Monats-Archiv November, 2012

Ring around the Rock anstatt “Rock am Ring”

Zwei beeindruckende Tage mit Wahnsinns Ausblicken und Einblicken, Ansichten und Aussichten liegen hinter uns!! Gestern wollten wir mit der Seilbahn schon auf den Felsen. Da die Bahn aber wegen Wartungsarbeiten “out of order” war, wurde kurzfristig umdisponiert und wir sind erst zum Europapoint geradelt. Ganz ehrlich: im Sommer wuerde ich das definitiv nicht tun! Nach dem Blick Richtung Marokko und immer wieder hinauf zum Rock, der unter einem strahlendblauen Himmel lag, sind wir die Ostseite des Felsens entlang geradelt. Ging wieder ordentlich bergauf und vorbei an der unschoenen Seite Gibraltars: Crematorium und Muellanlage, Altreifendeponie etc. liegen hier dicht beinander am Fusse des Berges. Wir brausen (naja, ich jetzt eher weniger, weil so aengstlich beim radeln) durch einen Tunnel bergab und ich atme wirklich auf, als wir wieder aus dem Tunnel raus sind. Die Strassen sind hier in einem nicht gerade guten Zustand und als Radelfahrer muss man schon aufpassen, dass man nicht in einem Schlagloch versinkt. Hier auf der Ostseite ist es sehr schattig und die Brandung haut kraeftig gegen den Fels und trotzdem steht hier eine Art Appartmentblock und sogar ein Hotel! Auch wenn ich hinter jeder kurve damit rechne, dass es nicht weiter geht und wir den Tunnel wieder aufwaerts (schwitz) durchfahren “duerfen”, fahren wir unverdrossen und getrieben von Werners unerschuetterlichem Optimismus weiter. Und kommen tatsaechlich an unserem Ausgangspunkt, dem Flughafen von Gibraltar, an. Werner ist noch voll im Sightseeingfieber, ich dagegen will nur noch “nach Hause”, sprich aufs Boot.

Tag 2 der Gipfelstuermer! Mit dem Fernglas beobachten wir die Seilbahn. Tatsaechlich: die Gondeln gleiten hoch und runter. Also ab aufs Radl und zur Talstation. Den Weg kennen wir zwar jetzt schon, aber wir finden tatsaechlich einen neuen, kuerzeren, durch die erstaunlich schoene Fussgaengerzone. Leider huellt sich der Gipfel heute in eine graue Wolke. Trotzdem ist der Ausblick von hier oben einfach nur gigantisch und mit Worten nicht zu beschreiben. Zumindest fehlen mir die passenden Worte derzeit. Vielleicht koennen die Fotos hier in diedsem Webalbum ein klein wenig alles wieder geben:

https://picasaweb.google.com/105087064849773955264/GibraltarRingAroundTheRock?authuser=0&authkey=Gv1sRgCK7u38Hfk6jiUw&feat=directlink

Wir stehen und schauen, laufen, beaeugen die hier lebenden Affen etwas misstrauisch. Ueberall wird davor gewarnt, dass die Tiere sehr dreist sind und in allen Taschen gleich Futter vermuten. Kalt ist es hier auf dem Berg, Nebelschwaden wabern von unten ueber die Aussichtsterrassen, geben dann aber gleich wieder den Blick Richtung Spanien und Mittelmeer frei.

Die Wolke hebt sich etwas an und gibt auch den restlichen Gipfel wieder frei, haengt aber weiterhin so halb ueber dem Berg und in vielen Fotos am oberen Bildrand! Wir steigen ueber steinige Naturpfade und kommen immer wieder an Resten der kriegerischen Vergangenheit des Felsens vorbei, konzentrieren uns aber lieber wieder auf die ueberwaeltigen Blicke in die Bucht, uebers Mittelmeer. Ich suche unser Schiffchen im Yachthafen von La Linea. Tatsaechlich, da blinkt ganz winzig klein was gelbes zu uns hoch, das 6. Schiff von links da in der Reihe, das muss sie sein! Sooo klein! Da sind die Megayachten im Yachthafen von Gibraltar doch naeher und bedeutend besser erkennbar.

Wir gondeln wieder bergab, mit 3 “Einbeckern”, mit denen wir auf dem Berg ins Gespraech kamen. Das naechste Maal werden wir den Weg bergab zu Fuss machen. Und hoffentlich einen Tag erwischen, an dem der Himmel komplett wolkenlos und strahlend blau ist.

