For Sale/ Zu Verkaufen

Nun ist es doch soweit: na ja steht zum Verkauf, in Deltaville, Virginia, USA. Für Interessenten haben wir daher ein paar Informationen auf Englisch erstellt. Die Deutschsprachigen mögen bitte auf der  ”Schiff”-Seite die Details nachlesen, Fotos kann man in diversen Fotoalben anschauen. Und wer dann noch Fragen hat, wende sich bitte per Email an uns. Dazu gibt es eine spezielle Emailadresse:

segelyachtnaja att gmail punkt com

Homeport: Bremerhaven

German Seashipregister: Nr.: SSR 1019

Callsign: DAHF

MMSI: 211190090

Year of Build: 1975

Builder: Burmester in Bremen

Design: Sparkman & Stephens

Type: Design No. 2102-c2 - One-Off Off-Shore Yacht, build as Cupper for

extreme Conditions

Material: IA cold molded Mahagoni

LOA: 15,25

LWL: 12,30

Width: 4,20

Draft: 2,4-2,5

Weight: : 19t (Nett 15t)

Sailarea: ca 130 m²

Former Names: “Melusine”, “Hamburg X”, “Duva”

Sailnumber: GER 2033

Layout:

Centercockpit

V-Berth: cabin with 1 Double bed and 2 closets

Stern cabin with 1 double bed, several closets and tv

Salon with pantry and navigation

Bathroom with Toilette and sink

small Workingroom with a closet

Rigg:

Reckmann with Rodstay

Mast: 21m above Waterline

Sail area close to the wind: 130m²

Sloop with 2 Furlingsystems - Profurl Age unknown and Furlex new 2006

Anchor:

42kg Bügel-Anchor

100m Chain10mm VA

24kg Bügel-Anchor

Sails:

1 Mainsail, Sailservice Danzig, GER 2033, ca. 43qm with Lazy-bagsystem

1 Genoa Sailservice Danzig - ca. 78qm

1 Fock Sailservice Danzig - ca. 45qm

1 Gennacker, yellow-white, Sailservice Danzig - ca. 169qm

all sails are from 2011 and made from HYDRANET (except the Gennaker)

Spare sails:

1 Mainsail- ca 43qm

1 Fock - ca. 37qm

Engine

Perkins 68KW, in use since 2007

2-circle coolingsystem

2 Alternators 24V

Fueltank ca 500l

Gearbox: Velvet Borg Warner

Gori Foldingprop 3-Blades

Batteries:

6 Gelbatteries à 95 Ah / 2012

2 Startingbatteries 12 V / 2018

1 Solarpanel 12V/ 135W Cleversolar 2012

2 Solarpanels 24V/ 135W Modell SPR 130 Cleversolar

2 Solarpanels 12V/ 90W

Windgenerator Silentwind 400+ new 2015 with special silent blades

DC Converter /Inverter:  1000W + 1800W

Water: about 500 liters

Holdingtank: about 100 liters

Navigation:
Plotter/Radar  Raymarine C140 with 4KW Digital-Radom 2013

Navionics-Seecharts

GPS: MLR und VDO , Garmin Hand GPS
AIS: Simrad AI50 2011
Navtex: Fastnet FMD50

Communication:
ICOM 710
ICOM AT130 Antenna tuner with insulated backstop
SCS Pactor IIUSB Modem
VHF Raytheon IC-M601(DSC + ATIS)

Savety
Life-Raft in Bag, not inspected
4 Lifejackets automatic

4 Lifejackets, others

2 Lifebelts
2  Safety Lines on Deck
1x Lifesling
3 electrical bilge pump
1 manual bilge pump
3 fire extinguisher

emergency tiller

Others:
Steeringsystem Whitlock Mamba cardan
Autopilot Whitlock
Windsteeringsytem Pazifik from Windpilot new 2011


Watergate Village Marine “Little Wonder” (actual not working=
Eno-Gas stove with oven
1 cooling box, water-cooled compressor, about 40 liters
1 cooling box, water-cooled compressor, about 40 liters (in the moment not working properly)

Cuxhaven 2006

Cuxhaven 2006

Teneriffa 2013

Teneriffa 2013

Country Roads …..

„Country Roads, take me home …. to a place I belong ….. Mountain Mamma …… „

Eine Melodie, Textfragmente kommen uns in den Kopf. Vor uns liegt die Country-Road, die durch Virginia führt. Eine von vielen. Und diese hier bringt uns zum Shenandoah Naturpark. Durch diesen Park führt der Skyline-Drive.

