Die Leinen loesen - Segel setzen - Auf Entdeckung gehen - Den Horizont erweitern - Der Ferne begegnen ….. und Abenteuer erleben.

Seit 2012 sind wir mit unserer na ja unterwegs. Für uns waren es viereinhalb wundervolle Jahre auf einer Reise, die wir gerne noch fortgesetzt hätten und insgeheim hoffen wir auch, das es eine Fortsetzung gibt - wie auch immer diese aussieht. Viele Tage auf dem Meer, an Bord eines wunderbaren Schiffes, unwiederbringliche Momente, Erlebnisse und Begegnungen.

Aber vieles ist nicht planbar und so müssen wir nun einen anderen Kurs nehmen.Jetzt kommt die Zeit der Veränderung, des Abschiednehmens: wir haben uns entschlossen, naja zu verkaufen und hoffen, dass sie einen neuen Eigner findet, der mit ihr noch viel Ferne begegnet und Abenteuer erlebt!

Abendstimmung vor der Küste Kubas

Abendstimmung vor der Küste Kubas

Reise ins Paradies für Liebhaber der Leberkässemmeln und Gipfelstürmer

Die Crew hoch oben auf dem Aufsichtsturm des Pyramidenkogels - im Hintergrund der Wörthersee

Die Crew hoch oben auf dem Aufsichtsturm des Pyramidenkogels - im Hintergrund der Wörthersee

Vor uns tauchen die ersten Berge auf, teils noch schneebedeckt. Definitiv ein eindrucksvolles Panorama, auch wenn wir ja eigentlich mehr Meerfans sind. An den Raststätten kann man das sog. Pickerl erwerben - wir nähern uns der Grenze zu Österreich. Bad Reichenhall, Chiemsee - Erinnerungen an zwei Wochenenden hier in den Bergen, an vom Trans Ocean organisierte Vorbereitungsseminare, das war kurz vorm Start zu unserer Reise.

Bekennende Flachländer mit einer ausgeprägten Aversion gegen schweisstreibende, himmelwärts strebende Wandertouren auf dem Weg in ein Bergland? Was macht man nicht alles, um gute Freunde endlich wieder einmal in natura sehen und sprechen zu können. Skype & Co. sind eben doch nur ein schwacher Ersatz für das live und in Farbe miteinander sein. Und so kurven wir also durch die Alpenregion, sind auf dem Weg zur deutsch-österreichischen Grenze.

Der Baustil der Häuser unterscheidet sich ganz deutlich von dem im Norden. Holz dominiert und lässt alles gemütlich wirken. Breite Balkone unter weit herunter gezogenen Dächern prägen das Bild. An der Zapfsäule der Tankstelle zieht verheissungsvoll eine Werbung für Leberkässsemmeln an mir vorüber - ob ich wohl ….? Ja, ich kann nicht widerstehen und bekomme für 2 Euro eine resche Semmel, gefüllt mit einer dicken Scheibe warmen Leberkäs. Dazu einen süssen Senf - mei, is des guat!!! Skeptisch beäugt mich mein Beifahrer, der Skipper a.D. beim herzhaften Hineinbeissen. Der weiss halt nicht, was wirklich gut ist, willkommen im Leberkässsemmeln-Paradies!

Baustellen, Geschwindigkeitsbegrenzungen, einspurige Tunneldurchfahrten - es wird schon langsam dunkel und endlich nähern wir uns unserem Ziel Graz. Das Navi führt uns zielsicher durch die um diese Zeit verkehrsarme Stadt und dann ins sog. GU = Grazer Umland. „Sie haben das Ziel erreicht“ - Tatsache, an einem von insgesamt 5 Briefkästen prangt die gesuchte Hausnummer. Aber wo genau müssen wir jetzt hin, wirklich in diesen „Feldweg“ rein? Beherzt folgen wir der gewundenen Schotterpiste und legen eine Punktlandung vorm Haus unserer Freunde hin, die uns nur wenige Minuten später herzlich in die Arme schliessen. Hinter uns liegen über 1000 Kilometer und nur kurze Stopps und vor uns stundenlange, angeregte Erzählungen sowie ein leckerer Fast-Mitternachtsimbiss. Irgendwann aber werden die Augenlider doch schwer und die Freunde überlassen uns Orpheus Armen.