La Linea - Gibraltar

Sonne, blauer Himmel, Fruehstueck auf unserer “Terrasse” mit Blick auf den Felsen. Waesche waschen (die Maschine hier ist richtig gross, da geht ordentlich was rein und somit beschraenkt sich unser Berg Schmutzwaesche auf 3 Maschinenfuellungen!). Froehlich flattert das “Bunte” auf den zur Waescheleine umfunktionierten Reffleinen der Genua-Rollanlagen (die haben ja jetzt grad nix wirklich spannendes zum tun und haengen sonst nur bloed an der Reling rum). Anschliessend mit den Radln in den Ort, Supermaerkte suchen und finden. Im ersten, dem DIA, sind wir uns echt nicht sicher, ob der bald fuer immer schliesst: die Regale haben derart grosse Luecken, das schaut fast nach Raeumungsverkauf aus. Wir fuehlen uns nicht so wirklich wohl hier und besuchen noch den Mercadona. Auch den alten, zum Grossteil wohl bereits abgerissenen “Mercado” finden wir. Aber wie bei uns so oft (wir schlafen ja gern laenger) sind wir hier zu spaet dran: die Staende sind schon mehr oder weniger leer geraeumt, der Markt geht jetzt schlafen.

La Linea ist nicht wirklich schoen. Der sog. Strand besteht aus einem Streifen grau-braunen Sand mit ziemlich viel Muell drauf. Einige wenige Angler luemmeln sich darauf herum und beobachten Ihre Fanggeraete. Direkt unterhalb des Berges liegt die Start- und Landebahn des Flughafens und am Ende des Flugfeldes ein ziemlich neuer Spielplatz…..Abhaertungsprogramm von frueh an? Obwohl, die Flugzeuge sind relativ klein und nicht ganz so laut und viele starten und landen hier ja auch nicht.

Hier im Hafen geht es noch recht lebhaft zu. Auch wenn das Drumherum etwas tot und unfertig wirkt. Die Anlage ist sehr weitlaeufig, eine kleine Bar mutiert hier schnell zum Treffpunkt fuer alle - obwohl der Weg zum sog. Zentrum auch nicht allzuweit ist und auch wenn die abendliche Beleuchtung in der sog. Lounge eher abtoernend hell ist - Bahnhofswartehallenfeeling. Da aendert auch das riesige Poster mit dem Interieur einer Megayacht an der Wand nix dran. Gemuetlicher wird es dadurch auch nicht. Aber der Vino ist trinkbar und fuer die Sportfans fuehrt kein Weg am permanent eingeschaltetem Fernseher vorbei.

Und hier haben wir auch Freunde von Petra & Tom, SY Santos, getroffen: die Jou-Jou liegt hier fuer den Winter und Stefan und Coni wussten schon von unserem Eintreffen hier. An Bord der Jou-jou gab es also wieder viel zu erzaehlen.

Auf einigen Schiffen wird hier ueberwintert. Andere sind noch auf der Durchreise, wollen weiter zu den Kanaren und sind nur als Reparatur- oder Trockenstop hier in La Linea gelandet. Nach dem gestrigen Starkwindtag sind heute schon einige Yachten weiter gegangen.

Morgen wollen wir den Felsen bezwingen und den “Affen Zucker geben” …..wenn das Wetter mit spielt.

Apropos Wetter: gestern am spaetnachmittag gab es hier noch einen richtig heftigen Regenschauer. Der uns aber ein spektakulaeres Bild bescherte (von dem leider kein Foto existiert). Am Himmel zeigte sich erst zaghaft ein kleiner Teil eines Regenbogens. Darueber entstand ein zweiter, etwas schwaecher. Dann spannten sich beiden Regenboegen von einer Seite La Lineas zur anderen und strahlten kraeftig in ihren Farben. Unter dem Regenborgen war der Himmel heller grau, darueber fast schwarz. Das alles angestrahlt von der schon sehr im Westen stehenden Sonne - gigantisch. Alle Gaeste der Hafenlounge traten vor die Tuer und bestaunten den Anblick. So etwas versoehnt uns dann auch mit dem Regen!

Gibraltar

Katzen scheinen unser Schiff sehr interessant zu finden, in der Nacht hat noch eine unter unserer Kuchenbude Schutz vor Regen und Gewitter gesucht. Beim ablegen heute frueh haben wir also besonders darauf geachtet, dass wir keinen vierbeinigen Passagier mitnehmen.

