Die Leinen loesen - Segel setzen - Auf Entdeckung gehen - Den Horizont erweitern - Der Ferne begegnen ….. und Abenteuer erleben.

Seit 2012 sind wir mit unserer na ja unterwegs. Für uns waren es viereinhalb wundervolle Jahre auf einer Reise, die wir gerne noch fortgesetzt hätten und insgeheim hoffen wir auch, das es eine Fortsetzung gibt - wie auch immer diese aussieht. Viele Tage auf dem Meer, an Bord eines wunderbaren Schiffes, unwiederbringliche Momente, Erlebnisse und Begegnungen.

Aber vieles ist nicht planbar und so müssen wir nun einen anderen Kurs nehmen.Jetzt kommt die Zeit der Veränderung, des Abschiednehmens: wir haben uns entschlossen, naja zu verkaufen und hoffen, dass sie einen neuen Eigner findet, der mit ihr noch viel Ferne begegnet und Abenteuer erlebt!

Abendstimmung vor der Küste Kubas

Abendstimmung vor der Küste Kubas

Havenwelten Geschichten - heute: Wremen und die Wurster Nordseeküste

Wremen - hier gibt es handgewebtes, handgestricktes und vieles mehr

Wremen - hier gibt es handgewebtes, handgestricktes und vieles mehr

Hinterm Deich

Hinterm Deich

Schlickrutscher sind hier in ihrem Element

Schlickrutscher sind hier in ihrem Element

Wat(t) en Blick!

Wat(t) en Blick!

Havenwelten - Kutterhavenwelt um genau zu sein. Unser Tagesziel heisst „Wremen“ und dort angekommen führt der erste Weg natürlich in den Hafen. Vom Deich aus geht der Blick über ganz viel Watt, den Kutterhaven, Salzwiesen, ein etwas zu modern geratenes Hotelgebäude zum Leuchtturm. Der steht, schwarz-weiss geringelt, etwas pummelig wirkend (weil klein und rund) am Ende der Hafenmole und heisst kleiner Prinz. Nein, so heisst er nicht. Aber irgendwie fällt mir das immer ein …. „Kleiner Preusse“ muss es heissen. Die Einheimischen sind mächtig stolz auf ihn. Seit 2005 steht er wieder hier am Hafen und bietet einen erhöhten Ausblick rüber zum Kranterminal Bremerhavens und auf die Seeschiffsstrasse Weser mit ihren vielen unterschiedlichen, im Wasser stehenden Leuchtfeuern. Die weisen den dicken Pötten bei Tag und Nacht den Weg durch das Fahrwasser. Bremerhaven ist nicht weit, das wird uns hier sehr bewusst.

Hinterm Priel winken die Verladekräne von Bremerhaven

Hinterm Priel winken die Verladekräne von Bremerhaven

Der Wasserweg zum Kutterhafen Wremen ist gewunden und ähnelt einem Labyrinth. Einem aus Stangen und Reisigbesen bestehenden Labyrinth, das sich nur dem so wirklich erschliesst, der mit einem Boot den Weg befährt. Links und rechts ist grad kein Wasser zu sehen, Ebbe. Und auch im Hafen liegen die wenigen Sportboote „hog en droog“ (hoch und trocken), auf jeden Fall ziemlich weich. Ob das den empfindlichen Antriebswellen und Schrauben vielleicht trotzdem nicht so gut bekommt? Ein Segelboot ragt etwas höher aus dem Modder, da wollte der Kiel wohl nicht weiter einsacken.

Trocken gefallen im Hafen von Wremen

Trocken gefallen im Hafen von Wremen

Am Hafen sind fahrbare Buden aufgebaut, Tisch, Stühle, Windschutz und sogar Strandkörbe - hier muss keiner sein Fischbrötchen im Stehen futtern. Derweil kreiseln die Autos und Motorräder um die Wagenburg, Parkplätze sind nur begrenzt verfügbar, aber dafür gibt es keine Parkgebühr. An einem Pfahl kann man sehen, wie hoch die Flut hier schon einige Male gestanden hat. Nicht wenige Hinweise sind hoch über unseren Köpfen angebracht. Gut für die dahinterliegende Häuser, das der Deich mittlerweile recht hoch und sehr stabil ist. Deichpflege wird heute gross geschrieben. Die Wochenendurlauber und Besucher des kleinen Ortes Wremen denken heute sicherlich nicht daran, mit welcher Wut das Meer hier wüten kann. Grün, soweit das Auge reicht, der Deich schlängelt sich zwischen Land und Meer an der Küste entlang und ist für uns Urlauber in erster Linie ein erhöhter Rad-Wanderweg oder Aussichtsplatz.