Der frühe Vogel .... (oder Skipper) bekommt einen besonders leckeren Kaffeee

Der frühe Vogel .... (oder Skipper) bekommt einen besonders leckeren Kaffeee

Idylle pur im Grazer Umland = GU

Idylle pur im Grazer Umland = GU

Der erste Kaffee in Österreich. Kaffeeee bitte schön dehnen am Ende, nicht so hart aussprechen wie bei uns in Deutschland! In der Frühsonne vorm Haus sitzend, den Blick auf die frühlings-frisch grünen Berghänge. Kleine und grosse Gehöfte schmiegen sich zwischen Obstbäumen an den Berg, suchen Schutz. Auf der Wiese unterm Haus steht ein originalgetreues Tipi - Indianer in Österreich? Warum nicht - wenn schon üppiger Bambus hinterm Nachbarhaus einen kleinen Wald bildet, dann gedeihen hier sicherlich auch Indianer. Aufgeregtes Geflatter und Gezwitscher vorm Fenster - zahlreiche Singvögel pendeln zwischen den Bäumen vorm Haus und dem immer noch gefüllten Futterhaus auf der Terrasse. Idylle pur? Nicht ganz, denn obwohl wir hier so offensichtlich mitten in der Natur sitzen, rauscht es von unten aus dem Tal kräftig zu uns herauf. Kein Wildbach ist der Verursacher, sondern die hier durchziehende, niemals schlafende A 9. Dafür entschädigt der Spaziergang um die Bergkuppe. Hier kennt noch jeder jeden, Nachbarschaftshilfe wird gross geschrieben, die Türen sind selten abgeschlossen und man achtet aufeinander, weiss ob es gut geht oder nicht. Oft gehen die Grundstücke „nahtlos“ und ohne Zaunbegrenzung ineinander über. Und irgendwie scheint es nur so von Verwandten zu wimmeln; zu fast jedem Grundstück hat unsere Freundin eine Geschichte zu erzählen, dieses Areal gehört jener Tante, die Wiese auf der anderen Wegseite wurde schon vor einigen Jahren von der Oma verkauft und die Besitzer hoffen auf eine baldige Wertsteigerung durch Umwidmung der Fläche zum Baugrund. Die einst zusammenhängenden Wiesen und Felder samt Wald werden von Generation zu Generation mehr zerteilt. Landwirt mag kaum noch einer sein. Einen der wenigen treffen wir wenig später auf dem nahe gelegenen vorbildlich gestalteten Reiterhof. Mit seinem Traktor hat er einige Bäume nieder gemacht. Gegen seine bäuerliche Überzeugung, aber aus Hilfsbereitschaft und Verbundenheit zu den Nachbarn. Wenn die es so wollen ….. jetzt liegen die traurigen Wurzelüberreste auf dem Traktoranhänger und er geht erst einmal mit seinem fröhlichen Hund nach Hause, auf einen Kaffeeee. Schön klingt die Sprache hier, lässig, gemütlich und ich verstehe sogar das meiste, verfalle ihr unwillkürlich.