Für insgesamt 60 Dollar dürfen wir 7 Tage durch den Park cruisen, wandern oder einfach nur sitzen-stehen, gucken. Von einem der vielen Aussichtspunkte entlang der Strasse z.B.

Es geht stramm bergauf, wir schwitzen, unser Auto auch. Am ersten Aussichtspunkt brodelt und blubbert es ganz merkwürdig unter der Motorhaube. Unverdrossen prügeln wir das Bettmobil weiter bergan, sind doch nur ein paar Meilen bis zum Besuchercenter. Auf halbem Weg dann noch ein Stop mitten im Wald. Aus einem entgegenkommenden Cabriolet wedeln vier Hände aufgeregt Richtung Hang. Unser dicken Fragezeichen in den Augen verwandeln sich schnell in fette Ausrufezeichen: wir sehen unsere ersten Bären in freier Wildbahn. Und die auch noch nur wenige Meter vom Auto entfernt. Mama Bär und ihr Nachkomme lassen es sich schmecken. Ganz unberührt von den Zuschauern in ihren stinkenden Blechkisten. Was für ein Erlebnis!

Auf dem Parkplatz des Besuchercenters ist erstmal Boxenstopp. Kühlflüssigkeit sprudelt aus unserem Motorraum, es zischt und blubbert noch immer und unser armes Auto bekommt jetzt erstmal bei geöffneter Motorhaube eine Abkühlung im Schatten. Mit dem schwächelnden Auto weiterfahren? Lieber nicht. Also zurück ins Tal, nach Front Royal. Da ist es auch warm. Und der Ort bereitet sich auf den morgigen Feiertag vor. Schon wieder ein Feiertag! Auch die USA feiert ihre Unabhängigkeit. Mit Feuerwerk und Arbeitsfrei. Autowerkstatt aufsuchen fällt dann wohl eher aus.

Wir trösten uns mit Pizza und Stadtbummel. Der Ort ist überschaubar, die Hauptstrasse bzw. ein Teil davon glänzt ebenfalls durch einigen Leerstand in den Ladenlokalen. Aber das ganze wirkt ganz hübsch und nett, ist mit üppigen Blumenampeln und reichlich Stars&Stripes Flaggen aufgepeppt. Auf dem Parkplatz versammelt sich die „Dorfjugend“ um ihre Autos. „Die warten wohl aufs Feuerwerk“ mutmasst der Navigator. Und tatsächlich, eine der jungen Damen kommt auf uns zu und fragt, ob wir auch Feuerwerk gucken wollen. Auf meine interessierte Gegenfrage, wo das denn stattfinde, zuckt sie die Schultern. Eigentlich dachte sie, wir wüssten das. Feuerwerk fällt also aus. Wir hören es von Ferne irgendwo knallen. Und die leeren Verkaufsstände für die Raketen haben wir gesehen. Aber wir sind ja eh nicht so die Knall-Bumm-Zisch-Fans.

Am nächsten Morgen stürzen wir uns mit abgekühltem Auto wieder auf den Shenandoah Park. Fahren die kurvige Strasse durch kühles Grün, bewundern die Aussicht auf die umliegenden Berge und schrauben uns so ganz allmählich hoch und höher. Zeit, einen Platz für die Nacht zu suchen. Unsere wähl fällt auf den Campingplatz Big Meadows. Gleich nach dem grossen Blumenwiese „Big Meadows“ geht es rechts hinterm Besuchercenter ab. Das übrigens sehr gekonnt über die Entstehung des Parks, seine Fauna und Flora informiert.

Auf dem Campingplatz werden wir neugierig von unserem Nachbarn beäugt. Der wechselt ganz aufgeregt immer wieder seinen Standort und linst durch die Büsche und Bäume, die unseren Platz von seinem trennen. Na, so aussergewöhnlich sehen wir ja nun auch nicht aus. Irgendwann ruft er dann rüber: „there is a Bear!“ …. schei….. ausgerechnet jetzt, wo bei uns die Pfanne mit den Fleischspiessen auf dem Kocher brutzelt! Werner will, dass ich den Fotoapparat schussbereit mache, ich dagegen überlege, wie ich die Pfanne am schnellsten in Sicherheit bringe. Und was sonst noch so an Lebensmitteln ins sichere Auto muss. So hat jeder seine Prioritäten.