Hat man den kleinen Leuchtturm passiert, die zahlreichen Informationstafeln zum Thema Wattenmeer, Fauna & Flora etc. gelesen, dann führt der Weg zwischen den Salzwiesen und dem Watt am Ufer entlang. Links grau-braune scheinbare Endlosigkeit die weit draussen aber doch endet: am Fahrwasser, über das die dicken Pötte scheinbar schweben. Dann gebietet uns eine weisse Eule auf blauem Schild Einhalt, der Weg ist hier zu Ende: Naturschutzgebiet, Betreten, Surfen, Wellenreiten, Kiten ist verboten - hier gehört die Natur ganz den Vögeln, Wattwürmern, Muscheln und sonstigem Getier. Und das ist wahrscheinlich auch gut so angesichts der vielen Menschen, die es an einem solch sonnigen Tag hier an die Küste zieht.

Im Ort selbst herrscht sonntägliche Ruhe. Der an Mittwochen stark bevölkerte Grillplatz liegt leer und verwaist, alle Tische und Bänke sind weg geräumt, kein appetitlicher Geruch wabert durch die Gassen. Auch Bäcker, Kaufmann, Blumenladen oder Geschenkeecke haben geschlossen, in die beiden Museen - Fischereimuseum und kurioses Muschelmuseum - verirrt sich kaum ein Besucher. Die mächtige Glocke im separaten Glockenturm der Kirche schweigt und auch aus den Häusern, die sich direkt an die Friedhofsmauer anschliessen, dringt kein Laut. In einem schönen alten Haus kann man handgewebtes und andere Dinge die man nicht braucht erwerben. O.k. handgestrickte Socken kann man durchaus brauchen, aber nicht jetzt, bei gefühlt 30°C. So bleibt es auch bei uns beim Gucken, das durch das ständige Vogelgezwitscher an der Eingangstür leicht gestört wird: die Ladeninhaberin löst diesen Alarm durch ihr Rumgerwerkel aus. Kaum ein Auto hält an, alle fahren weiter, zum Kutterhafen, ans Wasser. Hier spielt sich das Leben grad vor dem Deich ab, nicht dahinter.

Der kleine Preusen-Prinz

Der kleine Preusen-Prinz

Auf einer schmalen Strasse hinterm Deich fahren wir Richtung Dorum. Ist das vielleicht doch nur für Radfahrer erlaubt hier?? Eng ist es und ein ausweichen über den Grasstreifen ist unvermeidlich. Entgegenkommende Autos beruhigen mich: so viele können doch nicht irren - oder doch?? Die teils etwas missmutigen Blicke der überholten Radfahrer blende ich optimistisch einfach aus. Wo es doch so viel Schönes zu sehen gibt, hier hinterm Deich,: viel sanfte Landschaft. Felder, Weiden und dazwischen immer wieder eingekuschelt Häuser, Bauernhöfe, auf einer Wiese tollen Fohlen ausgelassen um ihre Mütter herum.

Ortsdurchfahrt Midlum - das Beste an diesem Ort ist wohl die auf einem kleinen Hügel thronende und offensichtlich gut erhaltene oder restaurierte alte Windmühle. Wir sind bestimmt nicht objektiv und vielleicht entdeckt man bei genauerem Hinschauen noch mehr Sehenswertes. Heute aber wird in Midlum kräftig gefeiert und danach steht uns jetzt grad nicht der Sinn. Also weiter nach Dorum.

Dorum verfügt über mehrere Ortsteile und ebenfalls einen Kutterhafen. Schon oben vom Deich sieht man fast nur schwarz: jede Menge Motorräder sind am Hafen geparkt. Die riesigen, offiziellen Parkplatzflächen für PKW sind dagegen nicht wirklich gefüllt. Trotzdem fühlen wir uns hier auf Anhieb nicht wohl, verlassen das Auto nur für ein Foto. Nix wie weg und nach Hause. Aber nicht, ohne in Cuxhaven noch Fisch einzukaufen.