Indianer im Grazer Umland?? Das Tipi jedenfalls steht schon mal

Indianer im Grazer Umland?? Das Tipi jedenfalls steht schon mal

Uriges Holzhaus inmitten der Wiesen

Uriges Holzhaus inmitten der Wiesen

Die Freunde haben ein straffes Programm für uns erdacht. Heute geht es ins schöne Graz. An einer Ecke sind Absperrungen errichtet und die Freunde hoffen auf ein Event. Beim Näherkommen entpuppt sich das Event als simple Kanalöffnung (wie von mir bereits leicht spöttisch vermutet) und fortan haben die reichlich vorhandenen Baustellen in Graz einen neuen Namen: „Grazer-Event“. Davon gibt es einige. Unser persönliches, nächstes Event aber ist die Besteigung des Hausberges. Naja, was wir Flachlandtiroler als Besteigung bezeichnen: komfortabel und lungenschonend fahren wir mit dem Aufzug auf den Schlossberg. Wir hätten auch die Zahnradbahn nutzen oder eine Runde mit der Märchen(Hexen)bahn durch den Berg drehen können. Aus dem Aufzug kommend fällt der Blick auf den Uhrturm, das Wahrzeichen des Schlossbergs, dessen Uhrwerk seit 1712 pünktlich die Stunde schlägt. Und unten in der Stadt ziehen die im gleichnamigen Fluss gelegene Murinsel sowie das futuristisch gestaltete Kunsthaus die Blicke auf sich. Ich liebe es, den Blick von oben zu haben, auf das grosse (oder kleine) Ganze, auf die Dächerlandschaft einer Stadt, auf Hinterhöfe und Plätze. Aber auch der Schlossberg selbst mit seiner Festungsanlage bietet viel Sehenswertes. Graz - ehemalige Residenzstadt der Habsburger. Heute erinnern die Burg, der gotische Dom und das Mausoleum Kaiser Ferdinand II an diese Zeit. Aber auch die vielen, gut erhaltenen Stadthäuser, das Kunsthaus (nicht zu verwechseln mit dem Künstlerhaus oder auch „Halle für Kunst & Medien“ genannt)  oder das Grazer Landhaus mit seinem Rennaisance-Innenhof sind sehenswert. In letzterem schaut ein „weitblickender“ Faun verträumt über den Hof zum schönen Brunnen.

Tauben haben die Logen der Freilichtbühne auf dem Schlossberg besetzt und schauen interessiert den Bauarbeitern bei ihren Bemühungen zu, die Bühne für die kommende Saison vorzubereiten. Eine uralte, knorrige Glyzinie windet sich an einer Pergola entlang und eine kurvige Treppe führt den Berg wieder hinunter, vorbei an ebenso knorrigen Efeuwurzeln.

Stadttouren machen besonders hungrig, die Freunde tauchen mit uns ein in eine ganz besondere Grazer Lebens- und Esskultur, den festen Marktständen an denen man früher wie heute die Spezialitäten der Steiermark verkosten kann. Leider werden sie immer weniger, die typischen Buden wie die „Steirabox“ an der wir uns mit Leberkässemmeln und Rostbratwürsten mit Kren laben. Hinterher ein Schnapserl, das fegt den Magen durch nach der etwas fettigen Kost. Hier kommt man schnell ins Gespräch mit anderen Budenbesuchern und so mancher scheint hier einen Grossteil des Tages zu verbringen, mit Zeitung lesen, einem Plausch halten; Essen und Trinken werden da fast zur Nebensache. Und wir lesen uns ein in den steirischen Wortschatz mit Worten wie „Spritzer“, „Krügerl“, „Glaserl“, „Zweigelt“, „Geselchtes“ etc. .Direkt nebenan werden die Strassenbahnschienen erneuert (ein typisches Grazer Event) und so fällt die Rückfahrt mit besagter Bahn leider aus und wir „müssen“ uns zu Fuss auf den Weg zum Parkhaus machen. Dabei passieren wir kleine Plätze vor schönen, alten Häusern, werfen einen Blick in eine kleine Kunstgalerie, bewundern das älteste Modegeschäft am Platze in dem schon die Grosseltern der Freunde ihre Garderobe einkauften und werfen so manchen Blick in enge, ruhige Gassen oder Hinterhöfe, in denen Restaurants zur Einkehr einladen.

Fazit: Graz ist sehenswert und wir haben längst nicht alles gesehen hier in der kurzen Zeit. Die Freunde müssen also mit einer erneuten Heimsuchung rechnen!

Am nächsten Tag werden wir zu echten Gipfelstürmern! Dem Skipper a.D. zuliebe wählen wir für den Aufstieg zum Grazer Hausberg, dem Schöckl, ebenfalls wieder die bequeme Variante in Form der Seilbahn-Gondel. In wenigen Minuten schweben wir hinauf auf ca. 1.400 Meter Höhe. Ein kurzer, erfrischender Fussweg führt uns von der Seilbahnstation zum Gipfelkreuz. Die Freunde sind untröstlich: der Blick auf die umliegende Bergwelt ist leider nicht so gut, die Gipfel hüllen sich ausnahmslos in Dunst. Für uns ist es trotzdem ein besonderer Moment, unser erstes gemeinsames Gipfelkreuz - das muss fotografisch dokumentiert werden!!