Der Bär - es ist ein junger, kleinerer - beschäftigt sich kurz mit einem Strommasten und trollt sich dann hinter dem Toilettenhäuschen übers Grün abwärts. Uff, wir können unser Abendessen in Ruhe geniessen. Dafür stehen dann irgendwann zwei Rehmamis mit ihren Kitzen auf der Wiese und grasen in aller Gemütsruhe. Rehe sehen wir noch einige,  ganz nah und sich nicht wirklich störend lassend. Eines äst auf unserem Zeltplatz, direkt hinterm Auto. Chipmonks flitzen über die Wege und Plätze. Nur von Stinktieren und Waschbären bleiben wir verschont.

Wolken ziehen auf und Nebel weht über den Campingplatz, es kühlt merklich ab. Für die Nacht gerade richtig.

Am nächsten Morgen geht es noch ein paar Meter zurück nach Norden. Ein gestern gut besuchter Parkplatz ist unser Ziel. Von dort führt ein Weg zum …… Wasserfall.  Ein Weg führt am Bach entlang bergab. Dabei überwinden wir so einige Höhenmeter bis wir am Wasserfall stehen. Der rauscht …. Fuss tief über die Felsen. Bei weitem nicht so beeindruckend wie die Niagarfälle, aber auch schön. Der Aufstieg ist dann schweisstreibend, aber immerhin kurz. Insgesamt sind wir nur knapp 1,4 Meilen unterwegs. Das schaffen wir als bekennende Nicht-Hiker gerade noch. Ins Schwitzen kommen wir trotzdem ordentlich, die Temperaturen steigen trotz der frühen Morgenstunde schon merklich an, eine zweite Dusche wäre jetzt angnehm.

Und dann sind wir schon wieder raus aus dem Park. Gleiten sanft auf und ab durch einen Teil Virginias, der sehenswert ist. Pferdefarmen, Weingüter, beeindruckende Famrhäuser. Hier zeigt man, was man hat und man hat offenbar einiges.

Ein Boxenstopp bei Lidl Richmond, dann geht es die restlichen Meilen nach Deltaville. Vertraute Strassen. „Country Roads ….“. Dann sind wir an dem Platz, wo wir hin gehören, an unserem Boot. Und stellen im letzten Tageslicht fest: die Leiter ist weg! Und nu??? Ein kurzer Rundgang auf dem Platz lässt uns die Leiter an einem anderen Boot finden. Wir klopfen, keiner antwortet. Ob wir sie einfach wegnehmen sollen?? Eine andere, für uns passende Leiter haben wir nicht gefunden. Nee, lieber nicht, die Luken stehen offen. Also schlafen wir nochmal eine Nacht im Bettmobil. Lassen uns von den Moskitos quälen und lauschen dem Froschkonzert vom nahegelegenen Teich.

5 Wochen on the Road liegen hinter uns. Viel gesehen und erlebt haben wir. Und im Nachhinein würden wir uns mehr Zeit für Montreal nehmen. Würden den Rideau-Kanal entlang fahren bis Ottawa, würden uns mehr von Quebec anschauen. Dann auf direktem Weg zu den Niagarafällen, zum Shenandoah-Park. Und für den würden wir uns richtige Wanderschuhe mitnehmen und mehr Wandertouren machen. Oder durch das Shenandoah-Tal fahren, die Weingüter Virginias kennenlernen. Beim nächsten Mal, da machen wir es ein bisschen anders.

Aber schön waren die vergangenen Wochen trotzdem.

Und für alle, denen es wie uns geht, die den kompletten Text dieses Ohrwurms, im Original von John Denver gesungen, nicht mehr auf die Reihe bekommen, hier der Songtext:

Almost heaven, West Virginia
Blue ridge mountains, Shenandoah river
Life is old there, older than the trees
Younger than the mountains, blowing like a breeze
Country roads, take me home
To the place I belong
West Virginia
Mountain mamma, take me home
Country roads
All my memories, gather round her
Modest lady, stranger to blue water
Dark and dusty, painted on the sky
Misty taste of moonshine, teardrop in my eye
Country roads, take me home
To the place I belong
West Virginia
Mountain mamma, take me home
Country roads
I hear her voice in the morning hour she calls me
Radio reminds me of my home far away
Driving down the road I get a feeling
That I should have been home yesterday, yesterday
Country roads, take me home
To the place I belong
West Virginia
Mountain mamma, take me home
Country roads
Country roads, take me home
To the place I belong
West Virginia
Mountain mamma, take me home
Country roads
Take me home, down country roads
Take me home, down country roads
23 Meter Abstand soll Mensch von den Deers halten. Denen ist das egal, die rücken uns Menschen gerne auch mal näher auf die Pelle
23 Meter Abstand soll Mensch von den Deers halten. Denen ist das egal, die rücken uns Menschen gerne auch mal näher auf die Pelle

