Die Leinen loesen - Segel setzen - Auf Entdeckung gehen - Den Horizont erweitern - Der Ferne begegnen ….. und Abenteuer erleben.

Seit 2012 sind wir mit unserer na ja unterwegs. Jetzt kommt die Zeit der Veränderung, des Abschied Nehmens: wir haben uns entschlossen, naja zu verkaufen und hoffen, dass sie einen neuen Eigner findet, der mit ihr noch viel Ferne begegnet und Abenteuer erlebt! Für uns waren es 4 einhalb wundervolle Jahre auf einer Reise, die wir so gerne noch fortgesetzt hätten. Aber vieles ist nicht planbar und so müssen wir nun einen anderen Kurs nehmen.

Abendstimmung vor der Küste Kubas

Abendstimmung vor der Küste Kubas

Auch eine Bremer Geschichte: Buchpräsentation der SY Amazone

„Es ist spät geworden ….“ - wir tauchen auf aus einer Zeitreise in die Karibik, gehen von Bord der SY Amazone, deren Crew uns mitgenommen auf ihre Reise von Bremerhaven in die Karibik und wieder zurück nach Bremerhaven. Eine Reise, die der unseren so ähnlich ist, zumindest in einigen Teilabschnitten. Eine Reise, die nur 14 Monate dauerte, aber angefüllt war mit Erlebnissen und Begegnungen. Immer wieder grinsen wir uns gegenseitig an, der Käptn und ich. Weisst Du noch ….! Viele unserer eigenen Erlebnisse passieren gerade Revue und wir freuen uns, dass es der Amazone-Crew auch an unseren Lieblings-Stellen so gut gefallen hat, das sie ähnliches erlebt haben wie wir.

Auf der Leinwand erscheinen Fotos und Filme, Antje - die Autorin des Buches „14 Monate Sommer“ - liest immer wieder kleine Textpassagen dazu vor; versteht es, uns am Bordleben teilhaben zu lassen. Guckt auf der Leinwand etwas bedröppelt aus der Segelwäsche, als es wieder durch den englischen Kanal in Richtung Heimat geht. Mit den Temperaturen sinkt auch die Stimmung bei ihr, zeitweise zumindest. Aber sie freuen sich auch auf Zuhause, auf Deutschland, auf Familie und Freunde, sind gerne zurück gekommen - um gleich in die Planungen für eine Fortsetzung ihrer Reise einzusteigen.

Von den Zuhörern, vorwiegend Mitglieder des Segeln-Forums und zum Teil extra aus Hamburg angereist, werden viele Fragen an das sympathische Seglerpaar gestellt und gerne beantwortet.

Wir nicken oft bestätigend. Da stehen zwei vorne vor der Leinwand, die ähnlich ticken und denken wie wir. Begegnet sind wir uns auch unterwegs, aber immer nur winkend aneinander vorbei gefahren. Hier im februarkühlen Bremen treffen wir uns nun endlich persönlich und verstehen uns auf Anhieb gut.

Das Buch „14 Monate Sommer“ ist lesenswert. Locker und leicht geschrieben, ehrlich, packend und auch für Nichtsegler verständlich. Ein Buch über eine Auszeit, wie schon einige geschrieben wurden und doch ist es etwas Besonderes, ist anders und aus unserer Sicht absolut empfehlenswert. Für uns ist es eines der wenigen Segelbücher, die wir seit langem mal wieder mit richtig viel Interesse und Spass lesen! Ein Buch, das es versteht, seinen Leser zu packen. Und davon gibt es nicht mehr allzu viele, ich bin eine kritische Leserin geworden in den letzten Jahren.

Und wer jetzt mehr darüber wissen möchte, es gar nicht abwarten kann, auch das Buch zu bestellen, der klicke hier - wer genau hinschaut, kann auch uns entdecken auf dem Foto :-) ):

http://www.unsereauszeit.de/index.php/planung-2/558-club-reisepraesentation-mit-lesung

Geschichten aus Deutschland - heute: Begegnungen in Bremen

Bunte Reihenhausfassaden in Bremen-Schwachhausen

Bunte Reihenhausfassaden in Bremen-Schwachhausen

Bremen Schwachhausen. Ein Arzttermin ist anberaumt. In der angegebenen Strasse pressen sich die Autos dicht an dicht und blockieren zu beiden Seiten die ursprünglich mal als Radwege gedachten Bereiche der Gehwege.

alte Häuser, alte Bäume

Typische Wohnstrasse in Bremen: alte Häuser, alte Bäume

Hier soll eine Arztpraxis sein??? Schmucke Wohnhäuser reihen sich aneinander, Reihenhausbau aus