Für den Abstieg (nach einer leichten Stärkung im Stubenberghaus, eine imposante, mit Holzschindeln bedeckte Jausenstation) wählen wir den auch für Fusskranke angeblich gut begehbaren, rot-weiss markierten Weg. Der führt teilweise aber auch über anspruchsvollen Untergrund in Form von Wurzeln und rolligen Steinen. Aber auch vorbei an Enzian, Seidelbast, Christrosen und anderen, selbst den Einheimischen nicht geläufigen, Frühlingsblühern. Ein beliebter Weg - immer wieder begegnen uns Wanderer in Gruppen oder als Familie unterwegs. Und so manches Mal zucken wir zusammen, wenn wieder ein Downhill-Fahrer mit seinem Bike auf dem teilweise parallel verlaufenden Trail an uns vorbei brettert. An so mancher Weggabelung wartet der reinste Schildwald auf uns: hier ist es für Fussgänger verboten, dort für die Radler, hier bitte Achtung, weil die Radler (oder wahlweise Fussgänger) kreuzen usw usw. Da soll sich noch einer auskennen und prompt teilt sich unsere kleine Wandergruppe unfreiwillig nach einem etwas längeren Fotostopp der Damen auf. Die letzten Meter meistern wir aber wieder gemeinsam und der Skipper meint, viel länger hätte der Abstieg auch nicht sein dürfen. Wir sind alle froh, am Abend die Beine unter den liebevoll gedeckten Tisch weiterer Freunde zu strecken und uns mit guter steirischer Küche die hungrigen Mägen füllen zu dürfen. Löwenzahnspinat schmeckt übrigens ganz hervorragend!

Unser 3. Tag im Alpenland führt uns nach Kärnten, zum Wörthersee. Bekannt aus Film und Funk oder so. Lang ists her …..! Auch hier wohnen Segelfreunde, auch hier erwartet uns ein Gipfel - wenn auch etwas moderater. Der Pyramidenkogel ist mit einem hölzernen Aussichtsturm bestückt von dem aus man einen super Rundblick auf Seen, Landschaft und - soweit möglich - auf die umliegenden Berge hat. Leider gilt auch heute wieder: nicht ganz so klare Sicht. Aber es reicht aus, um einige Wipfel anhand der Hinweistafeln auf der Aussichtsplattform zu identifizieren. Für den Abstieg wählen die mutigen Freunde die Rutsche, der Rest teilt sich auf in Fahrstuhl und Treppennutzer. Gleichsam geschafft fallen wir alle in die am Fusse des Turmes einladend aufgestellten Liegestühle. Ein kleiner Ostermarkt ist hier aufgebaut und lockt mit Kunst, Handwerk und leiblichen Genüssen. Sightseeing ist mega-anstrengend, Bier und Almdudler schmecken doppelt gut, der verkostete Ingwer-Saft dagegen eher weniger. Graue Wolken bringen leichte Regenschauer von denen man in Österreich gerne etwas reichlicher hätte. Ist doch der Grundwasserspiegel derzeit ca. 4 Meter unter Normal.

Am Karfreitag machen wir uns auf den Rückweg, verabschieden uns von unseren gastfreundlichen Freunden, die uns ein Stück ihrer Heimat gezeigt und Lust auf mehr davon gemacht haben. Österreich, so nah und doch für uns so exotisch und unbekannt wie so manch weit entferntes Land. Ein letztes Mal bestaunen wir das Bergpanorama bevor wir uns in den Grenzstau einreihen. Der allerdings deutlich kürzer ausfällt wie der auf der Gegenseite - alle Welt scheint in den Süden zu fahren! Nur uns zieht es wieder zurück in den deutlich kälteren Norden! Bleibt uns nur, ein von Herzen kommendes „Bussi & Baba“ zu sagen! Und vielleicht muss ich beim nächsten Mal auf die Frage „Elke, hast Du das verstanden“ nicht mehr antworten mit „nöö, ich bin ja Ausländisch“.