Relativ wenig Wind und moderate Wellen sind unsere Begleiter in Richtung Tarifa. Wir stuetzen wir immer mit dem Grosssegel und laufen durch den Strom eine gute Geschwindigkeit von durchweg 6,8 bis ueber 7 Knoten.

Die Bucht von Barbate strahlt im Sonnenlicht besonders saftig-gruen. Wenn auch der Ort nicht besonders attraktiv erschien (von weitem), so ist doch die Landschaft drum herum sicherlich mehr wie einen 2. Blick wert. Immer wieder sind kleine Orte an die Berghaenge geklebt, die Haeuser liegen verstreut in den mit was auch immer bewachsenen Haengen. Wolken werfen an manchen Stellen dunkle Schatten.

Die Kuestenlinie Marokkos wird voraus immer deutlicher sichtbar und auch Tarifa kommt schnell in Sicht. Auch hier liegt ein leuchtend-weisser Turm vor dem Ort.

Das Verkehrstrennungsgebiet zieht sich unuebersehbar durch die Strasse von Gibraltar: ein „Dampfer“ nach dem anderen braust hier mit ueber 25 Knoten hindurch. Fast alle kommen aus dem Mittelmeer heraus, nur zwei wollen rein. Auch Segelyachten kommen uns viele entgegen, ein mittlerweile ungewohnter Anblick.

Kurz vor Tarifa gehen wir zwischen zwei Flachstellen hindurch, was sich auch sofort an dem veraenderten Wellenbild bemerkbar macht. Die Wassertiefe veraendert sich ebenfalls: von vorher ueber 90 Meter „faellt“ es hier bis auf 34 Meter. Die eigentlichen Flachstellen sollen max 4 und 9 Meter haben, sagt der Navigator. Der Strom wird jedenfalls deutlich staerker und wir zischen mit zeitweise ueber 10 Knoten durch den Atlantik, das sind doch mal Geschwindigkeiten!

Faehren passieren die Strasse, kreuzen zwischen Spanien, Gibraltar und Seuta hin und her. Oder fahren gar nach Marokko? So genau ist das nicht erkennbar.

Den Felsen von Gibraltar hatte ich mir irgendwie beeindruckender, hoeher vorgestellt, aber imposant ist er allemal. Genau wie die vielen Frachtschiffe, die hier in der Bucht vor Anker liegen. Oder sich auch schon mal genau in Kurslinie in Bewegung setzen. Spannende Momente – wo geht er hin, wie gehen wir am besten an dem Koloss vorbei, faehrt der oder liegt er fest? Aus verschiedenen Perspektiven sind die Bewegungen der Grossen schwer einzuschaetzen.

Vor uns startet ein Flugzeug. Die Bahn des Flughafens ist aber weit genug entfernt, der Flieger hoch genug, unser Mast ist nicht in Gefahr – und das Flugzeug auch nicht ;-).

Wir schaukeln mit etwas Gegenstrom aber dafuer auffrischendem Wind Richtung la Linea, wo wir eigentlich in Verhaeltnis zur zurueck gelegten Distanz recht frueh ankommen -  leider aber zu spaet fuer die Oeffnungszeiten des Marina-Office. Feierabend ist hier Samstags um 14 Uhr!

Also legen wir uns an den sog. Wartekai. Das ist eine Betonpier vor dem Hafengebaeude, sehr offen zu Wind und Stroemung hin gelegen und vor allem: der Tide unterworfen (die hier aber nicht so dramatisch ausfaellt). Ich finde den Liegeplatz ja nicht ganz so gluecklich, aber Werner will nicht einfach in eine Box fahren und morgen dann noch einmal verlegen muessen.

Der Wind soll zwar drehen und auch noch zunehmen, das wuerde uns noch mehr auf die Pier druecken wie jetzt schon, aber im Moment sieht es erstmal eher gegenteilig aus und wir liegen jetzt – um 18:56 fuer die Verhaeltnisse nicht schlecht.

