Veränderung

Nun ist es doch soweit: nach 6 Jahren mehr oder weniger Reisen unter Segeln steht unsere na ja aus gesundheitlichen Gründen zum Verkauf, in Deltaville, Virginia, USA. Mehr Informationen zum Schiff finden Interessenten unter der Rubrik “na ja das Schiff”, Fotos kann man in diversen Fotoalben in der Bildergalerie anschauen. Und wer dann noch Fragen hat, kann die spezielle Emailadresse nutzen:

segelyachtnaja att gmail dot com

After 6 years more or less sailing and traveling with na ja she is now for sale! Located in Deltaville, Virginia, USA. Interested people can write us an email to segelyachtnaja att gmail dott com or can get a first impression and more information about the boat in the column “na ja for sale” on this website. In “Bildergalerie” you’ll find a lot of pictures which we took in the last years since we redisgned her from a racing boat to a longterm liveaboard boat. We sell her only because of health reasons.

Cuxhaven 2006

Cuxhaven 2006

Teneriffa 2013

Teneriffa 2013

Oktobersonne

Es prasselt. Draussen, vorm Haus. Feuer ist mein erster Gedanke. Aber kein Feuerschein ist zu sehen, keine Rötung weit und breit. Noch nicht mal von der untergehenden Sonne. Denn die ist schon weg, Dunkelheit senkt sich über die Marsch, die Bäume sind kohlschwarze Schatten.

Wind ist aufgekommen, weht auch noch die letzten Eicheln von den Bäumen. Die prasselnd und raschelnd auf die Erde fallen. Die letzten Wochen gab es immer wieder harte Einschläge auf den hier am Waldrand geparkten Autos. Eicheln donnerten vereinzelt und mit Wucht aufs Blech. Das es keine Dellen gab, grenzt fast an ein Wunder!

Für die Eichhörnchen und sonstigen Wildtiere ist der Tisch dieses Jahr jedenfalls reich gedeckt. Auch der Walnussbaum im Garten lässt reichlich Nüsse auf den Rasen fallen. Ich bin gemein und sammele viele davon ein, bevor sie von den Eichkatzen geknackt werden. Wintervorrat für uns, vielleicht auch für die Eichhörnchen. Wenn sie dann wieder über die schneebedeckte Terrasse flitzen, auf der Suche nach Futter. In einem Winter, der in diesen sommerlich-warmen, wunderschönen Oktobertagen soooo weit weg ist. Ein Oktober, der sich so gar nicht nach Herbst anfühlt, der warm und sanft ist. Mit Sonnenblumenfeldern auf denen die gelben Köpfe mit dem braunen Herz noch eifrig mit der Sonne wandern. Ein Oktober mit wenig Regen, zu wenig. Mit Feldern, die beim Pflügen Staub aufwirbeln und die Fenster auch am Abend noch weit offen stehen.

Wäre da nicht das eindeutig immer stärker in rot und gelb leuchtende Laub der Bäume, man könnte meinen, es sei Sommer.

Unser Amberbaum trägt sein leuchtendes Herbstlaub

Unser Amberbaum trägt sein leuchtendes Herbstlaub

Sommer im Herbst

Herbst in Deutschland. Nebelfelder ziehen übers Land, steigen von den Flüssen hoch und wabern über die Felder. Kühl ist es, morgens und Abends. Tagsüber wärmt uns die Sonne angenehm. Wieder.

Das Laub der Bäume färbt sich gelb, braun, rot. Indian Summer in Deutschland. Passend zum Thema gibt es im Pferdemuseum Verden eine Ausstellung mit dem Schwerpunkt “Das Pferd und die Indianer”. Ein Stück Amerika hier in good old Germany.

Ruhig ist es geworden, in der Fussgängerzone Verden. Obwohl die Aussenbestuhlung der Lokale immer noch gut besucht sind. Man sucht die wärmenden Sonnenstrahlen und geniesst es, noch draussen sitzen zu können. Fast ist es, als würde alles ausruhen nach einem aufregenden Sommer voller Aktivität.

Wir fahren viel übers Land. Abenteuer erleben wir dabei keine. Es gibt keine exotischen Pflanzen oder Tiere zu bewundern, keine aussergewöhnlichen Lebensformen. Und doch ist es spannend für uns, interessant. Ob Bremerhaven, Minden, Landkreis Herford, Mehlbek - wir finden überall etwas sehenswertes,  fotografierenswertes. Deutschland ist nach wie vor schön. Auch wenn uns die Eingewöhnung dieses Mal etwas schwerer fällt - warum auch immer das so ist! Ich vermisse unser Bettmobil, das Automatikgetriebe, die Grösse des Fahrzeuges. Bin ja schon immer mit grossen Autos besser klar gekommen. Jetzt fahre ich mit der roten Rennsemmel durch die Lande. Muss schalten, Kupplung treten und renne mir mehr als einmal den Schädel beim einsteigen in die Knutschkugel. Stochere mit dem Schlüssel viel zu weit oben am Lenkrad herum. Gewohnheitstier Mensch - das Bettmobil hat das Zündschloss weiter oben :-). Die Strassen wirken trotzdem schmal und irgendwie ist hier so viel Verkehr, wird gedrängelt, überholt. Ganz ehrlich: in dem Punkt will ich mich auch gar nicht mehr akklimatisieren. Zu sehr habe ich das entspannte Fahren in den USA schätzen gelernt.

Richmond-Boston-Manchester-Hannover

Hektik, Fusspilz, Aufregung, Schwitzen von früh bis spät. Hurrikan Florence hat unsere finalen Arbeiten vor Abreise nach good old Germany mächtig durcheinander gewirbelt. Sonst allerdings haben wir von ihm glücklicherweise nicht wirklich viel mitbekommen.