Das Kunsthaus - futuristisch und auch aussen viel Raum für Fantasie bietend

Das Kunsthaus - futuristisch und auch aussen viel Raum für Fantasie bietend

Die Murinsel - künstliche Insel mitten im gleichnamigen Fluss gelegen

Die Murinsel - künstliche Insel mitten im gleichnamigen Fluss gelegen

Aussicht=Draufsicht=Einsicht - Graz von oben

Aussicht=Draufsicht=Einsicht - Graz von oben

Weitblickender Faun - a bisserl deppert ist nur, dass er von Mauern umzingelt ist ...

Weitblickender Faun - a bisserl deppert ist nur, dass er von Mauern umzingelt ist ...

Gemütliches Beisammensein an der 'Steirabox'

Gemütliches Beisammensein an der

Hinter den Bergen, wo die 7+ Zwergerln ..... Angebot eines Haushaltswarengeschäftes in der Innenstadt von Graz

Hinter den Bergen, wo die 7+ Zwergerln ..... Angebot eines Haushaltswarengeschäftes in der Innenstadt von Graz

Speisenkarte der Steirabox -fast ein kleiner Sprachkurs

Speisenkarte der Steirabox -fast ein kleiner Sprachkurs

Der Gipfel ist gestürmt, wir sitzen am Gipfelkreuz des Schöckl

Der Gipfel ist gestürmt, wir sitzen am Gipfelkreuz des Schöckl

mit 100 Metern Gesamthöhe ist er weltweit der höchste hölzerne Aussichtsturm. Für den Abstieg kann man wählen zwischen Aufzug, Treppe oder einer 52 Meter in die Tiefe führenden Rutsche.

Aussichtsturm auf dem Pyramidenkogel: mit 100 Metern Gesamthöhe ist er weltweit der höchste hölzerne Aussichtsturm. Für den Abstieg kann man wählen zwischen Aufzug, Treppe oder einer 52 Meter in die Tiefe führenden Rutsche.

Bye Bye Austria - schön war's

Bye Bye Austria - schön war

Und wer noch mehr erfahren möchte über Graz und sein schönes Umland, der klicke doch mal hier:

https://graz.it-wms.com

https://www.graztourismus.at/de/sehen-und-erleben/sightseeing/sehenswuerdigkeiten

Geldschieberei

Wir sind gerade mit Freunden in Österreich unterwegs als mein Handy klingelt - Anruf unserer Hausbank, was wollen die denn??

Folgender Dialog entspinnt sich (nicht wortgetreu wieder gegeben):

Bank: “Sie haben eine Auslandsüberweisung getätigt. Die wurde gestoppt”

Ich: “Ach ja, warum???????”

Bank: “Im Verwendungszweck steht ‘na ja’ ….”

Ich: “Ja und …… wo ist das Problem???????” - wir haben zwar den 13. aber es ist Donnerstag, Gründonnerstag.

Bank: “ich weiss auch nicht genau, jedenfalls benötigen wir genauere Informationen zum Verwendungszweck”

Darauf folgt eine ausschweifende und hoffentlich auch aussagefähige Erläuterung meinerseits, dass es sich um die Liegeplatzgebühren unseres Segelbootes handelt. Das steht an Land und dafür müssen wir eine Art Parkgebühr bezahlen. Und der Name des Bootes ist eben ‘na ja’, daher erscheint das auch im Verwendungszweck. Die Dame vergewissert sich noch wortreich, ob es sich hierbei um ein privates Boot und somit eine private Zahlung handelt. Ja, klar, ist ja auch von einem Privatkonto getätigt worden……?? Die Werft ist natürlich eine Firma, aber wir sind ganz privat (meistens). Gut, wird mir versichert, denn sonst müsste ich noch Firmenunterlagen beibringen …. aha, Glück gehabt. Ich wische mir den imaginären Schweiss von der Stirn. Und was passiert nun mit unserer Überweisung will ich noch wissen? Die Dame von der Bank versichert mir, alles an die Kollegin weiter zu geben und dann sollte die Überweisung ausgeführt werden können. Na, hoffentlich. Hatten wir doch erst mit der vorhergehenden Überweisung so gewisse Schwierigkeiten. Dieses Mal dachte ich, alle Kontonummern, Bics und Bucs korrekt eingetragen zu haben und dann hängt sich die Sache an einem ominösen Wort im Verwendungszweck auf!!! Da war ich wohl zu naiv, was die unkomplizierte Abwicklung anbelangte.