Winter ade - die ersten Frühlingsboten strecken die Köpfe aus der Erde

Winter ade - die ersten Frühlingsboten strecken die Köpfe aus der Erde

19irgendwas. Treppenstufen führen hinauf zu einheitlichen und doch individuell gestalteten Eingangstüren oder hinab zu schmalen Kellerwohnungstüren. Garagenzufahrten die kaum noch mit modernen Autos als solche nutzbar sind und kleine Vorgärten, in denen die obligatorischen Fahrräder zwischen Mülltonnen und Blumenkübeln auf ihren Einsatz warten. Die ersten Frühlingsblüher wie Schneeglöckchen und Winterlinge recken ihre Blütenkelche aus dem Boden und farbige Haustüren strahlen aus der noch leicht wintergrauen-tristesten Fassadenfront heraus, ziehen die Blicke ebenso auf sich wie die bunt gestalteten Fassaden in der nächsten Strasse.

Wir reihen unser Auto in die Parkenden ein und blockieren nun auch den Radweg. Mit einem zugegebenermassen schlechten Gewissen. Denn Bremen ist eine - in meinen Augen leicht renitente - Radfahrerstadt. Doch heute werde ich eines besseren belehrt: eine (notgedrungen) den Gehweg nutzende Radlerin klingelt mich zur Seite und bedankt sich äusserst höflich bei mir fürs Platz machen mit dem Kommentar, dass ja auf dem Radweg kein Platz sei, aber wo sollten denn auch die armen Autofahrer hin? Ich bin positiv überrascht, mit soviel Verständnis hatte ich nicht gerechnet. Wir wünschen uns gegenseitig einen schönen Tag und das unterm grauen Februarhimmel. Mit einem Lächeln im Gesicht schlendere ich weiter auf meiner Voyeurtour, auf der Suche nach weiteren Haustürmotiven.

Hohe Bäume säumen die Strasse und werfen im Sommer sicherlich dichten Schatten auf die Häuser, die kaum höher als die Bäume sind. Ein Mann tritt aus einem der Häuser. Ob er mir helfen könne, ob ich jemanden suche. Die Hausnummer seien manchmal nicht so gut erkennbar. Nein, nein, ich warte auf jemanden und bewundere die schönen alten Häuser hier. So kommen wir ins Gespräch und ich erfahre, dass die von mir ebenfalls bewunderten Bäume für Probleme sorgen. Eigentlich gehören sie gar nicht hierher. Nach dem Krieg wurden sie als Ersatz für die ursprünglich hier angesiedelten Vogelbeerbäume angepflanzt. Jetzt sind sie viel zu mächtig, zu durstig. Was dazu führt, das sie in trockenen Jahren ihre Blätter bereits im Juni abwerfen, gleichzeitig aber dem Boden noch mehr Wasser entziehen. Dieses Wasser benötigen aber auch die hölzernen Fundamente, die Pfähle, auf denen die umliegenden Häuser stehen. Pfahlbauten in Bremen? Das ist mir neu. Und so etwas erfährt man einfach so auf der Strasse, ganz zufällig. Man muss halt nur mit den Menschen sprechen, sie freundlich anlächeln, aufeinander zugehen. Die Fremde nicht als bedrohlich ansehen, Verständnis und Interesse füreinander haben.

Der 7. Tag - ein Sonn(endloser)tagmorgen

Sonntagmorgen - der Bäcker ist fast ausverkauft! Was jetzt auch nicht wirklich ein Wunder ist, wenn Frau erst 45 Minuten vor Ladenschluss dort aufschlägt. Der Andrang der Kauflustigen hält sich entsprechend stark und ungewohnterweise in Grenzen. Croissants gibt es ebenfalls keine mehr - darüber hält sich mein Frust stark in Grenzen. Und überhaupt: wer braucht schon viel Auswahl, wenn man sich meist eh für die ganz normalen und ein paar Körnerbrötchen entscheidet?

Winterglück-licher Labbi im Dezember 2010

Winterglück-licher Labbi im Dezember 2010

Die Frühstückseier sind nicht lange genug gekocht und entsprechend labberig, die Nuss-Nugat-Creme will nicht nur das heute extrem widerspenstige Croissant  (vom Vortag aufbewahrt für schlechte Zeiten) verzieren, sondern landet auch noch frohgemut auf meinem weissen T-Shirt. Muss ich noch erwähnen, dass dieses frisch gewaschen und gerade erst eine knappe Stunde an meinem Leib ist?