Motorrad-Treff im Dorumer Kutterhafen

Motorrad-Treff im Dorumer Kutterhafen

Wremen Friedhof - Grabplatten am Glockenturm

Wremen Friedhof - Grabplatten am Glockenturm

Wie im Rausch

Idylle in Daehre

Idylle in Daehre

Wie im Rausch

Grün ist die Hoffnung, grün macht blass, grüne Ampel, grün-grün-grün. Wieviele Bezeichnungen und Varianten gibt es für/von dieser Farbe? Hellgrün, dunkelgrün, tannengrün, lindgrün, froschgrün, giftgrün, moosgrün, frisches grün, sattes grün ….grün grün grün. Grün ist die Hoffnung, grün ist Balsam für Auge und Seele … und die Farbe des Frühlings. Ganz eindeutig.

Lichtdurchflutet liegt der Wald links und rechts der Landstrase. Die sich über weite Teile fast schnurgerade durch die Landschaft wellt, über kleinere Erhebungen hinauf und dahinter geht es wieder sanft ins Wellental. Alles im Fluss und doch kein Wasser weit und breit. Dafür viel Landschaft und eben viel ….. genau: grün! Das Herz wird weit, die Seele lacht und jubelt. Soooo schön. Momente, in denen ich das Cabriolet vermisse. Fahren ohne Dach, da kommt dieses grün noch viel näher, man atmet alles tiefer ein, saugt Gerüche und Eindrücke auf bis zum schwindelig sein.

Ein helles, frisches grün umgibt uns. Suggeriert Licht, Helligkeit, Sonne wo sich sich schon längst wieder hinter einer bedrohlich dunklen Regenwolkenwand verkrümelt hat. Birken wedeln Wind mit ihren Blättern im Wind, die weissen Stämme vermitteln Leichtigkeit. Sind es meine Lieblingsbäume? Irgendwie schon, irgendwie aber sind alle Bäume meine Lieblinge. Oder sind es vielleicht doch eher die mit den massiven, braunen Stämmen, deren üppige Kronen sich über die Strasse neigen, ein dichtes Dach bilden, uns durch einen Tunnel fahren lassen.

Aber auch die hohen und doch kompakten Lindenbäume rund um den alten Bahnhof des kleinen Ortes Daehre faszinieren. Nicht zuletzt auch mit ihrem Duft, der zart und angenehm süsslich zu uns herunter weht. Beschützend umgeben sie das alte Bahnhofshaus, das - schon kurz vor dem Zerfall - jetzt wieder aus seinem Dornröschenschlaf gerissen und aufgebretzelt anstatt der Abrissbirne preis gegeben wird. Die Gleise sind längst entfernt, das Gleisbett fast vollständig von Bäumen, Sträuchern und viel Gras zurück erobert. Die Natur ist zäh und erstaunlich schnell im Ringen um ihr angestammtes Terrain. In der Regenrinne des Daches spriessen Gräser und es wundert uns nicht, das uns die neuen Hausbesitzer von einer jungen Birke im Eingangsbereich erzählen. Die Birke ist Vergangenheit. Die Gegenwart und Zukunft hält Einzug in Form von neuen Fenstern, Estrich, einem Bad, einer selbst gebauten Küche und vielem mehr. Holzöfen heizen den dicken, im Sommer angenehme Kühle spendenden Mauern kräftig ein. Sonnenstrahlen schieben sich durch jede kleine Lücke im Geäst der Lindenbäume und wärmen angenehm. Vogelzwitschern und mähende Schafe - Landleben von seiner schönsten Seite. Dazu ein blauer Himmel mit weissen Wolken besetzt, von weiter hinten strahlt noch ein Rapsfeld herüber.

„Hier waren Deutschland und Europa bis zum 18. November 1989 u 6 Uhr geteilt“.