Seitdem haben wir nichts mehr von der Bank gehört. Ob ich wohl mal vorsichtig beim Zahlungsempfänger nachfrage, ob das Geld verbucht werden konnte???

Geschichten aus Deutschland - heute: Alte Liebe und mehr

Bauboom in Cuxendorf

Bauboom in Cuxendorf

auch wenn der Horizont mal wieder in Schieflage geraten ist - der Blick aufs Wasser ist einfach schön!

auch wenn der Horizont mal wieder in Schieflage geraten ist - der Blick aufs Wasser ist einfach schön!

Besenreihe im Sand

Besenreihe im Sand

Leise platscht das Wasser unter der Seebrücke gegen die algengrünen Steine, vor uns liegt Wasser, bräunlich und endlos. Es ist zwar „nur“ die Elbe, aber immerhin Wasser, scheinbar endlos. Aber manchmal ist es auch weg, einfach weg. Dann ist Ebbe, hier in Cuxhaven. Und dann kann man Wattwanderungen unternehmen. Damit man dabei nicht mit dem zurückkehrenden, dem auflaufenden Wasser in Konflikt kommt, informieren an den Strandzugängen Tafeln mit den aktuellen Tidezeiten darüber, wann man gefahrlos wandern und wann man besser zurück gehen sollte.

Am Strand wird tonnenweise Sand aufgefüllt und Arbeiter „pflanzen“ neue Reisigbüsche als Windschutz in den Sand. Vorne an der Huk steht wie eh und je die Kugelbake. Da wo das Watt endet und das tiefe Wasser beginnt, ziehen die Schiffe fast mystisch vorüber, etwas weiter links schwebt Neuwerk fast mystisch überm Wasser. Horizont, Meer und Land gehen scheinbar fliessend ineinander über, die Grenzen verwischen, verschwimmen, verschmelzen miteinander.

Aber zurück zur weissen Se(H)eBrücke am Hafen. Dorthin, wo man den freien Blick übers Wasser hat. Wo die Möwen über uns kreisen. Wo die „Alte Liebe“ und der Semaphor an vergangene Zeiten erinnern und die Fahrgastschiffe nach Helgoland oder zu den Seehundbankfahrten ablegen. Wo die Elbe 1 ihren Liegeplatz hat und wo man über Lautsprecher interessante Dinge über die vorbeiziehenden Schiffe erfährt. Die Sonne wärmt uns, der Wind ist ungewohnt lau - hier kann man es länger aushalten. „Pööööt“ - ein Motorschiff läuft aus, ein Fischerboot läuft ein. Das Motorschiff haben wir vor einigen Tagen im Fernsehen gesehen, in einem Bericht über Helgoland.

In der Sonne sitzen, mit Blick auf das Hafenbecken, Eis essen und mit einem lange nicht gesehenen Freund Neuigkeiten austauschen. 5 Jahre Leben in 2 Stunden erzählen - geht das? Nicht wirklich, aber die wichtigsten Erlebnisse und Veränderungen tauschen wir miteinander aus.

Einiges hat sich verändert, in unseren Leben, aber auch in Cuxhaven selbst. Der Bauboom herrscht auch hier, Wohnen am Wasser ist in und ganz nach dem Vorbild Bremerhaven werden auch hier die letzten freien Grundstücke mit Hafenlage bebaut. Nur vor dem Deich, zwischen Yachthafen und dem Leuchtturm „Neue Liebe“ erstreckt sich noch eine weite, freie Fläche.

