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Kaum wach, hoeren wir schon die Ankerkette der Wind of Change aufwaerts rasseln. Endgueltiger Abschied von Heidi & Dieter, vorerst zumindest. Ganz sicher werden wir uns im September/Oktober irgendwo wieder begegnen, spaetens aber im Winter in Almeria. Trotzdem ist es ein komisches Gefuehl. Heidi meinte gestern abend: ’sonst liest man immer von solchen Abschieden und kann es gar nicht nachvollziehen, wie das ist. Jetzt erleben wir das zum erstenmal so richtig!’ Uns geht es ebenso, auch wenn wir aehnliches Abschiednehmen schon in A Coruna hatten. Ralf & Ingelore, die aus gesundheitlichen Gruenden noch dort blieben und Elaine & Rob, die aus technischen Gruenden in A Coruna ausharren muessen. Die Wind of Change geht jetzt jedenfalls erstmal zur Isla des Cies, die wunderschoen sein soll und den schoensten Strand der Welt hat - laut diversen Aussagen. Da wollten wir eigentlich auch noch hin. Aber fuer uns hat jetzt erstmal Liegeplatz-Suche fuer die Zeit unseres Deutschland-Trips Prioritaet. Nach dem Fruehstueck geht es also noch einmal zur Marina hier in Caraminal. Wir bekommen einen durchaus akzeptablen Preis fuer den gewuenschten Zeitraum und ein Liegeplatz innen hinter dem Wellenbrecher ist auch frei. Hier liegen auch zwei Yachten aus Cuxhaven dauerhaft, die Bullwinkel und die Kick em Jenny. Leider ist niemand an Bord. Dafuer lernen wir spaeter und aufgrund Werners hartnaeckiger Nachfragerei noch den hiesigen Trans-Ocean Stuetzpunktleiter, Nicolas Fernandez Coira - hier nur als Nicolas Fernandez bekannt - kennen. Leider spricht er so gut wie kein Englisch und unsere Spanischkenntnisse sind nun wirklich nicht der Rede wert. Beschaemend - fuer uns - finden wir und beschliessen, diese Sprache schnellstmoeglichst zu erlernen. So verlaeuft die Conversation zwischen uns mehr auf der Ebene ‘freundliches Anlaecheln’ und da wir ihm versichern, keine Problemas zu haben, verabschiedet er sich schon bald von uns. Wir laufen durch die Strassen von Caraminal und finden die Beschreibung aus unserem Revierfuehrer aus den 90iger Jahren durchaus bestaetigt. Zwischen nicht so gelungenen Neubauten stehen immer wieder auch die schoenen, alten Haeuser. Dazwischen immer wieder Plaetze mit Cafes und Bars. Der kleine Park zwischen Hafen und Stadt ist schoen angelegt und laedt zu einer Pause im Schatten der Baeume ein. Die Markthalle ist wahrscheinlich der Stolz der Stadtverwaltung, strahlt aber ein staehlern-modernes Flair aus und regt uns nicht zum Einkaufen an. Auch wenn die Auswahl an den geoffneten Staenden sich durchaus sehen lassen kann. Auch hier in Caraminal finden wir Kirchen und

Teil der alten Stadtmauer und die "Igrexa de Santiago do Dean"