Trotzdem gehen wir nur einzeln von Bord. Vorteil dieses Liegeplatzes: wir haben das gratis Wifi des Hafenbueros quasi vor der „Haustuer“. Fuer das Wifi auf den Stegen muss man bezahlen und schlecht ist es auch noch dazu.  Elke & Bert von der Anjuli Nui haben also richtig konstatiert: es wird in Spanien nicht besser mit dem Wifi! Vielleicht ist das aber auch ganz gut so. Freund Heiner meinte ja bei seinem Besuch eh, damit wuerde man doch enorm viel Zeit „vergeuden“.

Vielleicht koennen wir (explizit natuerlich ich) also demnaechst gaaanz viel Zeit fuer andere Dinge nutzen… und ihr auch, da ihr dann nix mehr hier auf der Website zu lesen habt :-)

Wieder Salz auf der Brille - von Cadiz nach Barbate

“Was war das denn??” Werner schaut von seiner Zeitschrift auf. Ich habe auch schon zwei absolut unbekannte Geraeusche gehoert, stehe auf und schaue aus dem Niedergang. Eine Katze steht auf unserem Deck, schaut Richtung Steg, dann zu mir. Eine zweite, etwas kraeftigere kommt von vom Vorschiff her dazu. Als wir zu zweit aus der Plicht zu Ihnen rueber sehen und dabei lachen, wird es ihnen wohl unheimlich und sie ergreifen mit eleganten Spruengen vom Deck auf den schmalen Fingersteg die Flucht. Na, um Ratten an Deck muessen wir uns hier in Barbate dann wohl keine Gedanken machen! In den spanischen Marinas leben derart viele (und gut genaehrte) Katzen, da haben Ratten & Co. Wohl kaum eine Chance. Hunde dagegen sieht man hier nur angeleint oder zumindest in Begleitung ihrer Besitzer. Zumindest ist das hier in Andalusien so.

Der Hafen von Barbate ist recht gross, mit viel Platz zwischen den Stegen fuer Manoever und die abgrundtief haesslichen Betongebauede auf der Pier sind nicht gerade sehr belebt. In einem riesigen Gebaude sind nur noch die grosszuegigen Sanitaeranlagen unter gebracht. Das Marina-Cafe im Obergeschoss steht ebenso leer wie der Rest des Gebaudes. Ein Haus weiter ist das Marina-Office unter gebracht. Wo der Aufzug hier hinfuehrt, hat sich uns nicht erschlossen. An den Stegen liegen nur wenige Boote, wir duerfen in die hinterste Ecke des ersten Hafenbeckens, haben dafuer aber nur einen kurzen Weg ueber den Steg zum Ausgang. Leider aber auch keinen Landstrom. Angeblich soll es an unserem Kabel liegen. Komisch nur, dass genau dieses Kabel heute frueh noch zuverlaessig seinen Dienst in Chadiz verrichtet hat. Aber vielleicht war ja die Ueberfahrt der Stromfuehrung abtraeglich. Wir wurden schon ganz schoen hin- und hergeschaukelt. Der Wind kam aus Sued und ohne die angekuendigte Westkomponente. Und das auch noch mit gut 10 Knoten mehr wie vorher gesagt. Stuetzsegelnd mit dem Gross motoren wir also Richtung Cap Trafalgar, das schon weit vorher zu sehen ist. Die Wellen sind teilweise recht hoch und immer wieder fallen wir heftig in Wellentaeler. Kursabweichungen von wenigen Graden werden umgehend mit ueberkommendem Wasser bestraft. Wieder einmal habe ich Salz auf Brille, Stirn und den Lippen. Ob ich mich schon dran gewoehnt habe? Irgendwie trage ich es gelassener, versuche durch sauberes steuern allzu heftige Seen an Deck zu vermeiden. Leider sind an steuerbord auch riesige, bedrohlich dunkle Wolkenberge zu sehen, die langsam aber stetig die Sonne und den bis dato blauen Himmel verdecken. Cadiz verschwindet hinter uns bereits in einer Regenwand. Ca. 10 Meilen vor dem geschichtstraechtigen Cap Trafalgar aendern wir nochmals unseren Kurs und muessten eigentlich segeln koennen. Aber irgendwie funktioniert das nicht: die Genau schlaegt, die Geschwindigkeit geht unter 4 Knoten, die Wellen werfen uns hin und her. Aber schon wieder motoren? Nein, verflixt, das muss doch gehen. Eine neue Strategie wird entwickelt: ich steuere stur nach Windanzeige und laufe soviel Hoehe wie irgendwie geht aber auch nur soviel, dass ich nicht unter 5 Knoten Fahrt komme. Den Kurs auf dem Fluxgatekompass behaelt Werner im Auge und sagt mir nur an, wenn ich zu lange vom Kurs abfalle. Ich selbst verschwende nur hin und wieder einen Kontroll-Blick auf den guten alten Kreiselkompass und behalte ansonsten eben nur Wind und Welle im Auge. Das funktioniert super. Mit dieser Methode eiere ich laengst nicht mehr so durch die Wellenlandschaft und wir laufen meist mit 6,2, manchmal mit ueber 7 und sogar mal mit 8,2 Knoten Fahrt Richtung Barbate. Vor dem Cap Trafalgar steht ein weisser Leuchtturm im Wasser. Das es eine Landverbindung gibt, sehen wir erst spaeter. Auf Hoehe des Caps holt uns die dunkle Wolke dann doch noch ein: es donnert, der Wind laesst erstaunlicherweise nach und dreht auch noch. Also doch wieder motoren. Schade, lief grade so gut :-( Sicherheitshalber hatten wir die Genua weg gerollt, das war Windstaerkentechnisch zwar absolut ueberfluessig, aber der Himmel signalisierte eigentlich etwas anderes. Und jetzt ist die Segelfuehrung aufgrund von zu wenig Wind auch o.k. Dann verhuellen sich Leuchtturm und Cap T. in Regenschwaden, wir sind ja schon geruestet und nehmen den einsetzenden Regen mit Gleichmut. Waehrend an Backbord alles im Regen versinkt, ist an Steuerbord immer noch die Kueste Marokkos zu erkennen! Wahnsinn, knapp 40 sm sind es bis dorthin. Zum greifen nahe wirkt die dunkle Silhouette des ersten Zipfels von Afrika. Aber wir wollen ja erst ins Mittelmeer. Kurz vor Barbate klart es wieder auf, Leuchtturm und Cap werden wieder von der Sonne angestrahlt, blauer Himmel steht ueber uns, ein Stueck Regenbogen leuchtet ueber dem Cap - ein wunderschoener Anblick! Hinter uns taucht ein Fischerboot aus dem Regen auf, das ganz offensichtlich das gleiche Ziel wie wir hat.