Bärig - nur wenige Meter oberhalb der Strasse sind zwei Bären auf Futtersuche

Bärig - nur wenige Meter oberhalb der Strasse sind zwei Bären auf Futtersuche

Batterieprobleme

Klack-Klack-humpf-klack. So ungefähr hört sich das Starten unseres Autos an. Blödes Timing: Batterie leer genudelt (weil wir es in der Kühlbox schön kalt haben wollten und vergessen haben, nach Abstellen des Motors den Stecker der Box zu ziehen!), es ist spät am Abend, die Geschäfte haben alle geschlossen und wir stehen aAdW auf dem Walmart-Parkplatz. Prima, da sind doch Leute, da kann man ein - nicht vorhandenes - Starterkabel kaufen. Nee, leider nicht, weil Laden schon geschlossen und die wenigen, verbliebenen Autos verfügen ebenfalls über kein Starterkabel.
Wir vertagen unser Problem kurzerhand auf den nächsten Morgen. Schlafen wir halt mit offenem Schiebedach und geöffneten Fenstern, es regnet ja nicht. Erstaunlicherweise schlafen wir beide sogar tief und fest. Und das quasi auf dem Präsentierteller. Noch nichtmal die Türen habe ich verrieget, aus Schiss, sie nicht mehr aufzubekommen.
Am nächsten Morgen dann beginnt der Telefonmarathon. ADAC in Deutschland - fühlt sich nicht zuständig für Krankheiten des Autos, nur für die Fahrer. Nein, da nutzt auch die Plus-Mitgliedschaft nix. Müssen wir so zur Kenntnis nehmen. Der AAA (das amerikanische Pendant zum ADAC) ist sehr hilfsbereit, gibt uns die Nummer vom CAA (kanadischer Automobilclub) Toronot und meint, die wären happy, uns helfen zu können. Die kanadische Dame ist weniger happy und zudem schlecht verständlich. Ganz offenhörig genervt gibt sie mir die Nummer vom GMC Service. Hmm, muss man bei einem GMC bei einer Starthilfe was  spezielles beachten??? Die Dame von GMC jedenfalls ist extrem hilfsbereit und freundlich, kassiert via Creditcard 76 Dollar und schickt Hilfe auf den Weg. Zwischen 20 und 40 Minuten könne es dauern. Ja, kein Problem, wir können ja eh nicht weg.
Ich hab mich noch nicht richtig im LBCO Wlan eingeloggt, da brummt ein LKW schwungvoll auf den Parkplatz. Mittendrauf und mit richtig Schmackes. Leider übersieht er dabei völlig die ebenfalls mittig plazierte Parkplatzleuchte und haut volles Rohr mit seinem Truck dagegen! Rumms, die Laterne wackelt leicht und die chromblitzende Stossstange des Truck hat einen tiefen Cut, mittig. Sonst sieht der Truck unversehrt aus. Der Fahrer steigt leicht benommen aus, verneint aber auf unsere besorgten Nachfragen, ob er sich verletzt habe. Na, ob das so stimmt. Zack,zack geht es weiter. Motorhaube auf, Starthilfe ran, zweimal starten, dann ist unser Bett wieder mobil und schnurrt wie ein Kätzchen. Oh Mann, der wird diesen Tag verfluchen! Von der Sonne sei er geblendet worden. Stimmt, die stand ihm genau ins Fahrerhaus. Aber wenn er die Fahrspur eingehalten hätte … hätte, hätte. Nutzt ihm jetzt auch nix mehr. Der Arme tut uns echt leid.

Irgendwie ist es aber auch nicht unser Tag. Kurze Zeit später stehen wir auf der Peace Bridge und reisen wieder in die USA ein. Hoffnungsfroh erwarten wir einen neuen Einreisestempel, der uns nochmal 180 Tage in den USA erlaubt. Denkste. Die Dame im Häuschen ist unwirsch, zieht die Mundwinkel nach unten, stellt ein paar Fragen, blättert unmotiviert in unseren Pässen rum und lässt den Stempel stecken! Nee, wir hätten ja einen Einreisestempel, dann müssten wir halt am 20.09. spätestens ausreisen. Und tschüss. Tja, da ist nix zu machen.