Teil der alten Stadtmauer und die

Kreuze, die stark an die in der Bretagne erinnern. Die keltische Vergangenheit ist auch hier ueberall praesent. Auch die Steinformationen ueberall an der Kueste und hier in den Rias erinnert sehr an die Bretagne. Bei Wikipedia lesen wir dann noch nach, dass es sich bei den Waeldern auf den Huegeln ringsum zum Teil um Eukalyptusbaeume handelt, die dort angepflanzt wurden. In der Stadt selbst dominieren hohe und meist beeindruckend gerade gewachsene, wirklich schoene Palmen. Und Bougeainvillea darf natuerlich als bluehendes Element auch nicht fehlen. Im ansonsten zur Zeit ungenutzten Schulhof uebt eine kleine Truppe eine Art Tanz ein. Der maennliche Choreograph gibt Anweisungen und die Maedels versuchen, diese auszufuehren. Im noch sehr aktiven Fischerhafen werden aus einem kleinen Lieferwagen mehrere Kaesten mit relativ kleinen Fischen ausgeladen und zu meiner Verwunderung auf den Steg Richtung Fischtrawler gebracht. Ich dachte eigentlich, die gingen den umgekehrten Weg - also vom Trawler in Kisten zum Lieferwagen??? So kann Frau sich taeuschen ;-)! Insgesamt ist auch Caraminal eine lebendige Stadt, die wenig vom Tourismus gepraegt zu sein scheint. Aber sie wirkt auch anonymer auf uns. Und vielleicht ist auch das mit ein Grund, warum wir mit etwas Wehmut an die Ria de Muros und Muros selbst zurueck denken. Dessen Flair hat uns ungleich staerker beeindruckt und dort haetten wir es gut noch einige Tage aushalten koennen. Wo wir da doch schon vom Kellner fast mit Handschlag begruesst wurden und uns die Einheimischen alle nett gruessten. Heute ist es hier zum Grossteil bedeckt, trotzdem sind die Temperaturen recht hoch und die Kraft der Sonne ist auch durch die Wolkendecke spuerbar. Hin und wieder kommt die Sonne auch komplett durch. Irgendwie fuehlen wir uns leicht gelaehmt und sind nicht so recht in Entdeckerlaune. Nach einem Kaffee in der Bar des Club Nautico - wo wir dann eben auch Nicolas Fernandez noch treffen - fahren wir zurueck zum Schiff. Mittlerweile haben doch tatsaechlich noch 2 weitere Yachten hier den Anker fallen lassen, viel dichter unter Land wie wir. Aber es sind auch flachgehende und etwas kleinere Schiffe. Der Wind hat gedreht, kommt jetzt aus West und hat auch etwas zugelegt. Noch liegen wir hier aber relativ ruhig und hoffen, dass das auch so bleibt, da wir die kommende Nacht noch hier verbringen wollen. So vergeht der Tag mit Schlauchboot wieder etwas aufpumpen, den Aussenborder-Tank nachfuellen, Routen planen, ein bisschen im Internet surfen (sofern es die Verbindung zulaesst), lesen (ich hangele mich durch einen in englisch geschriebenen Roman, leichte Kost und trotzdem worttechnisch eine Herausforderung fuer mich!) und doesen. Zum schwimmen gehen kann ich mich immer noch nicht entscheiden und auch Werner hat heute keine Lust mehr dazu. Dafuer wird nach einer kurzen Siesta und ausgiebigem Studium des Reeds (die Bibel fuer Segler) endlich der ausser Betrieb gesetzte Separ-Filter gewechselt. Vor einigen Tagen lief unser Motor etwas unrund, ein umschalten vom 1. auf den 2. Filter beseitigte das Problem. Die Filterinspektion und ein Wechsel wurde aber bislang versaeumt/vergessen. Bei der Aktion hat sich dann leider eine 8er-Nuss aus dem nigelnagelneuen Setkasten ins Bilgennirwana verabschiedet. Eine ausgedehnte Suchaktion brechen wir erfolglos ab. In der Bilge haben wir zwar so einiges gefunden, aber nicht das gesuchte Teil. Also ein weiterer Punkt auf unserer Liste “zu besorgen”. Bei der Suche nach dem neuen Filter (wohl verwahrt sind diese wichtigen Teile unter unserer Koje) greift der Skipper natuerlich zielsicher nach einem “alten”, der - weil noch in Ordnung - fuer den absoluten worst-case aufbewahrt wird. Also nochmal auf Tauchstation gehen und einen wirklich neuen Filter zu Tage befoerden. Nach dem Einbau und wegraeumen des Werkzeugs haben wir uns einen Landgang verdient. Wir spazieren durch die Gassen und schlendern die Strandpromenade zurueck. Zwei Jogger kommen die Promenade entlang, ziehen sich am Strand aus und gehen zum Abschluss ihres Fitnessprogramms schwimmen. Das muss klasse sein. Es gibt schon auch schoene Ecken hier. Und die verwinkelten Gassen muten sehr mittelalterlich an. Immer steht irgendwie ein Haus mittendrin, ist hier ein Vorsprung, da ein Versatz. In den Lokalen auf den Plaetzen und in kleinen Seitenstrassen herrscht das gewohnte Leben. Mit dem Unterschied, dass hier heute fast ueberall die Fernseher laufen und alles gebannt auf den Bildschirm schaut. Kein Wunder: es wird ein Fussballspiel uebertragen - Madrid gegen Barcelona. Etwas abseits suchen wir noch ein Lokal heim, offenbar ein Familienbetrieb. Ein Vino Tinto, ein Cerveza und dazu gibt es (unaufgefordert) eine kleine Tapa-Schale mit Patatas Fritas und Fleischstueckchen in einer roten Sauce. Sehr lecker. Wir dachten schon, das Lokal schliesst, wir seien die letzten Gaeste.

 

Sehr nettes Restaurant in Caraminal

Sehr nettes Restaurant in Caraminal

¬†Doch innerhalb weniger Minuten ist die Bude schon wieder leicht gefuellt. Trotzdem verlassen wir diesen gastlichen Ort und schlendern zurueck zum Yachthafen, wo wir unser Dinghi geparkt haben. In der hier schon geschlossenen Bar sitzt der Cheffe und will Werner sogar die Tuer aufmachen, damit er auch noch Fussball gucken kann. Als der aber dankend ablehnt, guckt er schon etwas unglaeubig - auch auf mich. So nach dem Motto: was bist Du denn fuer eine, dass dein Mann hier nicht reinkommt und Fussball gucken will!! Tja, spanischer Mucho-Macho, das nennt man Liebe :-))..denn lieber faehrt er mich mit Speed durch die Bucht zu unserem schwimmendem Heim, sitzt jetzt mit mir auf unserer Terrasse (auch Plicht genannt), sieht mir beim Tastenquaelen zu und bewundert ansonsten das Panorama um uns herum. Das sieht mehr wie ein See aus, denn eine Bucht. Es ist windstill und wir liegen ganz ruhig. Von Land dringen die Stimmen aus den Lokalen herueber, durch die Bucht duest noch ein kleines Fischerboot - ohne Beleuchtung aber unueberhoerbar durch die angeregte Unterhaltung an Bord. Die Fischer sind ueberhaupt sehr freundlich hier zu uns Yachties, gruessen nett und winken - vor allem, wenn sie uns mit ihren Netzen “einkreisen” ;-), wie heute frueh. Aber das war nur von kurzer Dauer und man kann auch nicht wirklich von einem Kreis um uns herum sprechen. Aber das Netz wurde schon sehr nah ausgelegt. Mittlerweile sind wir auch nicht mehr so ganz alleine hier: es sind doch noch 3 weitere Boote vor Anker gegangen, eines sogar ganz in unserer Naehe. Von der grossen Mole gegenueber dringt das permanente Motorengeraeusch eines Aggregates an Bord eines groesseren Frachtschiffes herueber. Haben die denn keinen Landstrom oder Solar- und Windgeneratoren?? Aber wir koennen trotzdem schlafen, da bin ich mir sicher, es ist ein gleichfoermiges Geraeusch, das halt einfach da ist und irgendwie dazu gehoert.