Wir schaukeln gemuetlich um die Mole rum und machen linkerhand am Anmeldesteg fest. Anmeldeprozedere wie gehabt: alle Papiere werden kopiert, zig Blaetter ausgefuellt, gestempelt und vom Skipper signiert. Und das im Zeitalter der elektronischen Datenuebermittlung. Koennte man unsere Papiere nicht einscannen und allen von uns angelaufenen Eppa-Haefen zur Verfuegung stellen? Aber wahrscheinlich wuerden dann hier nicht mehr 2 nette Damen sitzen sondern nur noch eine. Also sichern wir weiterhin Arbeitsplaetze. Den Weg um das recht grosse Hafenareal herum Richtung Stadt sparen wir uns. Hunger, Muedigkeit, meine Fuesse wollen nicht mehr, der Rest auch nicht. Wir hatten die letzten Tage ausreichend Sightseeing und die Aussicht auf einen 20-minuetigen Fussmarsch nach Barbate im Regen (die ueber uns haengenden Wolken lassen diesbezueglich nichts gutes ahnen) motivieren mich zum relaxten sitzen auf der Salonbank mit einem meiner neuen E-Books. Auch wirkt die Skyline von Barbate nicht sonderlich attraktiv auf uns. Mag sein, dass wir dem Ort damit Unrecht tun. Mal sehen, was der Wetterbericht morgen frueh fuer den Tag vorher sagt. Wenn es bei dem angekuendigten West mit einer Staerke um 11 Knoten (also dann ca. 20 Knoten) bleibt, dann werden wir morgen durch die Strasse von Gibraltar und nach La Linea gehen. Ansonsten werden wir die naechsten Tage noch ausreichend Zeit fuer eine Besichtigung von Barbate und Umgebung haben, denn dann warten wir hier auf die passenden Wetterbedingungen fuer diesen Abschnitt.

Von unserem Freund Heiner haben wir uns uebrigens heute frueh in Cadiz wieder verabschiedet. Er ist mit seinem Motorrad wieder Richtung Norddeutschland unterwegs, hat bereits ein Quartier fuer die Nacht gefunden und den heutigen Tag mit nur 30 Minuten Regen on the road verbracht. Wir hoffen, dass er den Rest des weiten Weges ebenfalls gut zurueck legt und wohlbehalten zu Hause ankommt!

