Neue Berichte

Auf dieser Seite werden unsere aktuellen Berichte veröffentlicht. Für ältere Berichte kann man im Kalender blättern oder das Archiv durchsuchen. Fotos werden im Fotoalbum 2014-2016 fortlaufend noch ergänzt.

Für Informationen zu einigen von uns besuchten Ländern und Inseln sowie den Boatyards haben wir eine spezielle Rubrik; wir beantworten aber auch gerne direkte Fragen soweit uns das möglich ist.

Da wir mit unserem Gästebuch und dem Kontaktformular derzeit unverhältnismässig viele Spam-Nachrichten erhalten, haben wir Beides deaktiviert. Im Impressum findet der interessierte Leser aber eine leicht verschlüsselte Adresse, unter der uns anschreiben kann. Über Facebook sind wir ebenfalls erreichbar.

Po(o)leposition

Poole-Position

Wir haben sie, DIE ultimative Poole-Postion! Ganz aussen am Rand des Ankerfeldes liegen wir. Mit bestem Blick auf die Mega-Yacht ……. , die mit dem höchsten Mast der Welt auf einem Segelboot protzt und auch sonst ziemlich überdimensioniert am Muelle de Pegasus rumlungert. Oder auf das auslaufende Schulschiff Gloria, deren Besatzung auf den Rahen stehend fröhlich ein Liedchen trällert.

Oder auf die täglichen Schwimmübungen eines armen Marine-Soldaten, der mit einer roten Boje bestückt ein Schlauchboot hinter sich herziehend die Bucht quert.

Oder auf die Wochenend-Feuerwerke, die zischend, jaulend und vor Farbfreude nur so sprudelnd gegen die eh schon mächtige Beleuchtung der Bucht anfunkeln.

Wir haben den besten Blick auf die vorbeifegenden Taxiboote und vergeben Noten für Lage, Eleganz und Gleitfähigkeit.

Wir haben die Poole-Positon wenn es darum geht, die Wellen besagter Taxiboote abzubekommen und wir geniessen die volle Akustik der Musikbands an Land und aus den Stereoboxen der Motorboote. Von Reggae über etwas ältere Chart-Hits (gibt es GEMA in Kolumbien???), vom utzdadautz bis zum plingpling-tschatschatsa der kolumbianischen Volksmusik ist da alles vertreten.

Am Wochenende ist Regattatime. Dann sind wir hautnah am WEnde-Geschehen dran, können vergleichen, welche Yacht mehr Höhe läuft und die Sekunden bis zum Ramming unseres Hecks zählen.

Wenn die Marineschiffe ablegen und dies mit 3x Horn drücken kundtun, haben wir wieder eine Spitzepositon, sind ganz nah dran an der Akustik.

Und wenn es darum geht, das Dinghy rudernd zum Mutterschiff zurück zu bewegen, halten wir ebenfalls die Poole Position was Strecke und Welle angeht. Oder geht da vielleicht doch noch mehr, wenn man ganz hinten am Ankerfeld liegt?? Wir werden es jedenfalls nicht mehr austesten, hier in Cartagena de Indias und finden unsere PoolePosition mit Blick auf die Altstadt, auf die Hochhäuser Manga und Boccagrandes durchaus gut. Wer weiss, wann wir wieder einen solch abwechslungsreichen, interessanten und niemals langweiligen Liegeplatz haben werden!

Leben zu viert

Leben zu viert an Bord. Wie das wohl sein wird? Besuch hatten wir ja schon mehrfach, aber immer nur für einen kürzeren Zeitraum.

Jetzt sind wir seit einigen Tagen wieder zu viert und es ist ganz anders. Denn unsere derzeitigen Mitbewohner, Silke & Peter, sind ja keine Urlaubsgäste sondern richtige Crewmitglieder. Und das merkt man gleich. Beide bringen sich sofort ein, dezent und fragend, aber tatkräftig. Wasser holen, Dinghy rudern (wenn der Aussenborder mal wieder streikt), Rigg checken, Segel prüfen, Reffleinen vorbereiten und was sonst noch alles auf der Liste steht - die zwei sind voll dabei.

Ein bisschen Sightseeing muss aber auch sein. Getsemani bei Nacht, die vielfältigen Muralla-Bemalungen, das bunte Leben auf der Strasse, die kleinen Centro Commercials (unsere kolumbianischen Shoppingmalls der etwas anderen Art), die „Schreiber“ die auf ihren hochbetagten Schreibmaschinen irgendwelche Formulare tippen oder sonstige Texte erstellen, ein dunkles Club Colombia Bier in einer lauschigen Ecke in Getsemani oder ein Bier am Plaza de la Trinidad - die Beiden saugen alles auf, probieren frittierte und mit Käse gefüllte Teigrollen oder trockenes Blätterteiggebäck, freuen sich über das Hafer-Vollkornbrot aus dem Restaurant „El Bistro“ und die Vielfalt an Früchten.