Grenzübergang, Ex-

Grenzübergang, Ex-

Unweit von Daehre kündet ein Schild am Strassenrand von einer früheren Zeit. Eine Art Grenzübertritt also für uns? Auch so viele Jahre danach und ohne wirkliche Grenze ist es irgendwie merkwürdig. Fast ein klein wenig wie die Äquatorüberquerung. Man sieht nix, es verändert sich nix und trotzdem ist da was. Hier jedenfalls sind die Strassen in einem besseren Zustand, die Häuser wirken dafür etwas maroder und streckenweise noch etwas „grau“. Ansonsten bieten Raiffeisenhandel, Discounter und Supermärkte, rote Dächer und Backsteinhäuser inmitten sattem Grün und gelbem Raps, Kirchtürme und Bauernhöfe ein vertrautes Bild. Stumme Zeitzeugen in Form eines alten Kasernengebäudes verstecken sich hinter hohen Büschen und Bäumen, blinzeln aus leeren Augen auf die vorbeifahrenden Autos, die sie kaum noch wahrnehmen.

Alte Bahnhofsauffahrt - heute führt sie einfach nur ins Grüne

Alte Bahnhofsauffahrt - heute führt sie einfach nur ins Grüne

Havenwelten-Geschichten - heute: alles Fisch bei der Fischparty in Bremerhaven

Alles Fisch - Fischparty im Schaufenster Fischereihafen

Alles Fisch - Fischparty im Schaufenster Fischereihafen

Auf Eis gelegt - Fischparty Bremerhaven

Auf Eis gelegt - Fischparty Bremerhaven

Ruheplätze am Schaufenster Fischereihaven mit Blick auf Wasser, Boote und blauen Himmel

Ruheplätze am Schaufenster Fischereihaven mit Blick auf Wasser, Boote und blauen Himmel

Das Sonnendeck der Hansa wird heute wohl eher nicht genutzt - zu kalt pfeift der Wind durch die Häuserfluchten am Schaufenster

Das Sonnendeck der Hansa wird heute wohl eher nicht genutzt - zu kalt pfeift der Wind durch die Häuserfluchten am Schaufenster

Das letzte Wochenende im April - Sonne, Regen, zwischendurch mal ein Graupelschauer und eiskalter Wind. Gäbe es einen besseren Platz, um diesen Tag zu verbringen als Bremerhaven? Pünktlich zur Shopöffnung des Tourismusbüros im Schaufenster stehen wir vor dem Stapel der 1 € T-Shirts. (R)Ausverkauf der tragbaren Bremerhaven-Souvenirs, da schlagen wir doch zu. T-Shirts “gehen” schliesslich immer. Die nette und gesprächige Verkäuferin ist völlig begeistert von unserer Kauffreude. Aber ob die extra für den Sonderverkauf georderte Zusatzverkäuferin heute überhaupt noch was zu tun haben wird?? Wohl eher nicht, der Stapel Shirts neigt sich bedenklich dem Ende zu, dafür bekommen wir reichlich Papiertüten in die Hände gedrückt.

Der Bär ist los und im Hintergrund werden die Flügel an ein neues Windrad montiert

Der Bär ist los und im Hintergrund werden die Flügel an ein neues Windrad montiert

Auf dem grossen Platz im Schaufenster sind viele Buden und Stände aufgebaut, alle noch geschlossen - wir sind definitiv zu früh. Das 1. Event des Jahres, die Fischparty hat aufgerüstet. Also doch erst noch eine Autorunde durch das Hafengebiet und vor allem: Fisch kaufen bei Fisch 2000!! Dank der dazu gepackten Eisbombe bleibt der Fisch auch in unserem Auto frisch und kühl. Kundenservice nennt man das. Angenehm ruhig und beschaulich  geht es im Laden von Fisch 2000 um diese Uhrzeit noch zu. Keine Hektik hinterm Tresen, keine Kundenmassen davor. Da grüsst die gerade ankommende Kollegin noch lautstark in die Runde und freut sich auf die im Aufenthaltsraum bereitliegende Tageszeitung, auf einen Kaffee. Eine halbe Stunde hat sie noch bis zu ihrem Schichtbeginn. Mit einem Lächeln im Gesicht verlassen wir den Laden und erkunden das Hafengebiet weiter. Es gibt immer Ecken, die wir schon länger nicht mehr besucht haben und vielleicht hat sich ja was verändert. Heute am Samstag kann man gut den Verladekai entlang fahren, man stört keinen LKW oder Gabelstapler. Das nutzen auch einige Wohnmobil-Indivudalisten aus - verfolgt der jetzt uns oder verfolgen wir den oder hab ich Halluzinationen, so ein Wohnmobil stand doch eben auch schon neben uns???