Nachdem ordentlich Eigelb auf Teller und Tisch und nicht im Mund gelandet sind, die Schokicreme malerisch an sämtlichen Fingern pappt und der Teller überläuft von Croissantkrümeln, beschliesse ich: es gibt erst wieder Croissant mit der braunen Creme, wenn der Skipper sich da selbst drum kümmern kann!

Der letzte Schluck Kaffee bringt dann noch einen ordentlichen Schwall Kaffeesatz in meinen Becher: dem Skipper ist der Filter irgendwie übergelaufen. Das gesteht er mir aber erst, als es zu spät ist. Und komischerweise passiert ihm das an Bord nie ….

Nach diesem äusserst gelungenen Start in den Sonntag macht sich eine Art Winterblues in meinem Kopf breit. Denn draussen ist es grau-braun und windig-kalt. Bett oder doch lieber Fotos durchforsten? Ich entscheide mich für letzteres und das ist gut so. Denn da läuft ein fröhlicher, alter Labbi-Hund durch dicken Schnee, scheint eine strahlende Nachmittagssonne durch die Bäume unseres Lieblings-Wäldchens und strecken knorrige Äste ihre skurrilen Formen übers gefrorene und verschneite Wasser der alten Aller. Winter kann auch schön sein …. vielleicht nicht grade heute…..

Dezember 2010 - ein Wintertraum zwischen Daverden und Cluvenhagen

Dezember 2010 - ein Wintertraum zwischen Daverden und Cluvenhagen

Treffen mit einem guten alten Freund - dem deutschen Winter

Für viele die Albtraum-Jahreszeit schlechthin: dunkel, grau, regnerisch, kalt - Winter in Deutschland. Entsprechend werden wir bemitleidet von unseren Segelfreunden, die unter der karibischen Sonne langsam vor sich hintrocknen während wir dem deutschen Winter trotzen. Zwangsweise, ungeplant, aber nicht zu ändern. Ändern können wir aber unsere Einstellung, unser Lebensgefühl in dieser Jahreszeit.

Und so fahre ich mit dem Auto baumbestandene Landstrassen, die durch eine verschneite Landschaft führen. Lange Schatten werfen die hohen, schlanken Bäume auf die unberührte weisse Fläche der angrenzenden Felder. Es glitzert und strahlt alles und ich muss aufpassen, dass ich mit dem Auto nicht mittenrein pflüge, in dieses Strahlen.

Braun und klar strukturiert stechen die Waldstücke aus der Helligkeit hervor. Rotbraune Bauernhöfe wirken verlassen und sind doch nur im Winterschlaf. Formen, die im Sommer vom dichten Grün des Laubes versteckt werden, zeichnen sich jetzt klar gegen den jeweiligen Hintergrund ab oder gehen - weiss gepudert - eine Symbiose mit der unten ihnen liegenden Fläche ein.

Eiskristalle funkeln auf den Ästen, über Aller und Weser steigen Nebelschwaden auf hinter denen die Sonne pinkfarben versinkt.

Winterzauber an der Aller

Winterzauber an der Aller

Spaziergänge mit Freunden und deren Hunden durch einen Zauberwald sind weniger unfallträchtig und punkten mit einem noch höheren Erlebnisfaktor. Unvergleichlich herzerweiternd, wenn 3 dunkle Hundenasen mit kindlichem Übermut begeistert ins weisse Nass geschoben werden und 3 nicht minder begeisterte Zweibeiner ständig stehenbleiben, um diese Zauberwelt fotografisch zu dokumentieren. Wiesen und Wege, verändert und neu, raus geputzt im weissen Winterstaat, fein gemacht, uns mit einer lebendigen Stille umgebend. Innehalten, tief durchatmen; die klare, kalte Luft aufnehmen, frieren? Nein, ich friere nicht. Was vielleicht ja auch an den verschiedenen Kleidungslagen liegt, die mich einhüllen, Zwiebellok incl. langer Unnerbüx sind angesagt, Schal, Mütze, Handschuhe, Pulswärmer, dicke Stiefel mit Thermosocken drin - was ist das schön!! ‚Schön??? Ja spinnt die denn jetzt total, wie kann man sowas schön finden?’ Frau kann, ich kann, sogar sehr gut. Und geniesse einfach nur, jeden Tag neu und jeden Tag etwas anders, die Begegnungen mit einem guten, alten Freund, den Winter. Den ich tief in mir und unbewusst wohl doch vermisst habe.

Sitzplatz auf dem Deich

Sitzplatz auf dem Deich

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