Ein klein wenig verwöhnt uns die Fahrt durch einen Zipfel New Yorks und durch Pennsylvania. Naturparks, viel Wald, viele Flüsse, nette Orte. Und die herrlichen Schilder, auf denen Schneemobile abgebildet sind oder auf antiquierte Kutschen hingewiesen wird. Eine klappert sogar an uns vorbei. Ein flotter Einspänner mit zwei Männern auf der Kutschbank, mit Strohhüten auf dem Kopf und Hosenträgern. Richtig oldfashioned, herrlich.  Sogar Bären können unseren Weg auf den nächsten 6 Meilen kreuzen!! Aber die sind ja nachtaktiv. Stattdessen springt uns ein Deer vor die Kühlerhaube. Schreck lass nach. Zum Glück bin ich nicht so schnell und so schafft es das schöne Tier unversehrt auf die andere Strassenseite.Schneemobile sehen wir jahreszeitlich bedingt auch keine, so erreichen wir relativ entspannt unser Etappenziel, eine Art LKW-Raststätte, die Duschen, Waschmaschinen, eine Lounge und gutes Internet bietet. Vor den Waschmaschinen kommen wir mit einer netten Truckerin ins Gespräch. Die hat auf ihrer Bonuskarte jede Menge Duschcoupons. Für jedes Mal den Truck tanken, gibt es sowas. Ob wir duschen wollten? Sie würde uns eine ihrer Duschen spendieren! Kurzer Blicktausch, da sagen wir nicht nein. Und fühlen uns kurze Zeit später wie neugeboren!

Erinnerungsbänke

Bänke, die erinnern
Bäume werden gepflanzt. Davor stehen kleine Tafeln, die an irgendjemand erinnern, dessen Hinterbliebene diesen Baum just hier gepflanzt haben. So gesehen in Kingston Bänke, die an Verstorbene erinnern und von der Familie gestiftet wurden, haben wir auch schon gesehen, das ist uns nichts Neues.
Aber hier in Weaver Park Beach ist es nochmal etwas anders. Hier wird nicht nur an Berühmte, Prominente und solche, die sich um das Wohl der Allgemeinheit verdient gemacht haben, erinnert. Hier ist es der Bruder, der zu früh verstorben ist, dessen gedacht wird. Oder der Vater, der der Wind unter den Flügeln seiner Kinder war.
Manche Bänke sind von Blumenbeeten oder bemalten Steinen umgeben. Oder Schmetterlinge umringen die Rüäckenlehne, in die Betonplatte, auf der die Bank steht, sind rote Glasherzen eingelassen.
Alle haben sie Seeblick und alle verströmen sie eine wunderbare Gelassenheit. Eine Aura umgibt sie, die den Platz nehmenden ganz ruhig und zufrieden werden lassen. STundenlang kann man hier sitzen und einfach nur auf den See schauen. Im Rücken die Bäume des kleinen Wäldchens oder den kleinen Park.

Abschiednehmen, Tod, Trauer, Verlust, Vergangenheit einerseits und gelebtes Jetzt, sportliche Aktivitäten, Kinderlachen, Zukunft andererseits und alles ganz nah beinander. Es scheint, als sei dies hier wirklich ein ganz besonderer Ort. Auf den ersten Blick unscheinbar, wächst er uns mit jeder Stunde, die wir hier verbringen, mehr ans Herz, wird zu einem Ort, den wir nicht so schnell vergessen werden. Vielleicht sollten wir irgendwann auch eine Bank Aber jetzt verjagen uns die ersten Stechmücken von hier. Das ganz schnöde Leben hat uns wieder :-)

Schmetterlingsbank. Vielleicht mochte die Frau, der sie gewidmet ist, Schmetterlinge besonders gerne

Schmetterlingsbank. Vielleicht mochte die Frau, der sie gewidmet ist, Schmetterlinge besonders gerne