Gemeinsam stöhnen wir über die die Art zu lachen an Bord des Nachbarbootes, gemeinsam bestaunen wir das Sortiment des hiesigen Baumarktes und kaufen den gesuchten Schlauch dann doch im Bootsladen um die Ecke. Philosophieren über unser Leben und das Anderer. Ärgern uns gemeinsam über die Moral der Einklarierungsagentur, die uns für die Ausreise auf einmal nochmal 400 USD abknöpfen will. Begründung: man sei ja schliesslich während unserer Abwesenheit für das Boot verantwortlich gewesen. Häh??? Übrigens ein beliebtes hessisches Fragewort mit 3 Buchstaben …. Verantwortung übernehmen sieht für mich aber mal massiv anders aus und davon war auch nie die Rede. Vor allem nicht, als wir für die Verlängerung der naja’schen Aufenthaltsgenehmigung schon einmal mit 600 USD zur Kasse gebeten wurden. Plus die gut 200 USD, die wir bei unserer Einreise berappt haben. Mir schwillt der Kamm, ich zücke sämtliche Papiere und Rechnungen und errege mich über den geforderten Preis. Die Problematik wird auf Manana vertagt, was aber diesmal in unserem Sinne ist. Und oh Wunder, über Nacht reduziert sich der Preis auf 200 USD. Immer noch ein echtes Schnäppchen, aber wenn es dann damit erledigt ist. Leider haben wir keine Alternative. Der zweite hier arbeitende Agent, David, kann unsere Ausklarierung zwar auch übernehmen, aber dann würden weitere Kosten für uns entstehen. Verstehen wir ja auch. Die White Light Agency wird also nun unsere Ausklarierung übernehmen. Aber wenn wir nochmal hierher kommen sollten, würden WIR unsere Einklarierung nur noch mit David machen! William Arroyo und sein Mitarbeiter Jose, der Sohn des 2016 verstorbenen früheren TO-Stützpunktleiters Manfred Alwardt, sind aus unserer Sicht jedenfalls sehr gewinnorientiert und der Meinung, das Segler ein dickes Portemonnaie haben. David ist übrigens telefonisch unter ……. und per Email unter ……. erreichbar. Schickt man ihm vorab eine Email mit Kopien der Reisepässe und der Schiffspapiere, bereitet er die Einklarierung schon vor. Man trifft ihn meist vormittags im Restaurant des Club Nautico hier in Cartagena an. Mit David bespreche ich noch einmal unsere Problematik und er bestätigt mir, dass es eine komplizierte Situation ist in unserem Fall und wir mit den 200 USD aber ganz gut weg kämen.

Wir ertränken unseren Kummer dieses Mal in Kaffee. Für Rotwein war es selbst mir noch zu früh und trösten uns mit kleinen Teilerfolgen. Peter rückt unserem Stromverlust zu Leibe und findet heraus, dass die zweite LIMA ziemlich warm wird. Zieht man ein Kabel von der Lima ab, funktioniert plötzlich wieder unser Ladestrom via Solar und Windgenerator. Statt 3 Ampere raus gehen auf einmal wieder einige Ampere rein, obwohl mehrere Verbraucher eingeschaltet sind. Also muss Cesar, der Mechaniker nochmal antanzen.

Den Rest des Tages verbringen wir in der Altstadt, holen Werners reparierten Naja-Ohrring bei Shaddai ab, einem wirklich schönen Laden für kolumbianische Smaragde. Die Inhaberin ist auch sehenswert, aber die Preziosen sind nicht nach unserem bzw. meinem Geschmack, grün ist einfach nicht meine Farbe und wir kommen nicht ins Geschäft. Noch ein Abschiedsfoto, die Chefin bedankt sich für unser Vertrauen (immerhin lag der Ohrring nun mehrere Wochen hier im Laden und wartete auf seine Abholung).

Der Aussenborder streikt wieder, wir rudern das mit Wasserkanistern und vier Personen gut ausgelastete Schlauchboot gemütlich zum Schiff zurück. Darin haben wir ja nun schon Übung, müssen nur aufpassen, dass Silke nicht völlig übermüdet vom Steuerbordschlauch ins Wasser kippt.

Der Tag klingt schnell aus an Bord, allgemeine Müdigkeit regt sich. Noch die heute sehr zahlreichen Feuerwerke bewundern, dann geht es in die Kojen. Leise schleicht noch ein Segelboot heran, ist auf der Suche nach einem Ankerplatz, argwöhnisch von mir beobachtet.