Drüben, am anderen Ufer schwebt der zweite Flügel eines Windrades per Kran an seinen Platz. Einmal musste er schon wieder runter, jetzt geht es endgültig nach oben. Und der “Bär” ist los, schiebt eine ordentliche Bugwelle vor sich her und seine hohen Aufbauten zwischen uns und den Anblick des malerischen kleinen Leuchtturmes. Der Bär, das ist ein Schlepper. Bullig und kraftvoll und auch ein bisschen bärenhaft brummig, seinem Namen alle Ehre machend. Ein paar Segelboote laufen Richtung Schleuse. Es ist also kurz vor voller Stunde. Denn die Schleuse (oder offiziell “Lock”) zum Fischereihafen hält es wie eine gute Kneipe: wenn (die Stunde) voll, dann geht es raus. Ob aus der Kneipe auf die Strasse oder aus der Schleuse aufs Fahrwasser der hier schon recht breiten Weser - das macht ja kaum einen Unterschied. Und die Schleusenzeiten merkt man sich mit dieser Eselsbrücke wirklich gut.

Am Kai haben einige Schiffe festgemacht, auch ein Binnenschiff. Das geht fast unter zwischen den wesentlich höheren Kollegen und verblasst vollkommen vor einem aufwendig in Folie verpackten Schiff. Was sich wohl unter der weissen Plaste verbirgt? Die grossen Radar- und Telefondome lassen auf eine Mega-Yacht schliessen, die hier wohl ausgebaut oder ausgerüstet wird. Gut geschützt durch die passgenaue Hülle gegen Wind und Wetter. Und gegenüber wird auf der Bredo-Werft an den robusteren Berufsschiffkollegen gewerkelt, im Freien, ohne Folie - geht auch. Vorbei an den fischverarbeitenden Hallen von Frosta & Co, an den hohen Hallen der windenergetischen Firmen fahren wir zu unserem alten Liegeplatz in der Marina Nordseeyachting, am Leuchtturm Brinkamahof. Wir flüchten vor einem Graupelschauer ins Bürogebäude und lassen uns bei einem Kaffee vom Senior und Junior Chef die Neuigkeiten erzählen. Hat der noch sein Boot und was macht dieses Paar? Viele neue Gesichter laufen auf dem Marinagelände an uns vorbei, aber ein paar von den altbekannten haben hier auch noch festgemacht. Ein Gefühl von Zuhause, von Heimathafen, von Willkommen sein. Und ein netter Schnack mit Schweizern, die gerade ihre nigelnagelneu aussehende Allure hier festgemacht haben. Gerade erst übernommen haben sie das Schiff von Frankreich nach Bremerhaven gesegelt, kein wirklich angenehmer Törn. Und es soll noch weitergehen, in die Ostsee. Jetzt aber geht es erst einmal mit dem Zug zum Flughafen und dann zurück in die Schweiz.

Das lange Wochenende nutzen viele Segler trotz der noch sehr niedrigen Temperaturen dazu, ihre Schiffe entweder aufzurüsten, den Mast zu stellen oder gar zum Sommerliegeplatz in die Ostsee zu überführen. Überall ist Leben und so treffen wir auch in unserer nächsten Station, dem Weser-Yacht-Club bekannte Gesichter. Besichtigen und bewundern ein neu erworbenes Boot, loben die neue Fenster-Aussicht im Rumpf einer anderen Yacht und tauschen Neuigkeiten aus. Endlich schwankt es wieder etwas unter unseren Füssen und der Skipper beweist seine Geschicklichkeit beim an Bord klettern. Geht doch schon wieder erstaunlich gut!