PC’s

PC = Parkcamper, Picknickbankcamper
Nein, nicht im klassischen Sinne sind wir Park-Camper. Wir schlagen in keinem der vielen Naturparks unser “Lager” auf. Am Ufer des Erie-Sees gibt es viele Grünanlagen, die als Park bezeichnet werden. Oft mit einem Strand, immer mit Sanitäranlagen, Picknicktischen und einem tollen Blick aufs Wasser. Seltener mit hohen, schattenspendenden Bäumen. Eher zufällig haben wir den Waver-Beach-Park gefunden. Ein überschaubares Stück Rasen, schattige Parkflächen, Picknickbänke, besagter Blick aufs Wasser - wir wollen nix mehr. Fliessend Wasser für usneren Abwasch und sogar einen Stromanschluss entdecken wir. Der speist jetzt unsere Kühlbox sowie sämtliche Ladekabel. Drauf gebracht hat uns ein Einheimischer, der den Elektroroller kurzerhand mit dem mitgebrachten Kabel an die Steckdose klemmte.
So nehmen wir hier unser Frühstück ein, kochen auch noch einen zweiten Kaffee. “Sorry, we are a little bit late, it was so much traffic” … häh, kennen wir die?? Ein Pferdeschwanztyp, braun gebrannt und muskulös samt einer Frau, Typ “ist sie seine Mutter oder wirkt er einfach nur so jugendlich?” steuern einen anderen Tisch an. Tja, Kaffee ist leider grad alle geworden. Sie versprechen aber, zur Lunchtime wieder hier zu sein. Sind sie auch und er zieht kurzerhand mal den Picknicktisch in die Sonne. Wow, ist der stark. Wir haben den zu zweit nur einen Meter bewegt bekommen.
Radler, Jogger, Jundebesitzer, Strandliebhaber - ein ständiges Kommen und Gehen. Aber einige Gesichter sind man immer wieder, man kennt sich schon, grüsst etwas herzlicher, Wiederholungstäter. “Such a lovely place” versichert man sich gegenseitig und kommt ins Gespräch. Unsere Nachbarn sind aus Toronto geflüchtet, da ist es ihnen zu heiss. Heute sollten es 36 Grad werden und das in der Stadt, nicht auszuhalten. Da flüchtet man lieber an den Lake Erie, lässt sich die Brise um die Nase wehen und guckt sich die Gegend hier ein bisschen an. Zum Abendessen gibt es lecker Grillhähnchen von Walmart, auch fein. Wir brutzeln lieber auf unserem Gaskocher vor uns hin. Die Gerüche unserer Campingküche und auch die einladend offenstehende Heckklappe unseres voll gepackten Bettmobils sorgen imer wieder für Gesprächsstoff mit den Locals.
Und dann wird es gegen Abend doch noch richtig feierlich, hier im Park. Eine Hochzeitsgesellschaft trifft ein. Klein, aber fein gemacht. Der Standesbeamte wartet auch schon und nach anfänglichen Vermutungen, die in Richtung “Fotosession” gehen legt der in dezentes Grau gekleidete Herr los: die Trauung beginnt. Einfach so, zwischen den Bäumen. Der Text wird mehr oder weniger vom Tablet abgelesen. Die blonde Braut strahlt ihren dunkelhäutigen Bräutigam über die Gänseblümchen hinweg an, er nickt ganz verzaubert von den Worten immer wieder heftig. Ja, will er alles. Soll alles so geschehen, wie der Standesbeamte das verkündet und einfordert. Wir sind ganz ergriffen. Nicht nur Erinnerungsbänke an Verstorbene stehen hier, jetzt wird auch noch der Bund fürs Leben hier geschlossen. “Da müssen wir gratulieren” sagt der Skipper und will schon los. “Nein, das können wir nicht machen” quakt die eher schüchterne Steuerfrau. “Doch, doch, das muss sein, wenn wir schon hier sind”. Gut, dass ich ihn erstmal ausgebremst habe. Erst werden die Unterschriften geleistet, auf schnödem Papier auf einem noch schnöderen Picknicktisch und doch wird diese Unterschrift sicherlich unvergesslich werden. Dann folgen weitere salbungsvolle Worte. Klar, Ringe werden auch getauscht, der Skipper nimmt es erleichtert zur Kenntnis …. “ich dachte schon, das gibt es hier nicht”.
Dann lachen alle erleichert auf und fallen sich in die Arme. Der Brautvater läuft uns in selbige und wir schütteln ihm herzlich die Hände, gratulieren zum frisch gebackenen Schwiegersohn. Der sei aus Kolumbien verrät er uns. Der Einbürgerungsantrag läuft. Heiraten wollten sie sowieso aber damit das mit der Einbürgerung schneller klappt, haben sie sich entschlossen, auch etwas früher zu heiraten. Wir drücken die Daumen, dass alles gut wird und ich drücke auch noch den Auslöser der Kamera fürs Gruppenfoto.
Hach, wat war dat schön. Wir sehr einen doch das Glück anderer Menschen beseelen, glücklich machen kann.

Picknickbank-Camper

Picknickbank-Camper

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