Fotos

Landed! Besser spät als nie

Wir stehen auf dem Flughafen von Cartagena. Oder besser gesagt: wir liegen. Auf harten, unbequemen Bänken. Überbrücken die Zeit bis zur Ankunft unserer Freunde.

Das Flughafencafé schliesst, Tische und Stühle werden weg geräumt, die Böden werden gefegt und gewischt. Müdigkeit und Klimaanlage lassen mich frieren - wir wechseln unseren Standort und setzen uns draussen auf den Boden, an die Wand gelehnt, wie viele andere auch. Taxis kommen und gehen. “Heeeelo-Heeeeelo” ruft ein nächtlicher, einsamer Strassenverkäufer. Soll das vielleicht Eis sein? Aber wie ein Eiswagen sieht das Fahrrad mit dem grossen Alutopf auf dem Gepäckträger eigentlich nicht aus. Wir erkundigen uns schonmal nach dem offiziellen Fahrpreis für die Strecke nach Manga. Die offiziellen Taxis sind meist grösser und mit einem richtigen Kofferraum ausgerüstet. Das erscheint uns für den Transport von 4 Erwachsenere plus Gepäck als die passendere Taxivariante. Geht man ums Eck rum, kann man für etwas weniger Geld mit einem der kleinen Taxis fahren. Wollen wir aber heute nicht, wir gucken nur, wie das hier so vonstatten geht.

Endlich kommen sie an, unsere Freunde und Mitsegler für die nächsten 2 Monate.  Hindernisreich war der Weg hierher zu uns für die Beiden. Eisgang auf der Schlei, Wassereinbruch in ihrem schwimmenden Zuhause, dann die Weigerung der Fluggesellschaft, sie in Frankfurt in den Flieger zu lassen. Begründung: in dem Visa für die USA (es war ein Zwischenstop in Punta Cana flugtechnisch vorgesehen)  sei eine Zahl falsch. Willkür, Vorsichtsmassnahme seitens der Gesellschaft? Fakt war: die Freunde waren gestrandet in Frankfurt, viele Euros für Flugtickets und Zusatzgepäckstück in den Sand gesetzt. Guter Rat war im wahrsten Sinne des Wortes teuer, bezahlbare Tickets mussten gesucht werden. Mit Unterstützung eines anderen Freundes wurden dann letztendlich neue Flüge gebucht und so stehen wir nun erwartungsfroh hier und starren gebannt auf die Ankunftstafel. Als der Flug, der eigentlich nach dem unserer Freunde landen sollte, als bereits “landed” angezeigt wird, rutscht mir schon das Herz in die Hose - wieder was schief gegangen, Flugzeug abgestürzt??? Ich ziehe mich selbst am Ohr, gar nicht dran denken. Die ersten Fluggäste kommen angeschlendert, freudig begrüsst von wartenden Angehörigen oder sich leicht orientierungslos umsehend. Neben uns schreit ein besonders eifriger Taxifahrer jedem der Ankömmlinge “Taxi, Taxi, here Taxi” entgegen. Ein zweiter Fahrer versucht den ersten noch an Lautstärke zu überbieten und ich bin kurzzeitig versucht, mein Organ auch mal zum Einsatz zu bringen. Aber vielleicht werd ich dann verhauen oder vom Platz gestellt? Die Jungs haben eindeutig kräftige Oberarme und können ziemlich finster gucken, ich verkneife es mir also lieber.  Dann springt die Anzeige auch für “unseren” Flug auf “landed” um und nach gefühlt endlosen weiteren Warteminuten kommen die Freunde aus dem Terminal raus. In dicker Winterjacke, mit Jeans und schweren Taschen, aber glücklich. Landed!

Mit dem Taxi geht es zum Schiff. Was ist das? Die Eingangstür zum Club Nautico ist verschlossen und weit und breit kein Pförtner zu sehen. Der Skipper randaliert, Peter will übers Tor klettern (was unser Problem jetzt auch nicht unbedingt lösen würde, stünden doch mehrere Taschen, 2 nicht so kletterfreudige Damen und ein noch weniger kletterbegabter Herr weiterhin draussen). Der Aussenborder hat zu dieser Stunde auch keine Lust auf Arbeitseinsatz und verfällt in beharrliches Schweigen. ‘Rudern wir halt, die Bewegung tut uns gut nach dem langen Flug’, die Freunde greifen beherzt zu den Paddeln und ab geht es. Als alles an Deck gewuchtet ist sitzen wir noch bis in die frühen Morgenstunden in der Pflicht und quatschen, freuen uns, dass sie jetzt bei uns angekommen sind.

wir zeigen ihnen das Nachtleben in Getsemani

Erster Landausflug mit Peter und Silke: wir zeigen ihnen das Nachtleben in Getsemani

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