Cadiz

Gut, dass wir gestern Abend noch eine zusaetzliche Leine an unserer Backbordseite ausgebracht haben! Seit 3 Uhr heute nacht pfeift der Wind in den Riggs und beim Fruehstueck schaukelt es selbst hier im Hafen recht ordentlich. Windstaerken zwischen 25 und 32 Knoten und das wieder mal “voll auf die Nase, naemlich aus Suedost (wir liegen ja im Hafen). Wir pruefen nochmals alle Festmacher und Fender und machen uns dann tapfer auf den weiten Weg zu den Duschen. Heiner hat sein Handtuch an Bord vergessen und in der Herrendusche ist der Warmwasserboiler ausgestoepselt. Dafuer entdecken wir eine gigantisch grosse Waschmaschine - die auch nur mit Kaltwasser arbeitet. Es regnet immer wieder heftig, wir harren noch etwas im Duschgebaeude aus, bis der Regen etwas nachlaesst. Auf dem Rueckweg muessen wir uns richtig gegen den Wind stemmen und legen in der Hafenbar erstmal einen Kaffeestop ein. Interessiert verfolgen wir die Nachrichten auf spanisch im obligatorisch eingeschalteten Fernsehgeraet. Gischt sprueht ueber die Hafenmole und weisse Wellenkaemme treiben durch das Hafenbecken. Mit leichter Schlagseite geht es an Bord zurueck. Wat nu? Ratlosigkeit macht sich breit, aber der Optimismus siegt - ?da hinten wird es heller’. Ja, ja - es klart auf zum Wolkenbruch. Trotz der bordinternen Differenzen bezueglich der weiteren Wetterlage machen wir uns auf zur 2. Stadtbesichtigung von Cadiz. Diesmal bei Tage, aber dafuer mit immer wieder Regen. Wenigstens bekommen wir einen “Lift” vom Hafengelaende bis zum Plaza Espana. Den kennen wir von gestern Abend ja schon. Der Mercado ist heute unser erstes Ziel. In der Mitte liegen die Obst- und Gemuesestaende aufgereiht, aussen gehen wir an den Fleisch- und Wurststaenden entlang. Jeder Stand hat auf einem Schild den Vornamen des jeweiligen Inhabers angeschrieben. Eine Reihe weiter sind dann Dutzende von Fischstaenden zu finden. Wir koennen uns gar nicht entscheiden. Die ersten Staende werden aber schon geraeumt, so ist Entscheidungseile geboten. Tuna soll es sein und fuer Werner noch eine Lachsfilet und ein weisses Fischfilet. Vor dem ebenfalls zahlreich angebotenen Hai oder Schwertfisch schrecken wir dann doch etwas zurueck. Auch die verschiedenen Pulpo und Muschelvariationen werden eher skeptisch beaeugt. Am naechsten Gemuesestand noch unsere heiss geliebten Pimientos de Padron und frische, dicke Zwiebeln. Jetzt ist das Abendessen gesichert und die Kaffeepause koennte eingelegt werden. Vorbei an unzaehligen modernen und traditionell eingerichteten Restaurants und Bars laufen wir kreuz und quer. Schwere, offenstehende Holztueren gewaehren uns Einblick in wunderschoen geflieste Hauseingaenge und die dahinter liegenden Patios. Am Postgebaeude fallen uns die Briefkaesten in Form von in die Wand eingelassenen Loewenkoepfen auf. Auch das Postgebaeude selbst ist wunderschoen. Nach mehreren Irrungen und Wirrungen in den Gassen von Cadiz suchen wir die Tourist-Info mit etwas mehr Intensitaet und werden schliesslich sogar fuendig! Diese nuetzliche Institution liegt leicht uebersehbar in einem sehr schoenen Pavillon, der wiederum mitten in einem kleinen Park direkt gegenueber der Kreuzfahrt-Kaje steht. Sehr schoen anzuschauen, aber man kann eben auch leicht dran vorbei schauen. Bewaffnet mit einem richtigen Stadtplan (in Farbe und mit Erklaeuterungen in Deutsch) ziehen wir wieder los.