Es zieht uns noch einmal zurück zur nun belebten Fischparty. Fisch, Fisch, Fisch - in allen Variationen. Die Firma Fiedler hat sich richtig ins Zeug gelegt und präsentiert auf viel Eis wahrscheinlich so ziemlich alle essbaren Seefische und Meeresgetier. Entspannt bummeln wir an den zahlreichen Futterständen vorbei, können uns aber nicht so recht für etwas entscheiden. Schliesslich wartet da ja auch noch der Einkauf auf seine Zubereitung …. Das ist das Stichwort, auf in die heimische Küche! Den neuen Hafen lassen wir heute mal aus, der kommt nächstes Mal wieder dran. Und dann besuchen wir auch den kleinen Pingelturm und klettern auf den Container-Aussichtsturm. Es gibt so viel zu sehen in Bremerhaven, das ist und bleibt unser Heimathaven!

Und zu Hause schwankt der Flur doch tatsächlich ein klein wenig unter unseren Füssen. Ein schönes Gefühl :-)

Havenwelten - heute: Wilhelmshaven

Havenwelten - Wilhelmshaven

Bremerhaven, Cuxhaven - das sind unsere Havenwelten. Die „Schwester“ Wilhelmshaven dagegen wird von uns ziemlich vernachlässigt. Warum eigentlich? Ist es das Image Marinestützpunkt? Entfernung, Erreichbarkeit und Lage können es eigentlich nicht sein. Am südlichen Jadebusen gelegen wirbt diese relativ junge Stadt (1869) mit Hafenfeeling pur, mit City Life, maritimen und kulturellen Attraktionen. Es gibt eine Lange Nacht der Kultur, ein Heissluftballonmeeting, das internationale Street-Art Festival und das Lichter-Meer. Aber uns geht ein bisschen so wie den grossen Schiffsgesellschaften, die Wilhelmshaven als einziger wirklicher Tiefwasserhafen Deutschlands mit guter Erreichbarkeit auch (noch) nicht so recht annehmen. Eigentlich spricht vieles für Wilhelmshaven und doch …..

Die Hafengesellschaft des JadeWeserPort wirbt mit den grössten Containerbrücken der Welt und dass man hier Containerschiffe mit mehr als 18.000 TEU be- und entladen kann, tidenunabhängig versteht sich. Mit TEU bezeichnet man übrigens die 20-Fuss-Container. Auf den grossen Containerschiffen werden allerdings meist die bekannteren 40-Füsser verwendet. Im Info-Center erfährt man interaktiv noch einiges mehr zum Hafen und seiner Umgebung und kann von hier aus auch eine Tour mit dem Hafenbus machen. Seit 2012 ist der Hafen in Betrieb und kann sich immer noch nicht richtig gegen den alt eingesessenen Kollegen Hamburg behaupten. Für uns stellt sich schon die Frage, warum man viele Euros in die Hand nehmen will, um mit einer Elbvertiefung den Hamburger Hafen für die tiergehenden Containerschiffe zugänglich zu machen, während hier ein passender Hafen seinen Dornröschenschlaf hält.

Die A29 ist ruhig, wenig Verkehr. Genau wie in Wilhelmshaven selbst. Mitten in der Woche, keine Schulferien mehr und doch ist die Anzahl der Verkehrsteilnehmer äusserst überschaubar. Gar kein Vergleich zu anderen Städten. Parken in einer Seitenstrasse - überhaupt kein Problem. Lebt hier jemand? Liegt es am nicht ganz so guten Wetter, an den kühlen Temperaturen, dass uns nur wenige Zwei- und Vierbeiner begegnen. Selbst die Möwen scheinen sich zu verstecken, nur vereinzelt dreht eine ihre Kreise über unseren Köpfen oder hopst ziemlich unverfroren vor uns auf der Hafenpromenade herum. Vorhafen, Marinehafen, Nordhafen, Arsenalhafen, Ausrüstungshafen, Grosser Hafen, Handelshafen, Kanalhafen ….. so viele Häfen, da verlieren wir etwas den Überblick und konzentrieren uns auf den nahegelegenen Grossen Hafen. Der Museumshafen bzw. der Bontekai (benannt nach dem Kommodore Bonte Friedrich und ursprünglich als Liegeplatz für die Zerstörer der Marine gebaut)  beherbergt ganze 3 Schiffe, irgendwie ist alles noch im Winterschlaf. Das gilt auch für die gegenüberliegenden Sportbootstege. Und obwohl das Küstenmuseum mit dem Slogan „Betreten erbeten“ und einer Sonderausstellung mit dem Thema „Willst Du mit mir segeln gehen“ wirbt, hat die Receptionistin hier ebensowenig zu tun wie die nette Dame im Infocenter des Jade-Weser-Ports. Der liegt weit draussen vor der Stadt und liegt ebenfalls im (Dauer) Winterschlaf. Immerhin läuft ab Mai eine weitere namhafte Reederei den Hafen an und nutzt die Entlademöglichkeiten. Auf den Strassen im Hafengebiet begegnen uns aber bislang nur wenige LKW und die wirken ebenso desorientiert angesichts der grossen Leere wie wir. Dürfen wir da jetzt weiterfahren? Wir wenden vorsichtshalber und fahren zurück zur Stadt.

