Pläne erstellt, Kartenmaterial und Handbücher geordert. Fiebern dem Rückflug entgegen, packen Taschen, wiegen das Gepäck, packen aus und um. Der nächste Törn liegt ja schon in Sichtweite, der Kurs ist abgesteckt. Vorfreude auf neue Erlebnisse.

Und die, die wissen, das da kein Törn mehr kommt? Die ihr Boot verkaufen wollen/müssen? Was machen die, für die es nicht mehr so wirklich weitergeht mit dem Leben auf dem Wasser, dem Leben an Bord ihres bis dahin geliebten Schiffes??

Es gibt ja einige Möglichkeiten, sich über Verluste hinweg zu trösten. Man kann sich neu focussieren, z.B. auf die rollenden „Schiffe“ der Landstrasse, die Wohnmobile. Oder man kann überlegen, wieder sesshaft zu werden, in einem festen Haus zu leben. Ein Haus am Wasser, mit Blick auf Segelboote?? Unser Haus könnte höchstens den Blick auf ein kleines Modellböötchen im (noch zu buddelnden) Teich bieten, das richtige Wasser ist zu weit weg, tauschen will keiner mit uns und verkaufen-neues Haus kaufen, das ist irgendwie grad keine Option für uns. Ein Hausboot, das wäre vielleicht noch was. Noch eine Weile Flüsse und Kanäle Europa verunsichern und erkunden, auf eigenem Kiel. Muss es wirklich ein Segelboot sein, um glücklich zu werden? Oder reicht einfach ein schwimmender Untersatz?

So beschäftigen uns also einige Gedanken. Und die Zeit dazwischen füllen wir mit so wichtigen Massnahmen wie Arztbesuchen, Krankengymnastik, Bewegungstherapie, Ergotherapie und einfach auch mal abhängen.

Ich lasse mich gar dazu hinreissen, Fotos unserer Reise in einen Kalender zu packen. Sehnsucht und Wehmut werden auch gleich mit rein gepackt. So viele „weisst Du nochs“ und „guck mal, das Foto, wie schön das war“. Erinnerungen an Orte, Menschen, Landschaften, Begegnungen und Erlebnisse - alles wird wieder hoch gespült, an die Oberfläche der Erinnerung.

Gerüche und Geräusche strömen hinterher, taumeln im Strudel der Jahre, Tage und Stunden, die wir reisend, segelnd unterwegs waren. Längst vergessenes wird wieder sichtbar, nimmt Raum in unseren Gedanken ein, lässt die Mundwinkel nach oben gehen und die Gesichter strahlen.

Sehr beliebt ist auch das Lesen von Büchern. Vorzugsweise solchen, die vom Meer oder von anderen Seglern und ihren Abenteuern handeln Oder man  verirrt sich auf die Blogs anderer Segler,  lässt sich auf Facebook zu Gruppen einladen, die so klangvolle Namen haben wie z.B. „Segeln ohne Grenzen“

Segeln. Ohne Grenzen. Dabei kommt man beim Segeln doch so oft an Grenzen. An die Eigenen vorzugsweise, die des Schiffes (eher selten), an Reviergrenzen (auf einem See z.B.), an zeitliche oder finanzielle Grenzen …. mit längerem Nachdenken würden da bestimmt noch einige zu finden sein. Die Grenzen der Staufächer fallen da eindeutig unter den Oberbegriff „Schiffsgrenzen“!

Was genau ist dann aber mit dem Segeln ohne Grenzen gemeint? Die Grenzen, die in uns Selbst stecken, die man sich vorgibt und vor denen man entweder zurückschrecken oder die man überwinden kann?? Wo ein Wille, da ein Weg?? Welche Grenzen stecken wir uns gerade selbst, alte und vielleicht auch neue? Wollen wir sie überwinden oder sind wir vielleicht über manche auch ganz froh?

Die wichtigsten beiden Grenzen, die haben wir ganz zu Anfang überwunden: als wir die Entscheidung trafen, los zu segeln. Die Leinen zu lösen und den Kurs auf neue, unbekannte Häfen, Länder, Inseln zu nehmen. Sich nicht von Argumenten beeinflussen und abhalten zu lassen. Nicht auf die wohlmeinenden, guten Ratschläge zu hören, doch dies noch vorzubereiten und jenes noch zu erlernen. Die Angst zu überwinden, ob wir das auch wirklich schaffen, ob wir gut genug segeln können; ob wir all dem gewachsen sind, was da unterwegs auf uns zu kommt.  Die Grenzen im Herz und im Kopf, die kann man nicht immer so einfach übertreten.

Müsste ich „Segeln ohne Grenzen“ für mich definieren, in einen Moment packen, dann wären es die 16 Tage unserer Atlantikquerung. Die Tage auf dem Meer, nur Wasser und Himmel um uns herum und wir in unserem schwimmenden Kokon, der uns von den Kap Verden nach Brasilien trug, über den Äquator. Fast schmerzlich war die Erkenntnis, das wir ankommen würden, am 16. Tag. Grenzenlos….scheinbar.

Als kämen wir von einem anderen Stern zurück, aus einem anderen Universum. Wären wir nur weiter gesegelt …. damals, 2014 …… in einer anderen Zeit, in einem anderen Raum ….

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