Verschieden farblich markierte Rundgaenge ziehen sich durch die Stadt. Der Einfachheit halber sind entsprechend farbige Linien auf das Strassenpflaster gemalt, denen man folgen kann. Simpel und optisch gut auffallend. Der Torre Tavira liegt auf dem hoechsten Punkt der Stadt und kann besichtigt werden. Ganz oben ist eine Camera Obscura aufgebaut. Von hier hat man einen 360? Blick ueber die Stadt und die Bucht. Vorbei an den wunderschoenen, alten Gebaeuden einer Tabak-Fabrik kommen wir durch die verschiedenen Barrios, passieren das Hospital de Mujeres und unzaehlige Kirchen. An vielen Haeusern findet man weisse Fliesentafeln, auf denen in blauer, geschwungener Schrift mitgeteilt wird, wer hier wann gelebt hat und was das fuer ein besonderer Mensch war, Gitarrist, Komponist, Schriftsteller, Flamengomusiker und -taenzer - vielfaeltig wie die verschiedenen Haeuserfronten waren und sind die Menschen und das Leben hier. In einer Strasse liegen verschiedene Hotels nebeneinander, alle eint der wunderschoene Eingangsbereich. Eine Pulperia, Tapa-Bars, kleine Mercados, Apotheken, Geschaefte aller Art - alles finden wir, nur keine Pastelleria mehr! Verflixt, irgendwo muss man doch ein Stueck Kuchen und einen Kaffee dazu bekommen. Ein letztes, verzweifeltes Abbiegen in eine breitere Einkaufsstrasse und tatsaechlich: hier liegt ein Caf?-Restaurant mit akzeptablem Kuchenangebot fuer die Herren und Wifi fuer die Dame. Hier halten wir es so versorgt einige Regen-Stunden aus. In den schmalen Gassen bewundern wir immer wieder die Fahrkuenste der Lieferwagenfahrer, die schwungvoll durch Cadiz preschen. Auch vor den zahlreich vertretenen Motorroller-Fahrern muessen wir uns in Acht nehmen. Cadiz scheint die Stadt der Roller zu sein - so viele dieser wendigen Fahrzeuge haben wir noch nirgendwo sonst gesehen, fahrend oder geparkt. Langsam wird es dunkel und wir wollten ja an Bord zu Abend essen?. Also aufgerafft und tapfer im wieder einsetzenden Regen zurueck. Zwecks besserer Orientierung bemuehen wir uns um einen geraden Weg Richtung Plaza Espana und Hafen. Auf dem Stadtplan stellt sich dieser “gerade” Weg zwar spaeter nicht ganz sooo dar, aber immerhin wissen wir jetzt die Namen der Strassen und Plaetze, die uns wichtig sind und kommen somit morgen hoffentlich direkter und schneller ans jeweilige Ziel. Jetzt aber geht es erstmal an grossen Holztoren vorbei zur Promenade, die zum Hafen fuehrt. Eines steht offen und gewaehrt Einblick in eine relativ kleine Werkstatt. Wenige Meter weiter verkuenden diverse Schilder ueber schlichten, dunklen Toren und Tueren ebenfalls von Lokalen - Bars oder Diskotheken? Alles wirkt verlassen und aufgegeben, ob sich das wohl am Wochenende aendert oder im Sommer?? Wir werden es wohl nicht erfahren. Das letzte Stueck Weg bis zum Schiff muessen wir uns heftig gegen den Wind stemmen. Der hat in keinster Weise an Intensitaet nach gelassen, eher noch zugenommen. Die Gischt kommt ueber die Mole, das Schiff ruckt in die Festmacher ein, legt sich gegen die Fender auf der Steuerbordseite und wir muessen gut gegenhalten, um an Deck das Gleichgewicht zu halten. Fallen klappern, der Wind heult durch die Riggs. Aber es ist warm und gemuetlich unter Deck. Mit einem leckeren Fisch-Abendessen, der Toernplanung fuer die naechsten Abschnitte Richtung Gibraltar, erzaehlen und mit Mark-Knopfler-Musik klingt der Abend gemuetlich an Bord aus.

Ein kleiner Laden mitten in Cadiz - das Mobilar hat die Zeit gut ueberstanden

Ein kleiner Laden mitten in Cadiz - das Mobilar hat die Zeit gut ueberstanden

  

Plätze wie diesen gibt es in Cadiz viele - kleine und grosse

Plätze wie diesen gibt es in Cadiz viele - kleine und grosse

« Previous PageNext Page »