Schlappe 2 Tage bleiben uns, um all die 1000 Dinge noch zu erledigen. Wir sind gut im „last minute“ arbeiten. Aber dieses Mal ist es einfach zuviel. Zumal auch noch der Batterielader kurzfristig seinen Dienst verweigert. Allein die Ursachensuche kostet viel Zeit und bringt uns nicht wirklich weiter - Mysterium Strom! Zu viele Kabel ziehen sich durch den Bauch unseres Schiffes und nicht immer ist das woher-wohin ganz klar.

Korrodierte Anschlüsse, lose sitzende Kabel - definitiv ein Grund für die verweigerte Stromzufuhr in Richtung Batterien. Strom bekommen wir vom Anschluss am Boden, das steht fest. Und bei der Gelegenheit „finden“ wir dann auch tatsächlich eine Steckdose, die uns ganz ohne up-down Converter den 220 Volt Saft liefern kann! Wir sind hin und weg. Natürlich fehlt dann mal wieder ein Adapterstecker weil wir mit einer Kabellänge nicht vom Schiff zur Steckdose kommen. Aber das berührt uns jetzt auch nicht mehr so wirklich.

Stattdessen verpacken wir unser Schiffchen liebevoll in weisse Planen, hängen dekorativ noch ein paar Wasserflaschen zwecks Beschwerung dran und hoffen, dass es nicht allzu kalt wird. Die Bändsel werden es aber hoffentlich richten.

“Der ist ja wsserscheu, der Frosch. Der hüpft immer weg, wenn Du mit dem Schlauch in seine Richtung spritzt”. Der Skipper ist bass erstaunt, ein wasserscheuer Frosch? Unsrer, grasgrüner und vielleicht auch deshalb etwas wasserscheuer Hüpfer hat es sich wieder unterm Dinghi bequem gemacht und wird mit der Sicherung beauftragt. Hat ja auch nicht jeder, einen Wach-Frosch!

Segel vom Segelmacher holen, noch einige Dinge in den Storage verfrachten, mir mal eben mit einer scharfen Kante in den Handballen schneiden, Wäsche waschen, aufräumen - nimmt das Chaos eigentlich nie ein Ende? Dazwischen zwei schwitzende Männer, die sich dem Thema Strom widmen. „Pass mal auf Dich auf, Du siehst schei…. aus“. Das sind so Momente, da helfen nur noch der Griff zur Zigarette und zum Vino Rosso …. bei mir jedenfalls. Meinem Aussehen wird das allerdings nicht wirklich zuträglich sein, fürchte ich.

Etwas Ruhe am Abend vorm Abflug bringt uns eine Essenseinladung auf die Kassiopeia. Sitzen, lecker essen, Gin-Tonic, entspanntes Plaudern über die Reiseerlebnisse, mal kein „ihr müsst noch, habt ihr schon, wie wollt ihr denn …..“.

In die Koje kommen wir erst nach Mitternacht. Eine Ladung Wäsche musste noch sein. Last minute gewissermassen. Und dank Trockner problemlos machbar. Das der Wecker um 5 Uhr klingelt schlägt uns Beiden auf den Magen, kein Gedanke an den sonst obligaten Kaffee!!

Schnüre zurecht schneiden, Plane endgültig fixieren. Dann fällt dem Skipper ein, wir könnten doch den Laderegler des Windgenerators mal eben abmontieren und zwecks Prüfung mit nach Deutschland nehmen. Grummelnd fuhrwerke ich mit diversen Schraubenziehern im Schapp herum. Wer baut so einen Scheiss eigentlich ein??? Haben die alle Gummiarme und Lupenaugen??

Irgendwann ist nicht alles weg geräumt, aber so einigermassen klar Schiff.

Die mit zum Flughafen fahrenden und unser Auto übernehmenden Freunde stehen schon Gepäck bei Fuss an ihrem Steg, tanken müssen wir noch …. „wo ist dein Handy Werner????“ „Weiss ich doch nicht“. Die gross angelegte Suchaktion startet, alle in Frage kommenden Orte auf dem Schiff, in der Dusche, Wäscherei, unser Parkplatz - alles wird abgegrast, Ortungsanrufe werden vom Handy schlichtweg ignoriert, es springt sofort die Mailbox an. War ja klar.  Die Matratzen werden nochmal umgedreht, Kissen aufgeschüttelt - vielleicht ist es ja meiner morgendlichen Aufräumaktion zum Opfer und in die Ritzen gefallen? Nada. Die Zeit galoppiert natürlich derweil munter weiter. Ich werde leicht hektisch. Dann fahren wir halt ohne Handy los.

Die Fahrt zum Flughafen ist immerhin entspannt und führt über die gewohnt leeren Strassen. Der Flughafen Richmond ist überschaubar und wir fallen direkt vorm JetBlue Check-in durch die Tür. Bei der Gelegenheit taucht dann auch das vermisste Handy im Kofferraum auf. Unschuldig lugt es unter einer Tasche hervor. Alle sind erleichtert.

Jetzt kann der Flughafen-Marathon starten: Richmond-Boston-Manchester UK - Hannover, D.

Wir kommen rum!

Sternenhimmel

Funkelnde Sterne auf nachtblau-schwarzem Himmel. Milchstrassen. Auf dem Rücken in meiner Koje liegend hab ich Sternenkino vom Feinsten direkt über mir. Durchs Luk fällt der Blick ungebremst auf den Nachthimmel. Unbezahlbar, dieser Anblick. Und sonst verhüllt durch das Sonnensegel. Florence hat also auch was Gutes, zumindest heute Abend und für mich.

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