Und auf dem Heimweg rätseln wir, ob schon immer so viele Windgeneratoren entlang der Autobahn standen oder ob es wirklich mehr geworden sind ……

Fischmeile - obligatorischer Anlaufpunkt in Cuxhaven

Fischmeile - obligatorischer Anlaufpunkt in Cuxhaven

Fischerboote kehren in den Hafen zurück

Fischerboote kehren in den Hafen zurück

Frühlingsgefühle

Die Tage werden länger, die dusselige Zeitumstellung haben wir hinter uns und die Luft wird täglich wärmer. Fenster und Türen können offen stehen, ohne das man gleich das Gefühl hat, zu erfrieren. Das Zwitschern und Tirilieren der Vögel ist lauter und vielfältiger geworden; ein Taubenpaar baut in der hohen Tanne auf dem Nachbargrundstück sein Nest und auf der Suche nach Baumaterial haben die Flattermänner das Moos vom Dach des Gartenhauses auf den Boden geworfen. Man ist wählerisch und nimmt nicht alles, was da unter die Krallen gerät.

Spaziergänge können ohne dicke Vermummung unternommen werden und die Sonne wärmt die Knochen schon richtig gut durch - Frühling in Deutschland.

Den haben wir zuletzt 2012 so bewusst erlebt. 2012, das letzte Jahr unseres Landlebens, der gewohnten Normalität, mit Haus, Job und auf Wochenenden oder Urlaub beschränkte Frei-Zeit.

Der Frühling, der angefüllt war mit Umbaumassnahmen an unserem Haus, mit Kisten packen, Möbel einlagern oder verschenken. Angefüllt mit Unruhe, Aufbruchstimmung und Abschieden, mit Trauer und Verlusten. Ein Umbruch in unserem Leben, ein Aufbruch in etwas Neues, ungewohntes, unvertrautes.

Das ist nun 5 Jahre her. Und wieder steht eine Veränderung vor uns, ungeplant, ungewollt.  „Wie geht es denn nun bei euch weiter“ - diese Frage stellen uns Familie, Freunde und auch wir selbst in den letzten Wochen häufig. Eine Antwort haben wir darauf noch nicht so wirklich gefunden. Nach dem anfänglichen Aktionismus, in dem Boot ver- und ein Wohnmobil oder Hausboot ge-kauft wurde, in dem das Haus verkauft werden sollte, wir uns von allem Eigentum und den damit verbundenen Verpflichtungen lösen, vielleicht gar befreien wollten, haben sich die Wogen in unseren Köpfen wieder etwas geglättet und wir denken sachlicher über alles nach.

Ich packe meinen Traum vom Haus am Meer wieder in die Schublade aus dem ich ihn schon vorfreudig heraus geholt hatte. Ausgiebige Shoppingtouren ins Gartencenter werden wieder eingestellt, Verkaufsanzeigen fürs Boot werden erstmal keine geschaltet und das Internet wird nicht mehr nach Wohnmobilen oder Hausbooten durchforstet. Denn eigentlich wollen wir ja gar nicht anders leben. Was ist schon ein Haus AM Meer gegen ein Haus AUF dem Meer. Ein Leben ohne unsere „na ja“? - irgendwie grad immer noch nicht wirklich vorstellbar. Oder haben wir Angst vor der Veränderung; vor Entscheidungen, die unser weiteres Leben extrem beeinflussen und verändern?

Ein klein wenig wehmütig lese ich von Los-Segler-Treffen oder Vorbereitungskursen, höre von geplanten Routen und Törnplänen der Freunde, die noch unterwegs sind, in der Karibik oder im Mittelmeer. Jedem Anfang wohnt ein Zauber inne ….. wir haben noch keinen Neuanfang, fühlen uns in einer Zwischenstufe, nicht Fisch nicht Fleisch. Wären so gerne dort, wo wir uns zu Hause fühlen und haben doch Angst davor, dass wir das gar nicht mehr bewältigen können. Von Frühlingsgefühlen sind wir in dem Punkt noch weit entfernt, noch herrscht bei uns keine wirkliche Aufbruchstimmung.

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