Am Innenstadtbereich mit Fussgängerzone sind wir schnell vorbei. Der Skipper ist halt auch nicht so der Fan von solchen Bereichen. Und ansonsten reizt uns irgendwie wenig, anzuhalten und die Stadt zu Fuss zu erkunden; mal ganz abgesehen vom immer noch nicht sehr freundlichen Wetter.

Über die Kaiser-Wilhelm-Brücke geht es auf den Flieger-Deich, wir umrunden den Grossen Hafen. Im alten Pumpwerk hat das Kulturzentrum der Stadt Wilhelmshaven eine Heimat gefunden und auf der anderen Strassenseite reihen sich im Sommer sicherlich gut besuchte Restaurants und Cafés aneinander. Sitzen mit Blick aufs Hafenbecken und die alte Deich-Brücke, sicherlich idyllisch. Aber davon ist man hier noch ein paar Tage entfernt.

Wir eiern noch ein wenig durch die Peripherie, auf der Suche nach weiteren Hafenbereichen. Würden gerne mal Boote gucken. Die sehen wir nämlich von der Strasse aus, so um zwei Kanalbiegungen herum, finden aber keine Zufahrt. Ein kleiner Seitenweg am Kanal entlang führt lediglich zu diversen Gebrauchtwagenhändlern mit angeschlossener Reparaturwerkstatt zweifelhafter Qualität. Selbst im angrenzenden Gewerbegebiet vermissen wir die Betriebsamkeit anderer Gebiete dieser Art. Hierher scheinen sich in der Woche nur wenige Kauflustige zu verirren. Schiffe gucken, Segelschiffe genauer gesagt, das knicken wir jedenfalls für heute. Und suchen unseren Weg zurück zur Autobahn, zurück nach Hause.

Wilhelmshaven hat sich uns auch heute nicht so wirklich eröffnet. Man bemüht sich hier, zweifelsohne. Es gibt zahlreiche Museen, nette Gastronomiebetriebe, Veranstaltungen, Konzerte. Vielleicht sollten wir diesem Teil der Havenwelten eine zweite Chance geben, wenn es etwas wärmer und die Stadt dann belebter ist. Dann entdecken wir vielleicht auch das wahre Flair der maritimen Meile und finden auch noch das Wattenmeer Besucherzentrum oder das Aquarium oder werfen auch mal einen Blick übern Deich, aufs Wasser.

Aber erst einmal zieht es uns nach Emden und Leer, nach Hooksiel oder Greetsiel oder oder - die Region bietet ja reichlich interessante und abwechslungsreiche Ziele!

Wenn mal so viele LKW hier am JadeWeserPort wie Schafe unterwegs sind .....

Wenn mal so viele LKW hier am JadeWeserPort wie Schafe unterwegs sind .....

Bedrohliche Szenerie und doch mit einem Lichtschein - JadeWeserPort Wilhelmshaven

Bedrohliche Szenerie und doch mit einem Lichtschein - JadeWeserPort Wilhelmshaven

Kaiser-Wilhelm-Brücke im Grossen Hafen

Kaiser-Wilhelm-Brücke im Grossen Hafen

Bontekai - viel Promenade, wenig los. Und eine einsame Möwe beäugt uns neugierig

Bontekai - viel Promenade, wenig los. Und eine einsame Möwe beäugt uns neugierig

Die Arcona, Heimat des Shantychors und auch für Übernachtungen zur Verfügung stehend

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Vom Winde verweht am Fliegerdeich

Vom Winde verweht am Fliegerdeich

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